Schuldlose "Täter":

"Unfall verändert das ganze Leben!"

Dieses Bild wird der Reichenthaler (51) wohl nie aus dem Kopf bringen: In Schenkenfelden "springt" ihm einem Frau (48) direkt vors Auto, weil sie zu ihrem Hund laufen will. Der Autolenker kann nicht stoppen, fährt sie tot. Der Linzer Verkehrspsychologe Josef Martl über Strategien, dieses Trauma zu bewältigen.

"Krone": Wenn jemand für  einen schlimmen Unfall offensichtlich nichts kann, kann man sich da einfach "abbeuteln"?
Josef Martl: Einfach zu sagen, ,der andere war schuld, Pech‘, das kann so gut wie niemand. Wenn, dann fehlt es vermutlich an sozialen Fähigkeiten. Die meisten Betroffenen suchen eher Schuld bei sich, die berühmten Hätte- und Wäre-Geschichten sind das.

"Krone": Wie kann man so ein Trauma überwinden?
Martl: So ein Unfall verändert das Leben. Aber die Natur hat uns mit Mechanismen ausgestattet, auch mit den schlimmsten Situationen umzugehen. Wir haben sie nur in unserer beschützten Gesellschaft etwas verlernt, da etwa der Tod nicht mehr allgegenwärtig ist. Aber eines hilft noch immer: reden, reden, reden und noch mal reden. Aber es ist immer eine individuelle Geschichte, Trauma aufzuarbeiten.

"Krone": Einige Leute wollen ja nicht über schlimme Vorfälle, in die sie verwickelt waren, reden.
Martl: Dann sollte man für den Betroffenen dennoch da sein, ihn nicht drängen, aber die Möglichkeit geben, zu reden. Bei vielen Betroffenen dauert es Wochen, wenn nicht Monate, wo es in den Leuten brodelt und plötzlich bricht es hervor. Wenn  Betroffene ihr Verhalten ändern, sich vielleicht abschotten, dann muss man jedenfalls hellhörig werden.

"Krone": Und andere wollen immer wieder drüber reden.
Martl: Da kann es passieren, dass das persönliche Umfeld es nicht mehr hören kann oder will. Doch es gibt viele professionelle Angebote, um Traumata erfolgreich aufzuarbeiten.

Markus Schütz, Kronen Zeitung

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