Fataler Irrtum

Der kleine Raphael hat den Todespilz selbst gepflückt!

Oberösterreich
02.09.2006 18:31
Große Trauer um den kleinen Raphael aus Garsten, der durch einen Giftpilz starb. Ermittlungen ergaben, dass der 16 Monate alte Bub den weißen Knollenblätterpilz selbst gepflückt haben dürfte. Mutter und eine Nachbarin, die auf Parasol-Suche waren, glaubten, er hätte einen Champignon gefunden, untersuchten das Schwammerl aber nicht genauer. Beim Pilzeessen war die ganze Familie beisammen.

Wären die im Wald hinter dem Wohnhaus der Familie Christine (29) und Mario R. (32) gepflückten Schwammerln zu einem Gulasch verarbeitet worden, hätten sich damit auch die Großeltern und der Vater von Raphael lebensgefährlich vergiften können. Doch die Mutter panierte die Pilze, der Opa fütterte Raphael, ist sich nicht sicher, ob er selbst auch davon gekostet hat.

Auch Mutter hat vom Giftpilz gegessen
Das Schwammerlessen hatte am Mittwoch vor einer Woche, am 23. August, stattgefunden. „In den ersten sechs bis 24 Stunden nach dem Verspeisen von Giftpilzen gibt es eine Latenzphase ohne Symptome“, wissen Mediziner. So war es auch bei Raphael und dessen Mutter, die ebenfalls von dem hochgiftigen weißen Knollenblätterpilz, den man für einen Champignon hielt, gegessen hat.

Die tödliche Dosis beim Knollenblätterpilz beträgt 0,1 Milligramm je Kilogramm Körpergewicht  diese Dosis wird sogar bei Erwachsenen schon beim Genuss eines einzigen Pilzes weit überschritten.

Schwere Leberschädigung
Am nächsten Tag bekamen der kleine Raphael und seine Mutter Durchfall, mussten erbrechen - vermuteten aber nur eine Darminfektion und ließen sich vom Hausarzt Zapferln verschreiben. Diese Vergiftungssymptome halten sechs bis neun Stunden an. Aber erst zwei Tage später, am 25. August, wurde Raphael ins Steyrer Spital eingeliefert und dann von dort sofort in die Landeskinderklinik nach Linz gebracht, wo eine schwere Leberschädigung festgestellt und der Bub für eine Transplantation ins Wiener AKH überstellt wurde. Seine Mutter wurde am 26. August ins Linzer Spital der Barmherzigen Brüder eingeliefert.

Vier Tage nach der Vergiftung schreitet die Leberschädigung rasch voran - doch erst sieben Tage nach dem Giftpilz-Gericht konnte Raphael ein Lappen der Leber seiner Oma eingepflanzt werden. Zu spät: Das Gift hatte sich in dem kleinen Körper schon so weit ausgebreitet, dass Raphael einen Tag später, Donnerstag Nachmittag, starb. Nun wurde eine Obduktion angeordnet.

Stichwort: Die für die Knollenblätterpilzvergiftung verantwortlichen Amatoxine sind starke Leberzellgifte, bei Verdacht auf Vergiftung sollte unverzüglich ein Notarzt aufgesucht werden. Bei der Behandlung der Opfer werden neben üblichen Maßnahmen bei Vergiftungen so früh wie möglich Präparate verabreicht, die aus der Mariendistel gewonnen werden. Diese enthält den Wirkstoff Silymarin, der leberschützend, leberstärkend und entgiftend wirkt. Die Mariendistel blüht im Spätsommer violett leuchtend, wird 1,5 Meter hoch.

 

 

Foto: Privat

 

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