Mi, 18. Juli 2018

Ärztemangel

11.06.2016 16:19

Nur drei Bewerber für 15 Kassenstellen

Am Freitag endete die aktuelle Bewerbungsfrist für Vertragsarztstellen im niedergelassenen Bereich. 15 Kassenstellen in allen Teilen Tirols waren ausgeschrieben, Bewerber gab es aber gerade einmal drei. Längst fehlen am Land nicht mehr nur Hausärzte, auch bei den Fachärzten sind immer mehr Praxen verwaist.

Die gute Nachricht zuerst: In Mayrhofen und Völs könnten schon bald wieder neue Hausärzte mit Kassenvertrag die Patienten betreuen. Für diese beiden offenen Stellen gibt es zumindest Bewerber. Ebenso für eine Facharztstelle für Gynäkologie in Innsbruck. Das war’s dann aber schon mit den positiven Nachrichten.

Jahrelange Suche ohne Erfolg

In vielen Tiroler Gemeinden heißt es weiter warten. Zum Beispiel in Reutte, wo ein Augenarzt fehlt. "Die Stelle schreiben wir mittlerweile seit Jahren aus", bestätigt Günter Atzl, Direktor der Tiroler Ärztekammer, auf "Krone"-Anfrage. Seit zwei Jahren sucht man auch für die Wildschönau zwei Hausärzte. Atzl: "Eine Stelle haben wir schon sieben Mal ausgeschrieben." Prekär ist die Situation auch in Fachgebieten wie Kinderheilkunde. Hier vor allem im Raum Kitzbühel. Ebenso fehlen in fast allen Landesteilen Psychiater. Atzl: "In immer mehr Fachgebieten tun sich Lücken auf."

Wahl- statt Kassenärzte

Ursachen für den wachsenden Ärztemangel am Land gibt es viele: Mit dem neuen Arbeitszeitgesetz brauchen die Krankenhäuser deutlich mehr Personal, das im niedergelassenen Bereich fehlt. Viele Jungmediziner bewerten die Kassenverträge als unattraktiv, sie werden viel lieber Wahlärzte. Außerdem schränken die Spitäler die Ambulanzdienste ein. So wächst der Druck in den Praxen. "Dass die Kassen jetzt auch noch Spitzel losschicken, um Ärzte zu kontrollieren, fördert das Vertrauen auch nicht", ergänzt der Kammer-Direktor.

Um dem Problem Herr zu werden, setzt das Land etwa auf eine eigene Ärzte-Ausbildung. Die Maßnahme wird aber erst in einigen Jahren greifen. Atzl: "In den nächsten zehn Jahren gehen 100 Landärzte in Pension. Wie das zu bewältigen ist, weiß noch niemand."

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