Fr, 19. April 2019
11.12.2017 11:45

Positiver Effekt

Geistig fit: So schützt "Super Mario" vor Demenz

Geistig fit bis ins hohe Alter? Videospiele könnten dabei behilflich sein, wie kanadische Wissenschaftler jetzt festellten. Sie beobachteten bei Senioren, die "Super Mario 64" spielten, eine Zunahme der sogenannten Grauen Substanz in bestimmten Gehirnbereichen. Eine Abnahme der Grauen Substanz (Substantia grisea) hat Anteil an Alterskrankheiten wie Demenz.

An der im Fachmagazin "PLOS ONE" vorgestellten Studie hatten 33 Menschen zwischen 55 und 75 Jahren teilgenommen. Sie wurden in drei Gruppen eingeteilt. Die erste Gruppe spielte über sechs Monate hinweg an fünf Tagen die Woche je eine halbe Stunde "Super Mario 64". Eine zweite Gruppe sollte am Computer über das halbe Jahr hinweg regelmäßig Klavier üben. Beide Gruppen hatten keine entsprechende Vorerfahrung, lernten also eine für sie neue Sache. Die dritte Gruppe bekam keine Aufgaben.

Die Forscher um Greg West von der Universität Montreal erfassten bei allen Teilnehmern zu Beginn die Masse an Grauer Substanz in drei Bereichen des Gehirns und führten einen Gedächtnistest durch. Die Graue Substanz setzt sich in erster Linie aus Nervenzellkörpern zusammen, Weiße Substanz hingegen vor allem aus Leitungsbahnen. Mehr Graue Substanz in bestimmten Hirnarealen wird mit höheren Intelligenzwerten in Verbindung gebracht.

Nur bei den Teilnehmern, die "Super Mario" spielten, legte die Graue Substanz im Hippocampus in dem halben Jahr zu, das Kurzzeitgedächtnis verbesserte sich. Der Hippocampus ist eine Gehirnregion, in der neue Eindrücke als Erinnerung gespeichert werden. Hier werden zudem räumliche Informationen so zusammengefügt, dass sich eine Art innere Karte ergibt. Die Forscher gehen davon aus, dass die Spieler solche inneren Karten erstellten.

Wer rastet, der rostet
Ein Abbau im Hippocampus gilt als beteiligt an Demenzerkrankungen wie Alzheimer. Bei der Vergleichsgruppe, die nichts Neues lernte, nahm die Menge der Grauen Substanz in allen getesteten Gehirnarealen ab. "Die gute Nachricht ist, dass wir solche Effekte wieder rückgängig machen können und das Volumen wieder erhöhen können, wenn wir etwas Neues lernen, und Spiele wie ‚Super Mario 64‘, die den Hippocampus aktivieren, scheinen hier Potenzial zu haben", erklärte Ko-Autorin Sylvie Belleville.

Bei den Videospielern verbesserten sich demnach zudem Strukturen in einer Hirnregion, die für Bewegungen und Gleichgewicht zuständig ist. Diesen Bereich hatten offenbar auch die Klavierspieler trainiert. Allein bei den Klavierspielern traten außerdem Verbesserungen in einem Bereich auf, der für Planungen und Entscheidungen wichtig ist.

Hans Förstl von der Klinik und Poliklinik für Psychiatrie und Psychotherapie an der Technischen Universität München nimmt an, dass es durchaus sinnvoll sein könnte, Computer- und Videospiele einzusetzen, um präventiv gegen Krankheiten wie Demenz vorzugehen. Gerade Senioren, die weniger mobil sind und sich deshalb in den immer gleichen Räumen bewegen, trainierten einen Teil des Hippocampus kaum.

Soziale Nachteile, wie sie bei Jugendlichen angemahnt werden, sieht Förstl bei einer moderaten Spieldauer im Alter als weniger relevant an. Zunächst müsse aber herausgefunden werden, wie lange die in der Studie beobachteten Effekte vorhalten und ob sie tatsächlich eine Demenz verzögern oder sogar verhindern können.

Eigene Spiele für Senioren entwickeln
Jedenfalls könnte es den kanadischen Forscher zufolge sinnvoll sein, Spiele speziell für Senioren zu entwickeln. Da gerade in der "Super Mario"-Gruppe einige Teilnehmer abbrachen, vermuten sie, das Spiel könnte für Ungeübte zu schwierig sein. Es könne aber auch sein, dass die Einstellung gegenüber Videospielen in dieser Generation grundsätzlich zu negativ sei, so die Forscher.

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