13.04.2017 17:11 |

Drogen-Epidemie

Manchester kämpft gegen wahre "Zombie"-Plage

Die britische Metropole Manchester wird derzeit von einer Horde "Untoter" heimgesucht. Eine wahre Epidemie der synthetischen Kräutermischungen, "Spice" oder auch "Black Mamba" genannt, macht die Menschen zu regelrechten Zombies, wie schockierende Aufnahmen von den Straßen der Stadt zeigen. Allein am vergangenen Wochenende mussten zahlreiche Konsumenten der gefährlichen Substanzen, die um ein vielfaches stärker wirken als Cannabis, ins Krankenhaus eingeliefert werden. Trotz härterer Vorgehensweise der Behörden sind die billigen Designerdrogen weltweit weiter auf dem Vormarsch.

Die zusammen mit den Badesalzen als "Legal Highs" bekannten synthetischen Drogen sind günstig, leicht zu produzieren und schwer zu kontrollieren. Wo genau sie von wem hergestellt werden und mit welchen Chemikalien, das weiß niemand so genau.

Eine Mischung aus getrockneten Blättern - die nicht von der Cannabis-Pflanze stammen - wird mit Chemikalien besprüht und in kleinen Päckchen abgepackt unter Namen wie "Spice" oder aktuell auch "Black Mamba" auf der Straße oder über das Internet verkauft. Der Konsument muss die Droge dann einfach zerreiben und rauchen. Oftmals werden die Kräutermischungen auch als "Raumduft" angeboten und sind im Netz ohne jegliche Alterskontrolle bestellbar.

Hunderte Fälle binnen weniger Tage in New York
"Spice" und die unzähligen Nachahmer-Produkte sorgten in der Vergangenheit immer wieder für Schlagzeilen, etwa als im vergangenen Sommer in New York das Problem mit einer Kräutermischung namens "K2" außer Kontrolle zu geraten schien.

So mussten allein im Juli 2016 mehr als 160 Menschen zur Behandlung ins Krankenhaus eingeliefert werden. An nur drei Tagen landeten 130 Menschen nach einer Überdosis im Spital.

Die Behörden der US-Millionenmetropole schlugen damals Alarm, mehr als 6000 Menschen hätten demnach seit Anfang 2015 nach dem Konsum der Designerdrogen medizinische Behandlung benötigt.

Rasanter Anstieg an Drogen-"Zombies" in Manchester
Nun suchen die künstlichen Kräutermischungen Manchester heim, wo binnen kürzester Zeit ein rasanter Anstieg an "Spice-Zombies" verzeichnet wurde. Krankenwagen seien laut britischen Medienberichten derzeit mehrmals am Tag im Einsatz, um in der Stadt Konsumenten der Designerdrogen aufzusammeln. Knapp 55 "Spice"-Fälle seien im Zeitraum von nur drei Tagen gezählt worden.

Keineswegs übertriebene Vergleiche, wenn man aktuelle Fotos und Videos der Drogenkonsumenten betrachtet, die etwa auf YouTube veröffentlicht wurden. Die Aufnahmen wirken tatsächlich wie Szenen aus einem Horrorfilm.

Gefahren weithaus höher als bei echtem "Gras"
Halluzinationen, Schwindel, Übelkeit sind die allgemein bekannten Folgen des Konsums der künstlichen Kräutermischungen. Schon nach ein bis zwei Zügen an einem derartigen Joint wird man träge und gleichgültig. Die Gefahren der chemisch behandelten Kräuter sind jedenfalls weitaus höher als die von echtem "Gras".

Einerseits seien die künstlichen Substanzen oft viel stärker als pflanzliches THC, andererseits können beim Besprühen der Kräuter sogenannte Hotspots entstehen, die einen Teil einer Charge zum Höllentrip werden lassen, heißt es etwa in einer Hintergrundgeschichte des "Vice"-Magazins.

Der in den Kräutermischungen festgestellte Wirkstoff JWH-018, ein künstlich hergestelltes Cannabinoid, das viermal stärker wirkt als der natürliche Cannabis-Wirkstoff THC, ist in Großbritannien und vielen anderen Ländern mittlerweile verboten.

Das Problem ist, dass bisher nur ein geringer Teil der neuen psychoaktiven Substanzen von der Drogengesetzgebung erfasst wurde. Es ist sehr aufwendig, jeden einzelnen Stoff in Betäubungsmittelgesetze aufzunehmen. Sobald ein Wirkstoff verboten ist, taucht nach kurzer Zeit bereits ein neuer auf dem Drogenmarkt auf.

Problem mit Legal Highs in Österreich bislang überschaubar
In Österreich haben die "Legal Highs", ganz im Gegensatz zu anderen EU-Staaten, eine geringe Bedeutung und waren zuletzt sehr stark im Jahr 2008 mit der Kräutermischung "Spice" diskutiert worden.

Mit dem seit 1. Jänner 2012 geltenden Gesetz (Neue-Psychoaktive-Substanzen-Gesetz) kann das Gesundheitsministerium Neue Psychoaktive Substanzen (NPS) per Verordnung bezeichnen, wenn anzunehmen ist, dass sie wegen ihrer Wirkung in bestimmten Kreisen missbräuchlich verwendet werden und bei ihrer Anwendung nach dem Stand der Wissenschaft und der Erfahrung eine Gefahr für die Gesundheit von Konsumenten besteht oder nicht ausgeschlossen werden kann. Das Ministerium kann damit ganze Substanzklassen definieren.

Freiheitsstrafe von bis zu zwei Jahren für Einfuhr und Handel
Daraus ergeben sich folgende Konsequenzen: Wer in Österreich, so das Gesetz, "mit dem Vorsatz, daraus Vorteil zu ziehen", per Verordnung "bezeichnete" NPS "erzeugt, einführt, ausführt, einem anderen überlässt oder verschafft", kann mit einer Freiheitsstrafe von bis zu zwei Jahren belegt werden. Bei schwerer Körperverletzung bzw. Todesfolge gibt es eine Strafandrohung von einem Jahr bis zu zehn Jahren.

"Neue Drogen" weltweit weiter auf dem Vormarsch
Weltweit haben sich Drogenbehörden jedenfalls den Kampf gegen die "neue Drogen" genannten, synthetischen Substanzen auf die Fahnen geheftet. Wie die aktuelle Entwicklung in Manchester zeigt, tut das der Popularität der Kräutermischungen jedoch keinerlei Abbruch - sie sind weiterhin weltweit auf dem Vormarsch. So stieg die Zahl der Todesfälle durch "Legal Highs" in Deutschland im Jahr 2015 auf 39, 2014 waren es 25 gewesen.

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