Sad Irish people

The Cost, oder: Wenn der Klee nur zwei Blätter hat

Musik
24.11.2006 17:22
Was für den Österreicher das Hufeisen, ist für den Iren das Kleeblatt. Vier statt drei Blätter, und es ist der ultimative Glücksbringer. Ob der dortige Aberglaube den umgekehrten Schluss zulässt, lässt sich schwer beweisen – bei Glen Hansard, Frontmann der irischen Alternative-Formation „The Frames“, klingt es aber so, als hätte der Klee für ihn prinzipiell nur zwei Blätter. Das Glück will ihn nicht erwischen - oder er will es nicht erwischen...
kmm

Das neue Album „The Cost“ ist definitiv ein Kind von Traurigkeit und Schmerz, das von bitteren Enttäuschungen und unerwiderter Liebe singt – eine Platte, wie geschaffen für das sonst so mühsame Aufbauen einer handfesten Winterdepression.

Bereits das energisch heulende „Song for someone“ stellt dich vor einen tiefen Abgrund. Glen Hansard zählt die Sonnenaufgänge, die er noch zu warten hat, bis er nicht mehr allein aufwachen muss und flennt sich in einen herzzereißenden Refrain: „When will she come, that someone and put things back in place?“

Die Singleauskopplung „Falling slowly“ klingt etwas fröhlicher und versprüht im Ansatz vielleicht etwas mehr – sorry, Glen, für dieses Unwort – Optimismus; die Zeile „take this sinking boat and point it home – we’ve still got time” tut, zusammen mit der vibrierenden Violine und dem dramatischen Songaufbau, jeodoch ihr übriges und kippt dich die Klippen der Einsamkeit bereits nach dem zweiten Refrain hinunter.

Der starke Ausdruck von „The Cost“ rührt daher, dass die fünf Iren bei den Aufnahmen auf die Magie des Zusammenspiels bauten und alle Tracks live zusammentrugen. Das Album klingt roh aber melodisch, straight und doch weit weg und geht direkt ohne Umwege ins Gehör. Und obwohl die dramatischen Auf- und Abschwünge der Instrumente den wesentlichen Charakter der Platte ausmachen, so ist es doch Glen Hansard der ihm den letzten Schliff gibt und sämtliche Gefühlszustände aus seinen Stimmbändern presst. Diese reichen von zorniger Euphorie beim furiosen Finale von „People Get Ready“ bis zum betrübten „The Cost“, nach dem Glen Hansard vom ohnehin ramponierten Pechbringer-Kleeblatt nur noch einen verschrumpelten Stengel übrig lässt.    

Mit „The Cost“ rücken die Frames ihrer Heimat akustisch näher als je zuvor. Das getragene „Sad Songs“ könnte durchaus der Soundtrack zu einem Gleitschirmflug über die nebelverhangenen, grünen Hügel Irlands sein. „When your mind’s made up“ hat im weitesten Sinn sogar etwas vom abgehackten Geklopfe mancher irischer Traditionals. Tut gut, mal eine Platte zu hören, die dir nicht Freude und Friede ins Ohr blasen will.

The Frames gastieren am 26. November 2006 in der Szene Wien!

10 von 10 grünen Winterdepressionen


Christoph Andert

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