Transrapid-Crash

Leitstelle soll Hindernis übersehen haben

Ausland
24.09.2006 14:17
Nach dem schweren Transrapid-Unglück in Deutschland mit 23 Toten wird ein Versagen der Leitstelle als ein Auslöser des Unfalls immer wahrscheinlicher. Die Auswertung von Daten eines GPS-Systems und eines Protokollbuchs hat ergeben, dass die beiden Mitarbeiter der Leitstelle von dem Werkstattwagen auf der Trasse gewusst haben müssten. Es würden aber noch weitere mögliche Ursachen geprüft, betonte der Sprecher der Staatsanwaltschaft Osnabrück, Alexander Retemeyer. Große Anteilnahme gab es bei einem Gottesdienst für die 23 Todesopfer des Zug-Crashs.

„Der Transrapid hätte nach diesem Kenntnisstand nicht losfahren dürfen“, sagte Retemeyer am Samstagabend. Ob und inwieweit die beiden Fahrdienstleiter tatsächlich verantwortlich seien, sei aber noch unklar. „Wir wollen erst alle Fakten zusammenstellen, bevor wir Aussagen zu Verantwortlichen machen“, sagte Retemeyer.

Mitarbeiter hätten den Werkstattwagen sehen müssen
Der Werkstattwagen war mit einem GPS-Sender ausgestattet gewesen, über den seine Streckenposition abgelesen werden könne. „Das Sonderfahrzeug wurde vom System in der Leitstelle richtig auf der Strecke bei Stütze 120 angezeigt“ und habe sich auch zu Recht dort befunden, sagte Retemeyer. Klärung erwarten sich die Ermittler auch von zwei Gutachten der Technischen Universität Braunschweig und des Eisenbahnbundesamtes. Mit deren Ergebnissen wird aber erst in der kommenden Woche gerechnet.

Gottesdienst mit großer Anteilnahme
Bei dem Zusammenprall mit dem Arbeitswagen waren am Freitag 23 Menschen in den Tod gerissen worden, 10 überlebten verletzt. Die Angehörigen der Todesopfer wurden am Wochenende von Seelsorgern betreut. Mehrere hundert Menschen hatten am Sonntagvormittag bei Gottesdiensten der Toten gedacht. „Es gibt viele Zeichen der Verbundenheit und Nähe, dass keiner isoliert bleibt vor der Kälte des Todes und der Trauer“, sagte Pfarrer Gerhard Ortmann in seiner Andacht. 

Schnellbahn fährt bis zu 450 km/h
Seit 1984 fährt die Magnetschwebebahn auf Europas längster Teststrecke im Emsland, wo auch das Unglück geschah. Auf der 31,5 Kilometer langen Versuchsanlage erreicht die Schnellbahn Geschwindigkeiten bis zu 450 Stundenkilometern. Die Strecke mündet im Norden und Süden in zwei Wendeschleifen - dazwischen liegt ein zwölf Kilometer langer Abschnitt, auf dem die Höchstgeschwindigkeiten erreicht werden.

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