¿Imperium¿

Abgesang der Ich-Gesellschaft

Oberösterreich
07.01.2007 20:01
Die Ich-Bezogenheit der Gesellschaft nimmt der aus Wels stammende Filmregisseur Götz Spielmann in seinem ersten Theaterstück „Imperium“ zum Thema. In der Inszenierung von Schauspielchef Gerhard Willert wurde die Geschichte um Bordellkönig Wessely zu einer Sternstunde am Linzer Landestheater.

Wessely glaubt sich die ganze Welt untertan. Zumindest in seinen elf Bordellen, seinem Imperium. Doch von Anfang an ist klar, dass diese (Schein-) Welt bröckelt. Die Amüsierbetriebe sind durch Investoren bedroht, und auch im Privatleben zieht Wessely schon lang nicht mehr die Fäden. Das will er aber nicht einmal dann einsehen, als er vom Arzt die Diagnose „Krebs“ bekommt.

Die Geschichte von Götz Spielmann klingt vorerst banal. Doch in seinem präzisen Text hat der bisher als Filmregisseur Erfolgreiche viele Ebenen eingezogen. Die wohl stärkste: Wesselys Erinnerung in Person seiner verstorben Geliebten, die er mit protzigen Sprüchen nicht beeindrucken kann.

Gerhard Willert stellte „Imperium“ auf eine schwarze Spiegelfläche - großes Lob der Ausstattung von Alexandra Pitz. Ebenso reduziert wie die Bühne ist das Spiel. Jeder Satz und jede Bewegung präzise umgesetzt von einem hervorragenden Schauspieler-Team:

Stefan Matousch bedient als Bordellchef Klischees nur, wenn sie dem Stück nützlich sind. Nicole Reitzenstein (Xenia, eine Erinnerung) besticht durch ihre Bühnenpräsenz, selbst wenn sie nur als Beobachterin in der Ecke sitzt. Wie überhaupt das Stück den Frauen immer mehr Einfluss einräumt. Das wissen Gunda Schanderer (Tochter), Bettina Buchholz (Geliebte) und - eingeschränkt - Sabine Martin (Ehefrau) zu nützen. Konstantin Bühler als getreuem Ronnie kommt eine verbindende Funktion zwischen den Personen zu. Theater vom Feinsten!

 

Foto: Brachwitz

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