Rettungen sauer

Sozialdienste-Ausbildung teuer wie Medizin-Studium

8900 Euro - so viel kostet die Ausbildung für einen Mitarbeiter beim Roten Kreuz. Ohne dieses 260 Stunden lange Training kann der Verein die Studenten, die ihnen die Regierung zwecks Sozialdienst schicken will, gar nicht brauchen. Nicht viel mehr als diese Sani-Ausbildung macht übrigens die Studiengebühr für ein komplettes Medizinstudium über 16 Semester aus…!

„Was bringt es dem Roten Kreuz, wenn wir einem Studenten im letzten Semester die teure Ausbildung zahlen, dieser sich aber nach einem halben Jahr vertschüsst, weil er mit der Uni fertig ist“, fragt sich Oberösterreichs Rot-Kreuz-Chef Leo Pallwein-Prettner. Er steht der Idee der sozialen Arbeit für Studiengebühren zwar prinzipiell positiv gegenüber, das gilt aber nur für jene Studenten, die bereits jetzt fürs Rote Kreuz tätig sind, also die Ausbildung haben: „Bei Neueinsteigern muss man genau überlegen, wie das organisiert wird, ob etwa der Bund die Ausbildung zahlt.“ Das wäre jedoch ein Schildbürgerstreich: Denn 8900 Euro für die RK-Ausbildung - da wäre schon ein ganzes Medizinstudium finanziert! Zudem übersteigen die 260 Kursstunden bei weitem die geforderten 60 Sozialdienst-Stunden. „Jedenfalls wäre es schön, wenn wir in die Arbeitsgruppe der Regierung eingebunden wären“, so Pallwein-Prettner.

Auf die menschliche Komponente macht OÖ-Vize-Feuerwehrkommandant Friedrich Hauer aufmerksam: „Da können wir gleich mit der Freiwilligkeit aufhören, wenn dann einige plötzlich doch Geld kriegen. Außerdem werden Studenten, die sich die meiste Zeit in Graz oder sonstwo aufhalten, sicher nicht mitten in der Nacht kommen, um ein Unfallopfer aus dem Wrack zu schneiden oder einen Brand zu löschen. Das macht dann wer, der dafür nichts bekommt!“

Da hat die Arbeitsgruppe zu diesem Thema also noch einiges zu überlegen.

 

 

Foto: Horst Einöder

Samstag, 15. Mai 2021
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