Mo, 23. Juli 2018

König der Unterwelt

18.10.2006 16:19

Yakuza

Kazuma - ein Name, der, wenn einmal ausgesprochen, in Unterweltkreisen Furcht und Schrecken verbreitet. Der gute Mann sorgt unter anderem dafür, dass ausstehende Schulden beglichen werden. Sein Verhandlungsgeschick beruht einzig und allein auf hand- und schlagfesten Argumenten. Aufgrund seiner Verdienste in der ehrenwerten japanischen Gesellschaft gestattet ihm sein Oyabun in "Yakuza" einen eigenen Clan gründen zu lassen.

Kazuma scheint am Ziel seiner Träume angekommen zu sein, doch plötzlich läuft alles schief: Zuerst findet er seinen Bruder mit einer Waffe in der Hand über den toten Oyabun gebeugt und nimmt in brüderlicher Großmut die Tat auf sich. Dies bringt ihm stolze zehn Jahre Haft ein. Doch das Schicksal meint es auch nach seiner Entlassung nicht gut mit ihm, denn sowohl seine Freundin als auch die kleine Yumi sind spurlos verschwunden.

Zudem sinnt sein ehemaliger Clan auf Rache für den vermeintlichen Mord am Familienoberhaupt. Nicht einmal sein Bruder, der undankbare Kerl, ist ihm eine Hilfe. Im Gegenteil, er hat sich stark verändert und nur noch seinen Machtgelüste im Sinn. So bleibt Kazuma, ein Ausgestoßener, eine Geächteter, ein von allen Gejagter, nichts anderes übrig als sich auf die Suche nach seiner Freundin sowie Yumi zu machen und dabei seine Ehre wieder herzustellen.

Die Story wird in ausführlichen Zwischensequenzen weiter erzählt, so dass vor allem zu anfangs wenig Spiel, dafür viel Film zu sehen ist. Im Grunde beherrscht Kazuma nur ein Handwerk richtig gut, nämlich die Deformation von Körperteilen. Dabei ist er in der Wahl seiner Mittel nicht gerade zimperlich. Neben verschiedenen Schlag- und Trittkombinationen kann er auf allerlei herumliegende Gegenstände, wie Baseballschläger, Sessel, Tische, Eisenstangen, Verkehrshütchen und noch vieles mehr, zurückgreifen, um auf die Gegner hemmungslos einzudreschen.

So eilt man mit Kazumi durch die Strassen der Stadt von einem Schauplatz zum nächsten, an dem dann nach einem weiteren Kampf die Geschichte fortgeführt wird. Zu lösende Rätsel gibt es eigentlich nicht, abgesehen etwa von einer Dose Hundefutter, die es zu finden gilt, wobei nur der zu findende Supermarkt nicht sofort auszumachen ist - außer man setzt den Namen eines tapferen Ritters, der gegen die Windmühlen kämpfte, mit denen heimischer Supermarktketten gleich.

Auf dem Weg zum nächsten Ziel kommt es, da die Stadt zum Gutteil aus Kriminellen zu bestehen scheint, immer wieder zu kleineren Handgreiflichkeiten. Sind die Halunken einmal besiegt, winkt eine schöne Summe Bares sowie Erfahrungspunkte für den Helden oder hier und da ein besonderer Gegenstand.

Mit dem Geld können in Märkten Lebensmittel und Getränke gekauft oder auch schnell mal ein Fast-Food Restaurant aufgesucht werden. Entstandene Blessuren lassen sich durch den Konsum der gekauften Gegenstände umgehend heilen. Mit ausreichend Erfahrungspunkten kann Kazumi einzelne seiner Fähigkeiten steigern oder neue Kampftechniken erlernen.

Neben den Hauptmissionen gibt es immer wieder kleine Mini-Quests.  Rettet er etwa eine asiatische Schönheit vor einem Betrunkenen, erhält er von ihr eine Einladung auf ein Getränk. Nur zu blöd, dass sie mit dem Barmann unter einer Decke steckt und Kazumi mit brummendem Schädel und ohne Geld auf der Strasse zu sich kommt. Da bleibt ihm dann eigentlich fast gar nichts anderes mehr übrig, als Bar mitsamt Barmann zu Kleinholz zu verarbeiten.

Das Treten, Schlagen und die ständige Herumrennerei ist auf Dauer doch ziemlich anstrengend und so kann er an bestimmten Punkten ein Taxi nehmen, sich beim teuren Hostessen-Service verwöhnen lassen, einen Strip-Club besuchen, bei dem es sogar die Chance gibt einen lebenslangen Gratiseintritt zu erlangen, dem Glückspiel frönen oder in der Baseball-Halle auf die Jagd nach Homeruns gehen.

"Yakzua" hat zwar eine gewisse Ähnlichkeit mit "Grand Theft Auto", allerdings spielen hier Fahrzeuge keine Rolle und auch die Handlungsfreiheit ist sehr viel stärker eingeschränkt. Doch die packende, wenn auch anfangs verwirrende Story, sorgt dafür, dass das Joypad nicht so schnell weggelegt wird.

Grafisch ist "Yakuza" hübsch anzusehen. Die Stadt, mit den durch die in Neonlicht getauchten Straßen eilenden Passanten wirkt dabei sehr lebendig. Auch die Geräuschkulisse passt optimal zum Geschehen. Die Steuerung ist sehr gut gelungen und sorgt ohne lange Einspielzeit für Erfolgserlebnisse.

Die Gegner sind weniger von ihrer einzelnen Spielstärke ein Problem, als von ihrer zahlenmäßigen Überlegenheit. Doch mit ein wenig Übung lassen sich mit Kazumi dann doch ganz Horden davon niederstrecken.

Nicht sonderlich gelungen ist hingegen die automatische Kameraführung. So muss man immer wieder manuell den Blickwinkel ändern, um nicht aus dem Nichts von einem Gegner angefallen zu werden.

Fazit: "Yakuza" lebt vor allem von der gut erzählten Story. Auch wenn es nicht an die Qualität der "Grand Theft Auto"-Serie herankommt, bietet es doch nicht nur für alle Fans dieses Genres jede Menge Spielspaß.

Plattform: PS2
Publisher: Sega
Krone.at-Wertung: 81%

von Harald Kaplan 

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