Ein Hauch von Paris

Paris präsentiert “Paris”

Musik
21.08.2006 20:34
Sie ist jung, hübsch und zielstrebig. Nach ihrem Porno, der Biografie, dem Parfüm, einer eigenen Hotel-Kette und der ersten Single präsentiert Paris Hilton jetzt ihr erstes eigenes Album. Der Titel ihres Debüts könnte treffender nicht sein: „Paris Hilton“. Was dem Blondchen nämlich an stimmlichen Qualitäten fehlt, macht sie durch ein großes Ego wieder wett...
kmm

Natürlich ist jedermann schon vor dem ersten Hören der CD bewusst, dass eine Paris Hilton nicht mit dem Stimmvolumen einer Netrebko oder Mariah Carey mithalten kann. Das scheint sie auch gar nicht vor zu haben. Paris Hilton bietet auf „Paris Hilton“ elf Songs lang gut gemachten, nicht gerade komplizierten, dafür aber ins Ohr gehenden und tanzbaren Pop.

Dabei spielt es keine Rolle, dass die Blondine überwiegend ins Mikrofon haucht und anspruchsvollere, stimmlich wirklich kraftvolle Passagen eher selten sind. Moderne Studiotechnik weiß schließlich einiges zu leisten. Dafür sorgt kein geringerer als Scott Storch, einer der derzeit angesagtesten Produzenten. Nach Acts wie Justin Timberlake, 50 Cent, Beyonce oder Christina Aguilera verpasste dieser nun auch Paris eine musikalische Begleitung für ihr Geträller. Darüber hinaus werkelten Dr. Luke (Pink), Billy Steinberg (Madonna, Cyndi Lauper) oder Kara DioGuardi (Britney Spears, Pussycat Dolls) am Hilton-Sound. 

So kommt bereits der Opener „Turn it up“ mit hippen Klatsch-Sounds, den Magen durchwühlenden Subbässen und dem obligatorischen Tanz-Break in der Mitte des Songs daher. Richtig hip-hoppig wird es dann auf „Fightin' over me“, in dem Frau Hilton durch die prominente Unterstützung von Fat Joe und Jadakiss allerdings eher in den Hintergrund gedrängt wird. Während Paris darüber singt, wie sich sämtliche Männer um prügeln, weil sie „so so so sexy“ ist, groovt der Beat mit lässigem Piano-Sample dahin.

Mit „Stars are blind“, der ersten Singleauskopplung, schlägt Paris dann musikalisch eine andere Richtung ein und lässt mit Steel-Drums und der für Reggae typischen Betonung des Offbeats Karibik-Gefühle aufkommen. „I want you“ bringt dagegen mit funkigen Bläsersätzen und einem treibenden Refrain wieder Schwung in die Bude, während „Jealousy“ langsam aber sicher Paris' rockige Seite nach außen kehrt. Die kommt dann aber erst mit „Nothing in this World” und „Screwed” (Zitat: „Since I’m already screwed, here’s a message to you: My heart’s wide open”) so richtig zur Geltung. Zwischendurch gibt es mit „Heartbeat“ noch etwas balladeskes fürs Herz und die Romantiker-Fraktion.

„Not leaving without you“ erinnert hingegen ein wenig sehr an die neueren Songs der Gwen Stefani, die ja - wie Paris auch - Madonna zu ihren Idolen zählt. Im synthie-lastigen Club-Kracher „Turn you on“ erzählt Paris zum wiederholten Male, wie sich alles nach ihr umdreht, um dann mit dem sehr unterhaltsamen Rod-Stewart-Cover „Do ya think I'm sexy“ eine rhetorische Frage in den Raum zu stellen und Disco-Feeling zu versprühen.

Fazit: „Paris Hilton“ klingt wesentlich besser als erwartet, was aber überwiegend auf die Leistung der Produzenten zurückzuführen sein dürfte. Gesanglich ist die Hotel-Erbin eben nur gutes Mittelmaß. Dennoch kann das Erstlingswerk mit einigen Ohrwürmern und Tanzflächen-Knüllern aufwarten. Der gesunde Mix aus Dance, R'n'B, Hip Hop, Pop und Rock wird uns - geschickte Vermarktung sei Dank - noch öfter (zwangs-)beglücken. 

7.5 von 10 gehauchten Punkten.

Sebastian Räuchle

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