04.12.2006 08:07 |

Fall Litwinenko

Kontaktmann Scaramella will "auspacken"

Der Kontaktmann des vergifteten Kreml-Kritikers Litwinenko, der ebenfalls radioaktiv vergiftete Italiener Scaramella, will "auspacken". Der Anwalt des 36-Jährigen sagte italienischen Medien, Scaramella wolle "alle ihm verfügbaren Namen und Daten" bekannt geben. Es gehe um Namen von Politikern und Journalisten, die mit der Spionagetätigkeit der ehemaligen Sowjetunion in Verbindung stünden.

Scaramella liegt derzeit in einem Londoner Krankenhaus, er wurde ebenfalls mit Polonium-210 vergiftet. Der 36-Jährige erklärte, er sei mit einer tödlichen Strahlendosis vergiftet. "In meinem Körper befindet sich eine Polonium-Menge, die fünf Mal über der tödlichen Dosis liegt", sagte Scaramella.

Sein Anwalt erklärte, der Geheimdienst-Experte Scaramella wolle "alle Information, die Litwinenko ihm im Laufe der Zeit gegeben habe", öffentlich bekannt geben. Scaramella verfüge unter anderem über entsprechende Tonbänder.

Erkrankung nach Sushi-Bar-Besuch
Scaramella hatte sich mit Litwinenko am 1. November in einer Londoner Sushi-Bar getroffen. Kurz darauf erkrankte Litwinenko. "Meine Vergiftung kann mit Informationen zusammenhängen, die Litwinenko mir seit Monaten zukommen ließ", hatte Scaramella bereits zuvor erklärt. Er hoffe zu überleben, "um alle Dinge, die über mich gesagt und geschrieben werden, zu widerlegen."

In die Ermittlungen zum Gifttod des Kreml-Kritikers Litwinenko hat sich unterdessen auch das FBI eingeschaltet. Die US-Polizei verfolgt nach Berichten der britischen Sonntagspresse ebenfalls den Verdacht, dass der ehemalige russische Geheimagent von Ex-Kollegen ermordet wurde.

KGB-Agent verhört
Nach Informationen der Sonntagszeitungen "The Observer" und "Sunday Mirror" vernahmen Beamte von FBI und Scotland Yard in Washington einen Agenten des früheren sowjetischen Geheimdienstes KGB namens Juri Schwets. Er soll angeblich über Informationen verfügen, wonach die Gift-Affäre in Zusammenhang mit der Zerschlagung des russischen Ölkonzerns Yukos steht. Solche Spekulationen gibt es seit längerem. Scotland Yard verfolgt auch mehrere andere Spuren.

Was wusste Litwinenko?
In der britischen Sonntagspresse wurde weiter über mutmaßliche Täter und Motive spekuliert. Der "Observer" berichtete unter Berufung auf eine russische Studentin, dass Litwinenko im Besitz von Geheimdienstdokumenten war, mit denen er andere erpressen wollte. Die Liste habe von reichen russischen Geschäftsleuten über korrupte Beamte bis hin zu "Quellen im Kreml" gereicht. Die "Sunday Times" lenkte den Verdacht vor allem auf drei Russen, die Litwinenko ebenfalls am 1. November getroffen hatte.

Tödliche Dosis für 30 Millionen Euro
Die Obduktion des Leichnams, die unter strengsten Sicherheitsvorkehrungen stattfand, ist inzwischen abgeschlossen. Nach Informationen des "Guardian" enthielt der Körper eine 100fach tödliche Polonium-Dosis. Auf dem Schwarzmarkt hätte die Menge rund 20 Millionen Pfund (fast 30 Millionen Euro) gekostet. Das genaue Obduktionsergebnis soll erst in einigen Tagen veröffentlicht werden.