15.01.2007 07:26 |

Sohn muss zusehen

Jugendliche Einbrecher töten deutsches Ehepaar

Eine mysteriöses Geiseldrama mit zwei Toten hat den kleinen Ort Tessin bei Boizenburg im deutschen Mecklenburg-Vorpommern erschüttert. Zwei 17 Jahre alte Schüler haben am Samstagabend ein Ehepaar getötet und ein 15-jähriges Mädchen als Geisel genommen.

Einer der Jugendlichen stammt aus Tessin, der andere aus einem Nachbarort. Den Ermittlern zufolge wollten sie offenbar das Auto der Familie rauben. Als der 46 Jahre alte Familienvater ihnen gegen 21.00 Uhr die Tür öffnete, sollen die Schüler sofort mit einem Messer auf ihn eingestochen haben und kurz darauf auch auf seine 41 Jahre alte Frau. Der 16-jährige Sohn der Opfer konnte sich im Wohnzimmer verbarrikadieren und die Polizei alarmieren.

Als die Beamten eintrafen und das Haus umstellten, versuchten die Verdächtigen im Auto der Opfer zu fliehen. Ein 15-jähriges Mädchen hatten sie schon gefesselt und geknebelt zum Tatort geschleppt. Die Geisel ist laut Staatsanwaltschaft eine Bekannte der beiden Schüler, mit denen sie zuvor den Abend verbracht hatte.

Nachdem sie mit dem Kleinwagen das Gartentor und einen Zaun durchbrochen sowie ein anderes Auto gerammt hatten, endete die Flucht der Schüler. Nach einstündiger Verhandlung mit der Polizei warfen sie schließlich ihr Messer weg und gaben auf. Ihre Geisel blieb unverletzt.

Geständnis nach stundenlangem Zögern
Nach Angaben von Hans-Christian-Pick, Sprecher der Staatsanwaltschaft, haben die beiden Jungen die Tat inzwischen gestanden. Ein "nachvollziehbares Motiv" könne er aber nicht nennen. Sie hätten nicht vorgehabt, den Mann an der Tür zu töten, haben sie nach Picks Worten ausgesagt. Der Haftbefehl war eigentlich wegen Mordes beantragt worden. Dem folgte das Amtsgericht Hagenow aber nicht.

Die Schweriner Staatsanwaltschaft war nach ersten Ermittlungen davon ausgegangen, dass die Verdächtigen die Bluttat vom Samstagabend vorher angekündigt hatten. Einem Zeugen sollen sie gesagt haben, sie wollten einen Menschen umbringen. Die beiden 17-Jährigen hatten erst nach stundenlangem Zögern ein Geständnis abgelegt.

Entsetzen über Brutalität der Täter
In dem 400-Einwohner-Dorf bei Boizenburg an der Elbe, wo quasi jeder jeden kennt, machte sich am Sonntag Entsetzen über die brutale Tat breit. Nach welchen Gesichtspunkten die Gymnasiasten ihre Opfer schließlich auswählten, blieb zunächst unklar. Ob bei der Tat Drogen oder Alkohol im Spiel waren, ist ebenfalls noch nicht geklärt.

Von den Geschehnissen in der Nacht hatten viele Dorfbewohner zunächst gar nichts mitbekommen. Viele wurden erst durch Eilmeldungen in Radio und Fernsehen darauf aufmerksam: "Ich habe es in den Nachrichten gehört und bin gleich am Morgen hingefahren", sagt ein Mann, der in der Nähe eine Garage hat. "Ich begreife nicht, was da geschehen ist." Der Mann wird von der Polizei ebenso wie andere Schaulustige sowie Medienvertreter vom Tatort fern gehalten. Ermittler in weißer Schutzkleidung sicherten Spuren wie die Bremsspur des Fluchtautos. Polizeihubschrauber überwachten den Tatort aus der Luft.

Den Umstehenden stand am Sonntagmittag die Fassungslosigkeit ins Gesicht geschrieben. In dem kleinen Ort kannten alle die Opfer: Der Mann war Fensterbauer, berichten Nachbarn, die Frau arbeitete in Boizenburg. "Ich begreife das nicht", sagt auch eine andere Nachbarin. "Das waren so ruhige und unauffällige Leute."