Di, 21. August 2018

Boom birgt Risiken

28.08.2017 14:57

Starker Schub: Japan erlebt Wirtschaftsblüte

Japans Wirtschaft winkt laut der Regierung in Tokio der längste Boom seit rund einem halben Jahrhundert - auch dank der Geldflut der Notenbank und milliardenschwerer Konjunkturpakete. Die Aussichten stünden "sehr gut", dass es wieder einen 57 Monate andauernden Aufschwung wie zuletzt Ende der 1960er Jahre geben werde, sagte Wirtschaftsminister Toshimitsu Motegi am Montag.

Laut Regierungsexperten fehlt dazu nur noch ein Monat, da die Wirtschaft nunmehr seit Ende 2012 wächst. Tokio ist zuversichtlich, dass sich der Aufwärtstrend verfestigt und die öffentlichen Investitionen weiter kräftig anziehen. Doch Experten warnen vor einem konjunkturellen Strohfeuer. Denn der Staat wirkt mit milliardenschweren Konjunkturprogrammen als Katalysator des Aufschwungs, doch stößt auch er irgendwann an Grenzen. Ihn drückt die höchste Schuldenlast unter allen Industrieländern: 2016 lag die entsprechende Quote bei mehr als 222 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) - dies ist weit mehr als in dem notorisch finanzschwachen Mittelmeerstaat Griechenland mit "nur" 179 Prozent des BIP.

BIP legte um vier Prozent zu
Dank des ausgabefreudigen Staates und konsumfreudiger Bürger ist die Wirtschaft des Fernost-Landes im Frühjahr so schnell gewachsen wie seit mehr als zwei Jahren nicht mehr. Das BIP legte von April bis Juni auf das Jahr hochgerechnet um vier Prozent zu. Damit wächst es stärker als in den USA und in der Eurozone.

Aufschwung durch Reformen, Konjunkturhilfen und Co.
Geprägt wird der Aufschwung durch die spezielle japanische Mischung aus Konjunkturhilfen, Geldflut und Reformen. Sie wird nach ihrem Urheber, dem Ministerpräsidenten Shinzo Abe, im Ökonomenjargon "Abenomics" genannt. Die Regierung flankiert mit zahlreichen Konjunkturprogrammen dabei die ultralockere Geldpolitik der Bank of Japan. Die Währungshüter wollen ähnlich wie in der Eurozone mit der Geldflut die unerwünscht niedrige Inflation anheizen und damit auch für mehr Wachstum sorgen. Anders als Europa gilt Japan in Sachen Deflation als gebranntes Kind: Auf breiter Front fallende Preise hatten die Konjunktur lange gelähmt. Verbraucher halten sich in einer solchen deflationären Abwärtsspirale in der Hoffnung auf immer günstigere Angebote zurück, Löhne sinken und Firmen stellen Investitionen zurück.

"Üblicherweise folgen auf Schub Rückschläge"
Voriges Jahr wurden von Abes Kabinett zusätzliche Ausgaben von umgerechnet etwa 118 Milliarden Euro für Projekte auf allen staatlichen Ebenen beschlossen, mit entsprechender Schubwirkung für die Konjunktur: Im zweiten Quartal 2017 legten die Staatsinvestitionen um 5,1 Prozent zu. Doch dies könnte einen Bumerang-Effekt auslösen, warnt DekaBank-Experte Rudolf Besch: "Die Vermutung liegt nahe, dass es sich hierbei um Auswirkungen eines der vielen in der Vergangenheit beschlossenen Konjunkturpakete handelt. Üblicherweise folgen auf solch einem Schub Rückschläge in den Quartalen danach."

"Japan wird weiter wachsen - nur eben langsamer"
Auch Analyst Stefan Große von der NordLB erwartet, dass es für Japan schwer wird, den Schwung zu halten - auch wegen der Spannungen zwischen den USA und Nordkorea einerseits und mit China andererseits: "Der von den Investoren in unsicheren Zeiten gesuchte starke Yen und die geopolitischen Risiken dürften die Laune des Konsumenten ebenso belasten wie die unzureichende Lohnentwicklung. Japan wird weiter wachsen - nur eben langsamer." Wirtschaftsminister Motegi erteilte jedoch vorsorglich Rufen aus der regierenden Liberaldemokratischen Partei nach einem Nachtragshaushalt mit höheren Ausgaben eine Absage: "Unter den gegenwärtigen wirtschaftlichen Rahmenbedingungen" sei für den Herbst nicht mit einem solchen Zusatz-Etat zu rechnen.

 krone.at
krone.at

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentar schreiben

Liebe Leserin, lieber Leser,

die Kommentarfunktion steht Ihnen ab 6 Uhr wieder wie gewohnt zur Verfügung.

Mit freundlichen Grüßen
das krone.at-Team

Kommentare
324

User-Beiträge geben nicht notwendigerweise die Meinung des Betreibers/der Redaktion bzw. von Krone Multimedia (KMM) wieder. In diesem Sinne distanziert sich die Redaktion/der Betreiber von den Inhalten in diesem Diskussionsforum. KMM behält sich insbesondere vor, gegen geltendes Recht verstoßende, den guten Sitten oder der Netiquette widersprechende bzw. dem Ansehen von KMM zuwiderlaufende Beiträge zu löschen, diesbezüglichen Schadenersatz gegenüber dem betreffenden User geltend zu machen, die Nutzer-Daten zu Zwecken der Rechtsverfolgung zu verwenden und strafrechtlich relevante Beiträge zur Anzeige zu bringen (siehe auch AGB).

Aktuelle Schlagzeilen

Newsletter

Melden Sie sich hier mit Ihrer E-Mail-Adresse an, um täglich den "Krone"-Newsletter zu erhalten.

Nachrichten aus meinem Bundesland
Die Bekanntgabe Ihres Bundeslandes hilft uns, Sie mit noch regionaleren Inhalten zu versorgen.