Do, 21. Februar 2019
31.03.2017 12:30

Wirkungslos, teuer

Medikamentenbetrug: 92 Betroffene in Österreich

Die Verzweiflung schwer kranker Patienten haben zwei voneinander unabhängig agierende Tätergruppen in Österreich ausgenützt. Den Betroffenen wurden Ampullen zu überhöhten Preisen verkauft, deren Inhalt von Kochsalzlösungen bis hin zu nicht zugelassenen Produkten reichte. Bisher gab es vier Festnahmen, insgesamt 92 Geschädigte wurden identifiziert.

Mit Präparaten wie "Powerlight" und "GcMAF" wird laut Bundeskriminalamtssprecher Vincenz Kriegs-Au EU-weit gehandelt. In Österreich stieß man in Vorarlberg bzw. Oberösterreich auf derartige Fälle. Die Verdächtigen nahmen jeweils Kontakt zu Patienten auf, deren Chance auf Heilung durch die Schulmedizin gering war.

Kochsalzlösung sollte Krebs heilen
Im ersten Fall kam man einem Vorarlberger Allgemeinmediziner auf die Spur, nachdem die Tochter eines Opfers im Mai 2016 Anzeige wegen Betrugs erstattet hatte. Die Ermittlungen ergaben, dass der Verdächtige seit August 2015 das angebliche Krebsheilmittel "Powerlight" verkaufte.

Nach der Untersuchung der Plastikampullen stellte sich heraus, dass es sich bei der Substanz um eine Kochsalzlösung handelte. Der Verdächtige vertrieb das Mittel über eine eigens dafür in Österreich gegründete Firma, bei der man das Produkt online bestellen konnte. "Powerlight" sollte dabei sämtliche Krankheiten heilen, der Preis richtete sich nach der Schwere der Krankheit. "Im Schnitt kosteten vier Ampullen rund 1580 Euro", berichtete das Bundeskriminalamt.

Insgesamt 80 Geschädigte bezogen nach derzeitigem Ermittlungsstand das Produkt, einige von ihnen waren bei Bekanntwerden des Falles bereits verstorben. Der Gesamtschaden beläuft sich bisher auf 70.000 Euro. Der Mediziner und ein Mittäter wurden auf freiem Fuß angezeigt. Sie bestritten eine Betrugsabsicht.

Zweite Tätergruppe verkaufte Präparat "GcMAF"
Der zweite Fall wurde im November 2016 bekannt, nachdem Europol mitgeteilt hatte, dass österreichische Abnehmer das Präparat "GcMAF" der Firma FirstImmune gekauft haben sollen. Dabei handelte es sich ebenfalls um ein nicht zugelassenes Präparat, das als Mittel gegen zahlreiche schwere Erkrankungen beworben wurde.

Das Produkt sollte unter anderem Tumorzellen angreifen. Laut Bundeskriminalamt gab es sogar inzwischen wieder zurückgezogene Publikationen in wissenschaftlichen Fachmagazinen.

Schädliche Substanzen wie Siedebenzin enthalten
Bei den Ermittlungen stieß man auf neun Verdächtige in Oberösterreich, die schwerst kranke Patienten zur Behandlung mit dem Produkt angeworben hatten. Die Verdächtigen kauften die Ampullen um rund 500 Euro an und veräußerten sie ihren Opfern mit einem Gewinnaufschlag von 200 Prozent.

Auch hier richtete sich der Preis nach dem Einkommen und der Schwere der Krankheit. Den Kranken wurden in diesem Fall jedoch noch Siedebenzin, Kohlenstoff und THC-haltige Substanzen verabreicht, was schwerste Nebenwirkungen zur Folge hatte.

Vier Haupttäter gefasst
Insgesamt geht man von vier Haupttätern aus, die sich seit Dezember des Vorjahres in Untersuchungshaft befinden: ein 52-jähriger Steinmetz, ein 33-jähriger Wettlokalbetreiber, ein pensionierter Zahnarzt und ein 53-jährigen Baumeister. Diese gaben sich gegenüber den kranken Opfern als Apotheker oder Onkologen aus. Auch hier wurde eine Betrugsabsicht bestritten.

Aufgrund der österreichischen Erkenntnisse zu "GcMAF" wurde laut Bundeskriminalamt im Februar in Frankreich und auf der britischen Kanalinsel Guernsey gegen Hersteller und Organisatoren des Vertreibernetzwerkes vorgegangen. Demnach wurden mehrere Untergrundlabore ausgeforscht und Beschuldigte festgenommen. Das Bundeskriminalamt ersucht weitere Opfer der beiden Tätergruppen um Kontaktaufnahme.

 krone.at
krone.at

Kommentare

Eingeloggt als 
Nicht der richtige User? Logout

Willkommen in unserer Community! Eingehende Beiträge werden geprüft und anschließend veröffentlicht. Bitte achten Sie auf Einhaltung unserer Netiquette und AGB. Für ausführliche Diskussionen steht Ihnen ebenso das krone.at-Forum zur Verfügung.

User-Beiträge geben nicht notwendigerweise die Meinung des Betreibers/der Redaktion bzw. von Krone Multimedia (KMM) wieder. In diesem Sinne distanziert sich die Redaktion/der Betreiber von den Inhalten in diesem Diskussionsforum. KMM behält sich insbesondere vor, gegen geltendes Recht verstoßende, den guten Sitten oder der Netiquette widersprechende bzw. dem Ansehen von KMM zuwiderlaufende Beiträge zu löschen, diesbezüglichen Schadenersatz gegenüber dem betreffenden User geltend zu machen, die Nutzer-Daten zu Zwecken der Rechtsverfolgung zu verwenden und strafrechtlich relevante Beiträge zur Anzeige zu bringen (siehe auch AGB).

Aktuelle Schlagzeilen
21.000 Euro Strafe
Frankreichs Liga bestraft Nantes für Sala-Gedenken
Fußball International
„War, was ich fühlte“
Atletico-Coach Simeone erklärt seinen Eier-Griff
Fußball International
Ermittlungen laufen
2 Leichen innerhalb eines Tages in Fluss entdeckt!
Niederösterreich
Plus Size
Die schönste Mode für Ihre Kurven
Beauty & Pflege
Drama um Manuela K.
Mädchenleiche im Park: Lokalaugenschein mit Täter
Niederösterreich
PSG-Star im Klub-Fokus
Neymar muss für Spezialtherapie nach Brasilien
Fußball International
Gegen das Artensterben
„Krötentaxis“ werden wieder gesucht
Tierecke
Opernball-Talk
Lugner plaudert über One-Night-Stands in der Loge
Video Stars & Society
krone.at-Sportstudio
Schreckmoment bei der WM ++ Arnautovic führt
Video Show Sport-Studio

Newsletter

Melden Sie sich hier mit Ihrer E-Mail-Adresse an, um täglich den "Krone"-Newsletter zu erhalten.