Do, 21. Juni 2018

Electric Boogaloo

24.10.2006 16:03

B-Boy

Mit Ataris "Getting Up: Contents under Pressure" durfte der Spieler Aerosol-Luft schnuppern und in die Geheimnisse der Graffiti-Kunst eingeweiht werden. Mit dem Breakdance-Spiel "B-Boy" startet Sony nun den Versuch, der Gamerschaft ein weiteres Stück Hip-Hop-Mikrokosmos näher zu bringen.

Man kennt die sich um die eigene Achse kreiselnden und wirbelnden Damen und Herren meist aus der Fußgängerzone. Dass hinter den sportlichen Verrenkungen jedoch eine eigene Geschichte und Kultur stecken, wissen nur die wenigsten. Wie gut, dass Sony nun mit "B-Boy" ein wenig Licht ins Dunkel des Breakdancens bzw. B-Boyings zu bringen versucht. Damit es auch mit rechten Dingen zur Sache geht, stand niemand geringerer als Crazy Legs, seines Zeichens Mitglied der legendären "Rocksteady Crew", dem Spiel Pate.

Ziel des Spiels ist es, sich im friedlichen Wettstreit - auch Battle genannt - an die Spitze zu tanzen. Doch bevor es soweit ist, muss man als B-Boy oder B-Girl durch eine harte Schule gehen. Kool Rock, der virtuelle Coach, steht dabei stets hilfreich zur Seite. Er lehrt auch die vier Grundbewegungen: den Top-Rock, den Six-Step, die Windmill und den Freeze.

Die Kunst besteht nun darin, die einzelnen Moves flüssig miteinander zu kombinieren und durch nach und nach neu erlernte Bewegungen zu meisterlichen Kombos auszubauen. Als ob das nicht schon schweißtreibend genug wäre, muss der Spieler auch noch ein Auge auf das eigene Rhythmusgefühl werfen. Nur wer fleißig im Takt aufs Knöpfchen drückt, kann seinen Headspin minutenlang aufrechterhalten.

Hat man das erste Training hinter sich gebracht und den eigenen Meister im ersten Battle erfolgreich bezwungen, steht einem die Welt des B-Boyings offen. Zentrale Anlaufstelle hierfür ist der Laptop in den eigenen vier Wänden, auf dem nicht nur hilfreiche Tipps von anderen Breakern via E-Mail eintrudeln, sondern auch die nächsten Wettkämpfe geplant werden können. Ein weiterer Blick offenbart die aktuelle Reihung der Tänzer.

Wer eine Herausforderung annimmt, findet sich alsbald in einer der zahlreichen Arenen (über Hinterhöfe, Turnhallen bis hin zum "Battle of the Year"-Szenario) wieder, in denen das Tanzgeschick unter Beweis gestellt werden muss. Für den Sieg müssen allerdings gewisse Bedingungen erfüllt werden: Nur wer Bewegungsfluss, Kreativität, Rhythmusgefühl, Basis- und besonders effektreiche Megamoves in seiner Performance unterbringt, steigt auf und verdient sich den Respekt der Breakerschaft. Während zu Beginn des Spiels nur eine Bedingung erfüllt werden muss, steigen die Anforderungen von Battle zu Battle, bis schließlich alle fünf Kategorien bravourös gemeistert werden müssen.

Doch nicht nur Respekt, auch neue Moves werden durch den Sieg errungen und anschließend fein säuberlich im Moves-Buch niedergeschrieben. Das ist auch bitter nötig, muss der Spieler sich doch eine Vielzahl an Tricks merken, um punkten zu können. Nachschlagen lohnt sich also. Ebenso kann der eine oder andere Sponsor für die eigene Sache gewonnen werden, so dass man sich in Zukunft um die Finanzierung der eigenen Garderobe keinen Kopf mehr machen muss.

Neben dem Karriere-Modus gibt es eine zudem Reihe weiterer Spiel-Modi, in denen der Spieler das Tanzbein schwingen darf. Unter der Rubrik "B-Boy-Jam" tummeln sich insgesamt fünf verschiedene Herausforderungen, in denen gegen die Uhr oder virtuelle Gegner angetreten werden darf. Abgerundet wird das Angebot durch kleine Extras wie beispielsweise Trailer.

Rein optisch bietet "B-Boy" solide, aber nicht herausragende Kost. Zwar werden alle Bewegungen dank Motion-Capturing-Verfahren äußerst flüssig auf die Matte bzw. den Bildschirm gebracht, gerade das Äußere der Figuren wirkt jedoch ein wenig klobig. Auch die zahlreichen Arenen beschränken sich letzten Endes auf ein kleines Stück Tanzmatte, so dass das Drumherum nur allzu schnell verblasst. Auch gelegentliches Kantenflimmern trübt das ansonsten sehr stylish in Szene gesetzte Szenario. Großes Kino hingegen auf der musikalischen Seite: Hier wird klassischer Funk, Soul und Rap geboten, zu dem die B-Boys und -Girls so gerne ihre Hüften kreisen lassen. Stichwort: "Apache" von der Incredible Bongo Band oder Cypress Hills "Phunky feel one".

Fazit: "B-Boy" macht in Sachen Spielumfang, Musik und Konzeption vieles richtig, hat aber letzten Endes mit zwei Problemen zu kämpfen: einem sehr hohen Schwierigkeitsgrad und einer sehr speziellen Thematik. Wer mit Tanzen, Lifestyle und Musik der B-Boy-Szene nur wenig am Hut hat, der sollte "B-Boy" daher erst einem prüfenden Blick unterziehen.    

Plattform: PS2, PSP
Publisher: Sony
Krone.at-Wertung: 79%


von Sebastian Räuchle

Das könnte Sie auch interessieren

Newsletter

Melden Sie sich hier mit Ihrer E-Mail-Adresse an, um täglich den "Krone"-Newsletter zu erhalten.