31.12.2006 12:34 |

Herr der Klinge

Red Steel

Mit "Red Steel" präsentiert Ubisoft den ersten, exlusiv nur für Nintendos neue Wii-Konsole erschienen Ego-Shooter. Wobei "Shooter" nicht ganz treffend ist, denn in der Geschichte rund um die "ehrenwerte"Gesellschaft Japans, die Yakuza, darf ganz stilecht auch das Schwert geschwungen werden.

Zuvor entspannt unser Held Scott aber erst einmal ganz gediegen zwischen Sushi und Sake-Wein in einem feinen Restaurant mit seiner Verlobten Miyu. Ihr Vater ist der hochgradig seriöse und überaus anständige Geschäftsmann Sato, bei dem Scott noch am selben Abend um die Hand Miyus anhalten soll.

Doch von einer Traumhochzeit sind die beiden weit entfernt, denn der Abend verläuft wesentlich unharmonischer als geplant: Üble Gesellen tauchen auf und vermiesen Scott und seiner Verlobten die Stimmung. Glücklicherweise können Satos Leibwächter seine Tochter gerade noch in Sicherheit bringen. Nur der Schwiegervater in spe bleibt verwundet zurück und bedarf nun unseres Geleitschutzes.

Dankenswerterweise werden dem Spieler zu Beginn sämtliche Schritte erklärt und so kann man sich - mehr oder weniger - in Ruhe mit der Steuerung vertraut machen. Gesteuert wird mit dem Nunchuk-Controller, mit dem durch Rütteln auch Türen geöffnet oder Waffenmagazine nachgeladen werden, während mit der Wii-Fernbedienung die Kamera, also Scotts Kopf, geschwenkt wird und Gegner ins Visier genommen werden. Theoretisch soll eine integrierte Auto-Aiming-Funktion diesen Vorgang erleichtern, in der Praxis erweist sich die Zielvorrichtung jedoch als recht eigenwillig und heftet sich nicht immer an den Feind, den man gerne anpeilen würde. Auch das Heranzoomen durch eine Vorwärtsbewegung der Fernbedienung fällt nicht gerade leicht.

Aber Scott ballert natürlich nicht nur wild mit allerlei Uzis, Pistolen und Pumpguns durch die Gegend, sondern schwingt auch ganz traditionsbewusst das Katana-Schwert. Leider aber immer nur dann, wenn das Spiel es so vorgesehen hat - denn sonst könnte man natürlich den gegnerischen Rittern auch einfach eine Kugel verpassen. Auch hier erweist die Steuerung dem Spieler keinen allzu großen Dienst: Zwar sind im Schwertkampf die Befehle nicht so überladen wie beim Schießen, insgesamt ist das Handling aber zu träge und lässt nicht gerade den Eindruck entstehen, man befände sich in einem echten Duell.

Hat man Hiebe und Schläge pariert und ordentlich ausgeteilt, sinkt der Feind ehrfürchtig vor Scott auf die Knie. Nun könnte man zwar die rechte Hand Gottes spielen und Harakiri betreiben, wesentlich besser ist es jedoch, den Widersacher am Leben zu lassen. Das bringt Scott nämlich Respektspunkte, die letzten Endes in neuen Fertig- und Fähigkeiten gipfeln, wie zum Beispiel einer Bullet-Time, in der man Matrix-like gemütlich Kugeln der Gegner ausweichen kann.

Wirklich nötig ist das jedoch nicht, denn die Mitglieder der diversen Clans gehören nicht gerade zu den Hellsten und stürmen meist völlig unvoreingenommen auf einen zu. Ein leichtes Spiel für ein treffsicheres Händchen.

Grafisch bietet "Red Steel" leider alles andere als Vollwert-Kost und kann selbst mit älteren PS2-Titel nur schwer mithalten. Ein Großteil der Level, abgesehen von wenigen Außenmissionen, versinkt in den tristen Grau- und Brauntönen schnöder Waschkeller und öder Industriekomplexe.

Hinzu gesellen sich diverse Fehlerchen wie durch Gegenstände hindurchspazierende Gegner, die ab und zu auch gerne mal in der Luft hängen bleiben. Einzig und allein die halbwegs nette Physik-Engine, mit der sich so mancher Gegenstand in seine Einzelteile zerlegen lässt, macht hier ein paar Punkte wett. Wesentlich besser wissen da schon Sound, Musik und die gelungene Lokalisation zu gefallen.

In einem Offline-Mehrspielerpart dürfen sich zu guter Letzt bis zu vier Mitspieler per Splitscreen vermöbeln.

Fazit: Ubisoft ist mit "Red Steel" leider kein großer Wurf gelungen. Die Grafik ist wahrlich grottig, die KI lässt zu wünschen übrig und die Steuerung fällt insgesamt zu träge und im weiteren Spielverlauf zu überladen aus. Auch die interessante Story, diverse freischaltbare Fähigkeiten und die gute Musikuntermalung machen hier den Braten nicht fett.

Plattform: Wii
Publisher: Ubisoft
Krone.at-Wertung: 63%

von Sebastian Räuchle

Samstag, 08. Mai 2021
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