Wie die Hyänen

Britische Polizei sperrt Strand wegen Plünderern

Ausland
23.01.2007 12:15
Aus Angst vor weiteren Plünderungen haben die britischen Behörden am Dienstag einen Strand an der Küste der südenglischen Grafschaft Devon abgesperrt. Die Zufahrtstraßen wurden laut BBC blockiert, um zu verhindern, dass Strandräuber weiterhin Container des gestrandeten Frachters "Napoli" ausräumen. Zugleich begannen die Vorbereitungen, um aus dem Schiff rund 3.500 Tonnen Öl abzupumpen.

Die Sperrung des Strandes wurde damit begründet, dass sich Szenen wie am Vortag nicht wiederholten sollten. Am Montag hatten mehrere hundert Strandräuber mindestens 20 Container geplündert, die von der "Napoli" angeschwemmt worden waren. In ihre Hände fielen zum Beispiel teure Weine, Parfüm, Damenmode, Werkzeuge und Auto-Ersatzteile. Einige der Strandräuber zogen sogar mit Motorrädern ab. Die Plünderungen dauerten bis weit in die Nacht. Inzwischen wird ein Teil der Waren bereits im Internet zur Versteigerung angeboten.

Der örtliche Polizeichef Steve Speariett schätzte, dass "ungefähr 50 BMW-Motorräder vom Strand weggerollt wurden". Zum Diebesgut hätten auch viele Kosmetikprodukte sowie Fahrzeug- und Maschinenersatzteile gehört (siehe Diashow in der Infobox). Die Plünderer brachten ihre Beute mindestens in einem Fall mit einem Traktor weg. 

Bereits 200 Tonnen Öl ausgelaufen
Aus der "MSC Napoli" liefen bisher rund 200 Tonnen Öl in den Ärmelkanal. Das britische Verkehrsministerium erklärte, der Frachter habe insgesamt 3.000 Tonnen Diesel und Öl geladen. Man gehe jedoch davon aus, dass keine größeren Tanks aufbrechen würden. Die Einsatzkräfte konzentrierten sich am Montag darauf, den Treibstoff aus dem Schiff abzupumpen.

Weltkulturerbe von Ölpest bedroht
Eine Vogelschutzorganisation erklärte, es seien bereits Dutzende ölverschmierte Tiere gefunden worden, einige bis zu 50 Kilometer vom Wrack entfernt. Die Strände Branscombe und Sidmouth liegen an der 150 Kilometer langen Küste, die von der UNESCO wegen zahlreicher Fossilienfunde zum Weltkulturerbe erklärt wurde.

Schiff droht auseinader zu brechen
Bergungsmannschaften bemühten sich übers Wochenende vergeblich, das im Orkan "Kyrill" beschädigte und von der Besatzung aufgegebene Schiff zu stabilisieren. Der Frachter mit seinen 2.400 Containern liegt mit 30 Grad Schlagseite vor der südenglischen Küste in der Nähe von Sidmouth. Das Schiff drohte nach Angaben laut Küstenwache auseinander zu brechen. 

1.700 Tonnen Gefahrgut an Bord
Die "MSC Napoli" war am Donnerstag in Seenot geraten. Die 26-köpfige Besatzung konnte gerettet werden. Am Samstag wurde das Schiff in Küstennähe geschleppt und vor der Grafschaft Devon kontrolliert auf Grund gelassen. Der Frachter hatte nach französischen Angaben Güter im Umfang von 41.000 Tonnen geladen, darunter 1.700 Tonnen Gefahrgut.

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