Das Schöne am neuen Meat-Loaf-Album ist, dass es zwar einerseits ein mehr als typisches Album des gebürtigen Texaners ist, andererseits aber zugleich so untypisch für das derzeitige Musikgeschehen ist: Handgemachte Rock-Musik mit viel Kitsch und Pathos.
Das beginnt bereits mit dem Cover - halbnackter Engel, blonder Jüngling auf einem Motorrad, teuflische Fledermaus im Hintergrund -, welches man so nur noch auf Alben von Iron Maiden oder als Airbrush-Fresko auf der Motorhaube eines Opel Asconas findet, und schlägt sich auch in den radiountauglichen Überlängen der Songs nieder.
Hinzu kommen kitschige Texte über die allmächtige Liebe und das böseste Böse, Himmel und Hölle, Licht und Schatten, schmachtende Gesangsduette, ausdauernde Gitarrensoli eines Brian May, Steve Vai oder Nikki Sixx (Mötley Crüe), unheilschwanger klingendes Glockengeläut, orchestraler Pomp sowie Orff'sche Chöre.
Aber hin und wieder überrascht der gute alte Meat selbst getreue Fans: Etwa dann, wenn er auf "The Monster is loose" mit schmetternden Riffs und fast schon gerappten Vocals über den Hörer hinweg fegt oder Celine Dions "It's all coming back to me now" (geschrieben von Steinman) endlich eine Seele einhaucht.
Erfrischend anders auch "If it ain't broke break it": In einer Effekt-Schlacht mischen sich funkige Bläsersätze mit treibenden Riffs zu unglaublich dichtem und fetzigen Rock. Ein kleines großes Highlight auch "Seize the Night", welches ursprünglich für den "Tanz der Vampire" geschrieben wurde. Mit 9,46 Minuten die längste Nummer des 14 Tracks umfassenden Albums.
Nach etwas mehr als 77 Minuten ist die gewaltige Rock-Oper dann leider schon vorbei. Was bleibt ist das Gefühl, dass Meat Loaf dieses Album ausschließlich für sich und seine langjährigen Fans aufgenommen hat. Wirkliche Neuerungen sucht man nämlich weitestgehend vergeblich - aber nach 13 Jahren des Wartens ist so ein Stück Nostalgie eine willkommene Sache.
Fazit: 8 von 10 Höllenkreaturen
Sebastian Räuchle
Hörproben zu allen Songs findest du über den Link in der Infobox.
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