Di, 14. August 2018

Ludwig und Schieder

18.11.2017 07:30

Ich bin der geeignete Bürgermeister, weil ...

Wiens Wohnbaustadtrat Michael Ludwig und der geschäftsführende SPÖ-Klubchef Andreas Schieder wollen beide Michael Häupl als Bürgermeister beerben. Die "Krone" traf die Kandidaten zum Interview.

"Krone": Herr Michael Ludwig. Ein Gedankenexperiment: Sie gehen entlang der Donau spazieren und sehen, wie zwei Menschen Hilfe brauchen. Es sind Michael Häupl und Andreas Schieder. Wen retten Sie als erster?
Michael Ludwig: Gut, dass ich so gut schwimmen kann (lacht). Einen nach dem anderen.

Links gegen rechts, rechts gegen links, die einen rächen Werner Faymann, die anderen Sonja Wehsely, viele hassen sich. Wie wollen Sie die Partei wieder vereinen?
Ich glaube, ich habe auch in der Vergangenheit bewiesen, dass es mir gelungen ist, parteiübergreifend und innerhalb der Partei Brücken zu bauen. Das würde ich auch in Zukunft machen. Aber es wird sicher notwendig sein, nach dem Parteitag zu einer Paketlösung zu finden und jene miteinzubeziehen, die sich vielleicht nicht durchsetzen konnten.

Türkis-Blau will die Sozialleistungen kürzen, auch eine Wartefrist soll kommen. 520 Euro Mindestsicherung für Asylberechtigte. Zu wenig oder zu viel?
Es ist auch eine Frage der gesetzlichen Rahmenbedingungen, die einzuhalten sind. Ich halte es für wichtig, dass man Signale setzt, dass Menschen, die in Arbeit stehen, deutlich mehr verdienen als jene, die Sozialleistungen bekommen. Da sollte aber vor allem bedeuten, dass man die Verdienstmöglichkeiten in der Arbeitswelt verbessert.

Auf einen Schlag könnten Tausende Sozialwohnungen einem privaten Investor übertragen werden. Wieso lassen Sie das zu?
Zum einen wäre es meiner Einschätzung nach gar nicht möglich, dass diese 3000 Wohnungen dem Wohnungsgemeinnützigkeitsgesetz entzogen werden. Die Herausforderung ist, dass ein gemeinnütziger Bauträger Anteile verkauft hat an einen Privaten, aus welchen Gründen auch immer. Mir ist nur wichtig, dass der geförderte Wohnbau auch in Zukunft unangreifbar ist. Es müssen alle Bestimmungen eingehalten werden. Es haben jetzt die Verantwortlichen des Bauträgers Gelegenheit, ihre Sichtweise in einem Verfahren dazustellen.

Vervollständigen Sie den Satz: Ich bin der geeignete Bürgermeister, weil ...
... ich in der Vergangenheit für diese Stadt gearbeitet habe und Lösungsansätze für die Zukunft der Menschen sehe.

Drei allgemeine Fragen. Wann sind Sie das letzte Mal mit der U6 gefahren?
Vor einem Monat. Ich fahre öfter mit der U2.

Was kostet ein Liter Milch?
Das ist davon abhängig, ob es Heumilch ist, aber so rund um einen Euro.

Wie hoch ist der Stephansdom?
137 Meter.

Andreas Schieder hat betont, dass es eine Koalition mit der FPÖ mit ihm nicht geben würde. Würde es die mit Ihnen geben?
Das steht nicht zur Diskussion, SPÖ und FPÖ sind in vielen Bezirken sehr unmittelbare und sehr harte Konkurrenten.

Ist das jetzt ein Nein?
Das ist jetzt ein Nein!

Am Sonntag ist Weltmännertag. Was bedeutet Männlichkeit für Sie?
Dass man bereit ist, Verantwortung zu übernehmen - für sich, für Menschen, die einem nahestehen und für die Gesellschaft.

"Krone":Herr Andreas Schieder, Michael Häupl hat über seinen Nachfolger einmal gesagt: "Wahrscheinlich wird er oder sie also ausschauen wie Kärntens Landeshauptmann Peter Kaiser - mit einer gehörigen Portion Schmäh." Passt die Beschreibung auf Sie?
Andreas Schieder: Der Schmäh passt auf jeden Fall, und der Rest auch. Es geht auch darum, dass man an der Sacharbeit für die Stadt Gutes leistet.

In einem Internet-Kommentar ist zu lesen, dass Sie "gerne handgemachte Schuhe und maßgeschneiderte Anzüge tragen und sich schon als Staatssekretär mit dem 7er-BMW auch zu privaten Erledigungen vorfahren ließen". Ist das so?
Das ist ein falsches Bild, das da bewusst gezeichnet wird. Wenn Sie mich am Wochenende sehen, dann wissen Sie auch, dass ich das erdige Leben in der Stadt genauso schätze.

Drei allgemeine Fragen. Wann sind Sie das letzte Mal mit der U6 gefahren?
Vor vier Wochen.

Was kostet ein Liter Milch?
Rund 90 Cent, je nach Milch. Unter einem Euro.

Wie hoch ist der Stephansdom?
Prack. Sehr hoch. Der höchste Berg ist der Hermannskogel, 542 Meter.

Sie haben am 11. Mai 2016 in einem Interview gesagt: "Leute, die keinen Asylanspruch haben oder einen solchen verwirkt haben, sind abzuschieben." So etwas sagt auch Heinz-Christian Strache.
Da sehen Sie, dass diese Kasteln nicht funktionieren. Es braucht schnelle Asylverfahren mit den Antworten: Ja, heißt, dass man in Österreich integriert wird, und Nein, dass die Leute schnell wieder außer Landes kommen.

Vervollständigen Sie den Satz: Ich bin der geeignete Bürgermeister, weil ...
... ich die Erfahrung mitbringe, aber gleichzeitig auch den Einsatz, und weil ich es gerne mache.

"Bürgermeister ist der tollste Job, den es gibt." Wer hat's gesagt?
Michael Häupl?

Ihre Lebensgefährtin und Ex-Stadträtin Sonja Wehsely. Zuerst wollte sie Bürgermeisterin werden, jetzt wollen Sie es. Ihr Vater war Stadtrat, Ihre Tante Bezirksvorsteherin. Ist die SPÖ für Sie so etwas wie ein Familienbetrieb?
Nein, aber sie ist Heimat. Ich bin in der Partei aufgewachsen und ich habe immer einen eigenständigen politischen und beruflichen Weg gewählt.

Wie würde die Mindestsicherung unter Andreas Schieder aussehen?
Für viele ist sie das letzte soziale Netz. Wir brauchen mehr Sachleistungen, strengeren Vollzug und müssen die Leute dazu bringen, in den Arbeitsmarkt zu kommen. Wir dürfen nicht zusehen, wie andere Bundesländer Armut nach Wien exportieren. Man muss auch diskutieren, ob man für Nicht-Wiener eine Wartefrist einführt.

Wie lange soll die sein. Fünf Jahre?
Das scheint mir zu lange. Ich rede da von einem Jahr.

Am Sonntag ist Weltmännertag. Was bedeutet Männlichkeit für Sie?
Ich schaue weder auf männlich noch auf weiblich, sondern auf den Menschen dahinter.

Michael Pommer, Kronen Zeitung

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