Die schöne Lady Genevievre kommt auf Schloss Camelot, das ist leider noch lange nicht fertig gebaut. Massig Steine sind nötig, dabei muss erst genug Nahrung für die fleißigen Steinmetze her. Und zu allem Überfluss stehen an fünf Landesgrenzen erst wenige, dann immer zahlreichere Feinde bereit, um deine Baufortschritte möglichst klein zu halten.
Während also an allen Ecken und Enden gebaut, angegriffen und zerstört wird, fällt es nicht leicht, immer den Überblick zu behalten. Hier fehlt Nahrung für die Untertanen, dort Geld für das Militär. Höhere Steuern aber untergraben die Autorität des Burgherren und die Zufriedenheit der Bauern, Holzfäller und Pikenhersteller sinkt. Fazit: Die Bevölkerung schrumpft, es wird weniger produziert und im Eiltempo müssen die Untertanen zufrieden gestellt werden.
Ganz nebenbei feindliche Bogenschützen, Lanzenträger oder gepanzerte Ritter im Auge zu behalten, ist eine meist hektische Aufgabe. Für jeden der drei mehr oder weniger heldenhaften, doch zweifellos kampflustigen Burgherren steht eine Kampagne bereit. Die bieten jeweils verschiedene Missionen mit drei wählbaren Schwierigkeitsstufen und verschiedenen Helden.
Mittelaltertypisch werden Personen befreit, Burgen erstürmt, Gebäude eingenommen und Feinde vernichtet werden - meist steht dafür nur begrenzt Zeit zur Verfügung. Der Aufbaupart spielt nicht immer eine gleich große Rolle, manches Mal aber zieht der tapfere Ritter schlicht mit ein paar Untertanen quer über die Karte. Jeder der drei Helden kann spezielle Einheiten zu Hilfe rufen, die für eine begrenzte Zeit an seiner Seite kämpfen.
Außerdem steht jeder Fraktion ein eigenes Gebäude zur Verfügung, das spezielle Einheiten herbeirufen kann. So baut Arthur die Tafelrunde, um Merlin, Sir Lancelot oder einen grünen Drachen zu beschwören. Der Eisturm kann von Siegfried erbaut werden, Eiskönigin, Eisriese und Eisdrache warten. Besonders böse Zeitgenossen bauen mit Vlad den Zaubererturm und "vergnügen" sich mit Höllenhund, Werwolf und dem schwarzen Drachen. Natürlich harren noch viele weitere Spezialeinheiten der Entdeckung...
Die spannenden Ideen, die das Spiel verspricht, verlieren sich leider durch mangelhaftes Balancing, unübersichtliche Spielflächen und die Tatsache, dass die drei spielbaren Parteien sich kaum von einander unterscheiden. Es macht schlicht kaum einen Unterschied, ob man gut, böse oder sehr böse ist. Es gewinnt meist einfach derjenige, der mehr Truppen hat. Ärgerlich: Die Spezialeinheiten wie Merlin oder gepanzerte Ritter ohne Pferd sind so langsam, dass man sie eigentlich am Anfang einer Runde losschicken müsste, um sie nach einer Stunde am richtigen Fleck auf der anderen Seite der Karte zu haben... Ihre Spezialfähigkeiten sind außerdem nur von beschränkter Nützlichkeit.
Es stehen die genreüblichen Angriffs- und Belagerungstruppen zur Verfügung, Innovationen sucht man hier vergebens. Übrigens ebenso wie Forschung - pro Mission werden einfach Gebäude und Einheiten automatisch freigeschalten. Das macht natürlich ebenfalls wenig Laune. Genauso wenig wie die Grafik - die ist zwar in 3D, das rettet den veralteten Look aber nicht. Die Figuren wirken pixelig, die Bäume kantig - nur die Darstellung der Spezialaktionen kann zumindest etwas begeistern. Schade dass im Gegensatz zu den meisten Games des Genres Gebäude sofort erscheinen, sie werden nicht erbaut sondern stehen nach einem Klick. Wuselnde Bauarbeiter hätten dem Ambiente des Games sicher gut getan.
Neben den Kampagnen stehen das freie Szenario und ein Multiplayer-Modus zur Auswahl, das freie Szenario ist wegen fehlender Forschung und zu starker Konzentration auf den kriegerischen Part aber keine rechte Freude. Außerdem kommt auch hier eine unschöne Hektik auf, wünschenswert wäre ein Tool gewesen, mit dem die Zeit verlangsamt und beschleunigt (für elendig lange Wegstrecken mit teils unsäglich langsamen Truppen) werden kann.
Fazit: Gute Ansätze, spannende Ideen, doch es fehlt "Stronghold Legends" an Pfeffer, Esprit und vor allem eigenen Ideen. Der kriegerische Part wurde so weit ausgebreitet, dass nur ein stark verstümmelter Aufbau-Rest übrig blieb, der unausgewogen wirkt. Großteils ist das Spiel aufgrund fehlender Übersicht hektisch und die drei Helden und ihre Gefolgschaft spielen sich viel zu ähnlich. Wenigstens sind die Missionen meist gelungen und abwechslungsreich - wer sich an der längst überholten Grafik nicht stört und immer schon als Vlad Dracul durch die Lande streifen wollte, der wird an "Stronghold Legends" seine Freude haben.
Plattform: PC
Publisher: Take 2
Krone.at-Wertung: 70 %
Von Bernadette Geißler
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