Der alte Orpheus-Mythos ist in der Sichtweise Cocteaus die Geschichte eines Künstlers mit Kreativitätsproblemen, aus denen er sich über die emotionelle Annäherung an das Phänomen Tod befreien kann. In der Inszenierung durch Daniela Kurz erlebte der Mythos eine unbeschreiblich poetische und bei aller Fülle tiefsinnig hintergründiger Metaphern dennoch unmittelbar verständliche Umsetzung. Was Daniela Kurz an fein schattierter Bewegungsstrategie auf die Bühne zaubert, sei es durch den Einsatz der Bühnenmaschinerie, durch Personenführung oder durch die Rekrutierung eines Bewegungsensembles, lässt immer wieder den Atem stocken und motiviert zum Schauen ohne Ende.
Das Sängerensemble von hoher Qualität nützt die vom Komponisten reichlich gewährten Chancen auf kantable Stimmentfaltung weidlich aus; allen voran der kristallklare und elastisch geführte Sopran Gotho Griesmeiers, die als geheimnisvolle Prinzessin mit ätherischem Charme die Erlösungsfigur des Todes repräsentiert und in dieser Produktion zur zentralen Rolle des Abends avanciert.Ein Sonderlob gebührt dem Bruckner Orchester, das unter Chefdirigent Dennis Russell Davies seine konzentrationsintensive Arbeit zum kammermusikalisch transparenten und klangprächtigen Endergebnis brachte. Lautstarke Begeisterung des Publikums!
Nächste Vorstellungen: heute, Di, u. 31. 1.
Fotograf: Artner
Da dieser Artikel älter als 18 Monate ist, ist zum jetzigen Zeitpunkt kein Kommentieren mehr möglich.
Wir laden Sie ein, bei einer aktuelleren themenrelevanten Story mitzudiskutieren: Themenübersicht.
Bei Fragen können Sie sich gern an das Community-Team per Mail an forum@krone.at wenden.