Einen ungewöhnlichen Weg hat Richter Christian Liebhauser gewählt, um eine Nazi-Sympathisantin vielleicht doch von ihrer menschenverachtenden Gesinnung abzubringen. Wie berichtet, fasste die schwangere Klagenfurterin zwei Jahre bedingt aus - und ein antifaschistisches Training, das einen KZ-Besuch beinhaltet.
Geschichtsunterricht für Neonazis: Vor zwei Jahren wurde dieses Projekt von der Bewährungshilfe Neustart ins Leben gerufen - mit unterschiedlichem Erfolg. Einige "Unbelehrbare" verweigerten sogar die Teilnahme. Für die Klagenfurterin ist es jedoch ihre einzige Chance, nicht in Haft zu müssen. "Wenn Sie am Programm nicht teilnehmen, können die zwei Jahre bedingt widerrufen werden", warnte auch Richter Christian Liebhauser, dessen Miene ebenso wie die der Geschworenen darauf schließen ließ, dass es die Angeklagte noch ärger hätte treffen können.
Schließlich verkörpert sie laut Urteil all das, warum ein Verbotsgesetz auch heute noch notwendig scheint: Einen Menschen, der das Naziregime samt seinen Gräueltaten unreflektiert verherrlicht. Der keine Rücksicht auf Gefühle, Minderheiten, Anstand nimmt. Der hetzt, den Tod belächelt, die "weiße Herrenrasse" über alles stellt. "Ich bin eben Patriotin", beteuerte die werdende Mutter, die bereits ein Baby hat.
Sie muss nun im Rahmen der Bewährungshilfe ein 30-stündiges antifaschistisches Training absolvieren, mit Unterrichtseinheiten an der Universität und mit einem Besuch eines ehemaligen Konzentrationslagers. "Vielleicht hilft das bei Ihnen", hofft der Richter.
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