Mi, 15. August 2018

Freileitung

16.08.2017 15:48

Gäste zahlen mit fürs Kabel

Grob falsch waren Behauptungen von Experten des Verbundes, der mit 4,175 Millionen Euro die Schäden durch die 113 Kilometer lange 380-kV-Freileitung ausgleichen will. Kann man tatsächlich den Wert einer Landschaft messen? Finanzwissenschaftler Univ.-Prof. Michael Getzner sagt: Die heile Landschaft ist wertvoll.

Mehr einem Stück der Löwingerbühne als einer ernsten Verhandlung glich die UVP-Prüfung des Landes im Juni 2013, die Ende 2015 in der Genehmigung des Landes für die 380-kV-Freileitung gipfelte. Doch auch während der achttägigen Berufungsverhandlung am Wiener Verwaltungsgerichtshof gab es massive Zweifel an der Kompetenz mehrerer Sachverständiger, die vom Land und Verbund aufgeboten wurden.

Das Land wollte einen Kuhhandel und dem Verbund als Ausgleichsmaßnahme ein grünes Lieblings-Projekt unterjubeln: Eine Revitalisierung der Weitwörther Au und anderer Gebiete. 380-kV-Projektleiter Hafner: "Wir gehen davon aus, dass drei Projekte, Tauglau, Tauglboden und Weitwörther Au reichen."

Richterin Silvia Krasa stufte diese Vorhaben wegen der Entfernung von der 380-kV-Trasse im Verfahren jedoch als "ungeeignet" ein. Völlig überraschend präsentierte sie eine Abschätzung des Sachverständiger DI Umgeher: 4,175 Millionen € vom Verbund für die 113 Kilometer lange Schneise durch unser Land: "Bei einer Trassenbreite von 70 Metern wären das pro Quadratmeter lächerliche 52 Cent pro Quadratmeter", das hat Koppls Bürgermeister Rupert Reischl nachgerechnet. Rechtsanwalt Dr. Adolf Concin, der die Gemeinden Koppl und Eugendorf vertritt: "Dass die Natur käuflich wird, haben wir dem Salzburger Landtag zu verdanken, der während des laufenden Verfahrens eine Lex APG schuf, die hilft, mit Geld Ersatzmaßnahmen zu umgehen."

Urlauber-Befragung am Arlberg zeigt auf
In einer wissenschaftlichen Stellungnahme zur ökonomischen Bewertung des Landschaftsbildes, welche die Freileitungs-Gegner bei Gericht vorgelegt haben, kommt der Wiener Univ.-Prof. Dr. Michael Getzner zu klaren Schlüssen: "Für den Erhalt eines naturnahen Landschaftsbildes ist eine Wertschätzung als auch eine messbare substanzielle Zahlungsbereitschaft vorhanden." Sprich: Gäste sind bereit, für eine unversehrte Natur tiefer in die Tasche zu greifen, als würden sie an der Autobahn oder nahe einer Freileitung wohnen.

Getzner hat bei einem ähnlichen Projekt am Arlberg genau nachgefragt: Auf 9,40 Euro beziffert er die Bereitschaft pro Besuch und pro Urlauber, bei einer Erdverkabelung mitzuzahlen.

Dr. Adolf Concin: "Es sind überhaupt viele wesentliche Fragen im Verfahren noch nicht geklärt: Etwa die Frage nach der Befangenheit von Experten, wir wurden zur Frage des Geldersatzes nicht einmal gehört, der Wildökologe war bei der Verhandlung nicht anwesend." Das Gericht hält die Beweisaufnahme für abgeschlossen, Concin jedoch nicht. Er will eine Wiederaufnahme beantragen.

Wolfgang Weber, Kronen Zeitung

Zitat: Rechtsanwalt Dr. Adolf Concin für Koppl und Eugendorf

Es wäre ein massiver Verfahrensfehler, die Verhandlung bei so vielen offenen Fragen zu schließen. Wir wollen die Verlängerung

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