Und wo könnte man mehr Verantwortung zeigen als in der Ameisen-Aufzuchtstation? Aus diesem Grund muss Lucas in seiner ersten Mission Nahrung für den Nachwuchs heranschaffen. In typischer Jump’n’Run-Manier gilt es das Futter auf Plattformen ausfindig zu machen, diese zu erklimmen und möglichst schnell mit den Vorräten zurückzukehren. Eine leichte Sache - wenn man erstmal begriffen hat, dass der Kleine nicht per Knopfdruck springt, sondern einfach auf den Abgrund zulaufen muss.
Wesentlich schwerer ist da schon die nächste Aufgabe, in der mit einem Zahnstocherchen eindringende Insekten abgewehrt werden müssen. Mit ein paar Hieben verkriechen sich die Viecher jedoch wieder in ihr Erdloch und Lucas darf ein wenig verschnaufen. In dieser Zeit lohnt sich ein kleiner Spaziergang durch den Ameisenbau, wo Lucas in Zukunft von den Oberameisen neue Aufträge entgegen nehmen kann.
Dann gilt es Raupen vor gefräßigen Insekten zu beschützen, Fruchtgummis für die Vorratskammer einzusammeln oder in einem Staffellauf gegen Ameisen-Kollegen zu bestehen. Zur Bewältigung dieser Aufgaben kann Lucas auf eine Reihe von Fähigkeiten und Hilfsmitteln zurückgreifen: Neben seinem Stab darf mit explodierenden Samen-Kapseln oder schleimigen Seidenspinner-Sekret geschossen werden. Auch ein kleiner Bogen hilft Lucas, nervige Moskitos vom Himmel zu schießen.
Lucas' wichtigste Fähigkeit ist jedoch die Telepathie. Bei gekennzeichneten Stellen kann der Ameisenschreck mit bloßer Gedankenkraft eine Schar Ameisen herbeirufen, die sich dann als Leiter, Brücke oder eine Art Katapult auf- und aneinander stapeln. Lucas muss dann nur noch auf die lebendige Leiter steigen, um neue Plattformen zu erreichen. Allerdings ist das nicht immer von Nöten, schließlich ist er selber ein ausgezeichneter Kletterer und kann - zumindest für eine gewisse Zeit - senkrecht an Wänden empor kraxeln.
Von der Anhöhe wieder runter geht es dann beispielsweise auf dem Rücken einer Biene oder mit Hilfe eines Blütenblatts, welches als Gleitschirm dient. Natürlich sollte man sich auch hier vor herunterfallenden Wassertropfen und stacheligen Kakteen in Acht nehmen. Absolviert der Spieler die Mission erfolgreich, kann jederzeit wieder in den Kartenabschnitt zurückkehren, um nach weiteren Extras Ausschau zu halten. Denn nur wenn Lucas alle 100 Kristalle einsammelt, wird er wieder seine menschliche Größe zurück erhalten.
Optisch kann "Lucas, der Ameisenschreck" zwar mit einigen netten Ideen aufwarten, bietet aber auf Dauer zu wenig Abwechslung. Aus dem "Liebling, ich habe die Kinder geschrumpft"-Szenario hätte man einfach mehr herausholen können. Auch in Sachen Gameplay erwischt man sich das eine oder andere Mal beim Fluchen, wenn die nicht ganz exakte Steuerung einen immer wieder ins leere Stürzen lässt. Recht gut gelungen hingegen die deutsche Sprachausgabe.
Fazit: "Lucas, der Ameisenschreck" liefert ein paar gute Ansätze (das Ameisen-Teamwork oder den Mikrokosmos im Vorstadt-Garten), bietet auf Dauer aber zu wenig Abwechslung, um zumindest die älteren Spieler langfristig vor Konsole oder PC zu fesseln.
Plattform: PS2 (getestet), PC, GameCube, GBA, Wii
Publisher: Midway
Krone.at-Wertung: 70%
von Sebastian Räuchle
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