So, 18. November 2018

Schönes Baskenland

16.01.2017 10:44

In den Kathedralen des Weins

Hochkultur im Guggenheim-Museum in Bilbao, eine sehr lebendige Lokalszene allerorts und die hochinteressante, geradezu bombastische Weinregion Rioja. Was braucht es mehr für einige schöne Tage im Frühjahr?

Wie würden Sie reagieren, wenn in einem Lokal alte Papierservietten und Zahnstocher auf dem Boden liegen? Würden Sie mit Freude hier einkehren oder lieber anderswo? Wenn Sie sich im Baskenland, also im Norden Spaniens, aufhalten und zu Zweiterem tendieren, ist diese Entscheidung leider grundfalsch. Denn gerade die Menge an Servietten und Zahnstochern, die am Rand der Bartheke liegen, gelten als Qualitätskriterium für die Gastwirtschaft.

Köstlichkeiten auf Papierservietten
In den Tapas-Bars werden die kleinen Köstlichkeiten, die hier Pinchos (spanisch) oder Pintxos (baskisch) genannt werden, nämlich auf einer Papierserviette kredenzt und oft von Zahnstochern zusammengehalten. Nach dem Verzehr ist es üblich, beides nahe der Bartheke auf den Boden zu werfen. Je mehr davon unten liegt, desto besser. Ein allzu sauberer Boden bedeutet: Hier ist die Zahl der Besucher enden wollend.

Baskenland blüht auf
Das Baskenland hat sich bis heute seine Eigenständigkeit bewahrt. Die Zeiten, in denen die Separatisten der ETA mit Gewalt die Abspaltung von Spanien erreichen wollten, sind endgültig vorbei. Was nur zum Vorteil des Landes war und ist. Es blühte auf, gilt, soweit man das sagen kann, als sicher, und den eigenen Weg behielt man bei. Und so verweisen die Einheimischen mit Stolz darauf: Wir sind zwar Spanier, aber wir sind anders.

Wer genau hinhört, dem wird zum Beispiel in den Lokalen die so fremd klingende Sprache der Einheimischen auffallen. Sie ist mit keiner anderen weltweit vergleichbar. Wenn in Spanien ein fröhliches "Hola" zu hören ist, heißt das im Baskenland "Kaixo", "Buenos dias" wird zu "Egunon" und "Muchas gracias" zu "Eskerrit asko". So muss sich niemand genieren, der nur einen Satz hervorbringt: "Ez dut euskaraz hitz egiten." Was bedeutet: "Ich spreche kein Baskisch."

Pelota als Nationalsport
Auch beim Sport gehen die Basken ihren eigenen Weg. Beim Fußballclub Athletic Bilbao spielen nur Fußballer aus der Region. Und wo sonst wird noch ein Ballspiel namens Pelota betrieben? Nur im Baskenland, wo es Nationalsport ist. Das Spiel kam vor 400 Jahren von den Azteken aus Mexiko nach Europa. Archaische Regeln, wie jene, dass der Kapitän der unterlegenen Mannschaft getötet wird und der Sieger sich die schönste Frau aussuchen darf, sind abgeschafft. Eh klar.

Nach einem Sieg gefeiert wird wohl auch und vor allem mit Wein aus der Rioja. Das Gebiet mit Logroño als Zentrum zählt neben der Toskana und der Region um Bordeaux in Frankreich zu den großen Weinanbaugebieten Europas. Nur um über die Dimensionen keine Unklarheiten aufkommen zu lassen: In der Rioja werden auf 65.000 Hektar Fläche knapp 300 Millionen Liter Wein erzeugt. Das ist deutlich mehr als in ganz Österreich.

Bodegas mit einmaliger Lage
Schon seit Jahrhunderten profitieren die Bodegas, die Weingüter, von der einmaligen Lage. Der Wein hat es gut im sanften Hügelland in 500 bis 700 Meter Seehöhe südlich von Bilbao. Nach Norden zu hält eine Bergkette die kalte Atlantikluft ab, aus dem Süden kommt Wärme des Mittelmeeres. Die Feuchtigkeit, die sich nachts auf die Trauben legt, trocknet tagsüber durch beständigen Wind schnell wieder ab. Die Gefahr, dass Trauben schimmeln, besteht kaum. Was hier aus dem Boden gestampft wurde, ist jedenfalls sehenswert.

Auf den Punkt gebracht: Kellergassen sehen bei uns anders aus. In den großen Weingütern wurden international anerkannte Architekten engagiert, um mit ihren stilbildenden Kreationen die Richtung vorzugeben. Bei "Marques de Riscal" in Elciego zum Beispiel war Frank Gehry, ein Kalifornier mit kanadischen Wurzeln, am Werk. Er ist so nebenbei jener Architekt, der in Bilbao das GuggenheimMuseum entworfen hat.

Das Projekt im Weingut verschlang angeblich 60 Millionen Euro. Das Dach, das an zufällig hingeworfene bunte Stanniolstreifen erinnert, bedeckt ein ein Hotel mit nur 14 Luxussuiten und ein Restaurant, das einen Michelin-Stern errungen hat.

Die Philosophie der Bodegas
Bei Ysios, ein paar Kilometer weiter, ist das ähnlich. Hier wirkte Stararchitekt Santiago Calatrava, sein Dach hat die Welle, das nahe Meer, zum Thema. Nichts wird dem Zufall überlassen, beschreiben die perfekt englisch sprechenden Führer die Philosophie der Bodegas. Nach der Ernte werden die Trauben vor der Pressung zuerst in Kühlräumen alle auf die gleiche Temperatur gebracht, heißt es bei "Vivanco" in Briones.

Lagerung in edlen Fässern
Lagern darf der edle Saft in Fässern aus französischer oder amerikanischer Eiche. Bis daraus Crianza, Riserva oder Gran Riserva geworden ist. Ersterer darf zwei Jahre reifen, Zweiterer drei Jahre und der Gran immerhin fünf.

Die Keller erinnern an Kathedralen, in den im Halbdunkel liegenden Gewölben sucht man den Kellermeister mit dem Weinheber vergebens, alles wird elektronisch überwacht: Sonden in den Fässern geben Auskunft über Temperatur, Säuregrad und viele andere Parameter, ablesbar sind die Werte auf Computerbildschirmen.

Picasso im Weinmuseum
Im Weinmuseum bei "Vivanco", das in seiner Art einmalig ist, hängen Bilder von Andy Warhol oder Picasso. Originale natürlich. So interessant die Rioja ist, so gibt es doch vieles anderes in der Gegend zu sehen: Natürlich in Bilbao das Guggenheim-Museum, dessen Architektur allein schon fasziniert. Es wurde übrigens für satte 130 Millionen Euro von der Stadt gebaut. Guggenheim gab "nur" seinen Namen.

Wer an Pamplona vorbeifährt, weil er dem dort so populären Stierkampf und dem absurden "Stierlauf" nichts abgewinnen kann, der findet vielleicht Erholung im Seebad San Sebastian. Auf einer der schönsten Küstenpromenaden, auf der schon Harrison Ford oder Audrey Hepburn während der Filmfestspiele flanierte.

Peter Grotter, Kronen Zeitung

INFO
ALLGEMEINE AUSKÜNFTE:
Spanisches Fremdenverkehrsamt Wien, 01/512 95 80, www.spain.info
ANGEBOT: BILBAO und RIOJA Kunst, Kultur und Wein in Bilbao, Vitorio, Riojagebiet, Logrono, Pamplona und San Sebastian. Termine 30. 3.-2. 4. 2017 und 27. 4.-30. 4. 2017. Reise inkl. Flügen, Taxen, 3 Nächten in 4* Hotels inkl. Frühstück, allen Transfers und Besichtigungen, Gastrotour in Bilbao, Besuch von 2 Weingütern, Eintritt Guggenheim- Museum, Stadtrundgängen und lokalen deutschsprachigen Fremdenführern;
Pauschalpreis pro Person ab: Euro 799,- Infos, Details und Buchungen: Raiffeisen Reisen, Rotenturmstraße 27, 1010 Wien, 01/533 77 82, rotenturmstrasse@raiffeisen-reisen.at

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