Mi, 12. Dezember 2018

"Krone"-Interview

20.09.2017 09:21

Welshly Arms: Motown von Detroit 1962 im Blut

Als die Welshly Arms im Mai im Wiener Chelsea ihre Wien-Premiere feierten, kochte die Stimmung am Gürtel über. Mit der EP "Legendary" im Gepäck kommen Sam Getz und Co. nun am 26. September in die Grelle Forelle nach Wien zurück - und wollen ihren Triumphzug durch Europa fortführen. Wir haben ihnen über Motown, ihre Heimat Cleveland und die Power Rangers gesprochen.

Den eingängigen Rhythmus des Songs "Legendary" konnte im Frühling jeder mitsummen. Das lag mitunter am gebotenen Radio-Airplay, vor allem aber an der bekömmlich leichtfüßigen Melodielinie, die irgendwo zwischen dem New-Age-Pop der Imagine Dragons und einem bodenständigen US-Country-Vibe angesiedelt ist. Für die noch blutjungen Welshly Arms war dieser Song nicht nur die Eintrittskarte in die Ohren vieler Österreicher, sondern überhaupt die erste Duftmarke, mit der sie auch in Europa ihr Revier markierten. Dass die Nummer auch im Kinohit "Power Rangers" auf- und abgespielt wurde, war dem Erfolg des Songs nur zuträglich. "Wir sind ziemlich große Fans dieses Cartoons und der Song hat einfach dazu gepasst", erklärt Frontmann und Sänger Sam Getz der "Krone" im Interview, "irgendwie hat sich damit ein Kreis geschlossen, der gar nie geöffnet war."

Rock im Blut
Nicht weniger als sechs Musiker befinden sich in der Band, die sich vor knapp fünf Jahren in Cleveland, Ohio zusammengeschlossen hat, um die althergebrachten musikalischen Wurzeln der USA mit zeitgemäßem Rock zu verbinden. Ein Vorhaben, das sich bislang in drei EPs und einem selbstbetitelten Debütalbum manifestierte, das aber bereits 2015 erschien und in Europa noch nicht anständig veröffentlicht wurde. Obwohl Cleveland keineswegs ein Epizentrum für gediegenen US-Rock ist, ist die geografische Umgebung ein wichtiges Gut für den Sound des Sextetts, wie Getz erklärt. "In den Frühzeiten der Rockgeschichte gab es einen DJ namens Alan Freed, der später nach New York ging und den Rock'n'Roll in unsere Gegend brachte. Außerdem haben wir das Museum für die Rock And Roll Hall Of Fame und du kannst dir jeden Tag an jeder Ecke ein interessantes Konzert anschauen."

Der große Vorteil an Cleveland ist seine Unscheinbarkeit. Da die Historie nicht so groß ist wie an anderen Orten, gibt es weniger Kopisten und junge Musiker können mit wesentlich weniger Druck und drohenden Schatten aus der Vergangenheit ihren eigenen Weg finden. "Die meisten jammen einfach zuhause herum, bringen ein paar Tapes raus und wollen zu einer lokalen Größe werden", erzählt der Sänger, "wir hingegen hatten schon immer andere Ambitionen, wollten möglichst schnell rauskommen und mit unseren Songs die Welt bereisen. In unserer Gegend verwenden wir das schöne Wort 'gritty' für unseren Sound - es steht für ehrliche und dreckige Handarbeit. In Ohio gab es früher viel Industrie mit wirklich harten Jobs. So haben sich Mentalität und Musik in dieser Gegend geformt. Aus Cleveland kommt keine glattgebügelte Musik, sondern vielmehr echte und authentische Kunst."

Keine Retro-Band!
Wer wirklich raubeinige Klänge sucht, sollte vielleicht trotzdem einen Bogen um die Welshly Arms machen. Prinzipiell sind Getz und Co. durchaus bemüht, ihre handgemachten Kompositionen an den Kanten zu glätten, um nicht allzu derbe anzuecken. "Meine große Liebe sind Blues, Motown und Soul, damit wächst man bei uns auf. Egal, was ich schreibe oder für die Band komponiere - irgendwie klingt immer alles nach Detroit 1962", lacht der Frontmann. Mit der Vergangenheitsrückschau sind längst nicht alle so glücklich wie Getz. Drummer Mikey Gould etwa weiß genau, dass in einer derart großen Band auch mal harschere Ausrichtungsdiskussionen geführt werden müssen. "Sam weiß aber ohnehin meist selbst, wann er wieder mal über die Stränge schlägt, aber wir wollen keinesfalls wie eine Retro-Band klingen."

Im Wiener Gürtelclub Chelsea gaben die Welshly Arms vergangenen Mai eine umjubelte erste Kostprobe ihres Könnens ab. Die schwitzig-dichte Atmosphäre zum anlaufenden Sommerbeginn unterstützte die Roots-basierte Musik ideal. Irgendwo zwischen Blackberry Smoke, den Black Keys oder Black Stone Cherry fühlt man sich wohl. "Das mit dem 'black' zieht sich wohl wie ein roter Faden bei uns durch", lacht Gould, "jetzt hätte ich fast schon Black Eyed Keys gesagt." Am 26. September gibt es für die Fans ein Wiedersehen in der Grellen Forelle, wofür es HIER auch noch Tickets gibt. Ein zweites Studioalbum haben die Welshly Arms dabei aber nicht im Gepäck, wie Getz betont: "Wir haben jetzt unlängst noch eine EP veröffentlicht und beim momentanen Musikmarkt ist das wohl auch sinnvoller. Aber warten wir ab, was noch passiert - wir schreiben ohnehin konstant an neuen Songs." Vielleicht geht’s damit 2018 ja auch zu einem österreichischen Sommerfestival…

Robert Fröwein
Robert Fröwein

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