Nein, bei der Feierstunde wurde auch der schwierige Beginn der Ära Klügl nicht ausgeklammert. Für manche wahrscheinlich verblüffend: Heute kann man über den eisigen Empfang, der der deutschen Truppe in Linz gemacht wurde, schon wieder herzlich lachen. Die vielen Gäste für die musiklastige Abschiedsrevue waren für Michael Klügl aus Karlsruhe und Wien, aus Zürich und Bayreuth, aus Berlin und Kitzbühel angereist - oder sogar aus der Pension zurückgekommen. Klügl war offenbar der „Vater der Kompanie“: nicht umsonst sangen ihm die Blondinen des Hauses den Song „My Heart Belongs to Daddy“. Aber was sagen Kulturschaffende, die sein Wirken „von außen“ beobachtet haben? Die „OÖ-Krone“ hat sich umgehört.
Die rotesten Rosen streuen Michael Klügl ausgerechnet die Konkurrenten vom Phönix-Theater: „Er ist ein wichtiger Theatermacher und uns ein Freund geworden“, lobt Harald Gebhartl: „Klügl hat aus einem verstaubten Museum ein Theater gemacht, das sich im deutschsprachigen Raum sehen lassen kann. Es tut mir Leid, dass er geht.“
Hartes Urteil
Hart fällt das Urteil von Gerhard Ritschel, Präsident der Freunde des Linzer Musiktheaters, aus: „Die Provokationen zu Beginn der Ära Klügl haben das Publikum in Scharen aus den Abonnements getrieben. Sie haben auch den Ausgang der Musiktheater-Volksbefragung im Jahr 2000 negativ beeinflusst“, ist der ehemalige Musikkritiker überzeugt: „Inzwischen ist wieder Ruhe eingekehrt und die Reihen des Landestheaters haben sich wieder gefüllt. Allzu leicht verfällt man daher der Verklärung ,Ende gut, alles gut´. Gut ist jedoch, dass es ein Ende gibt.“
Vielleicht nüchternes Urteil in ein paar Jahren
Der Schauspieler und Regisseur Daniel Pascal verließ das Linzer Ensemble, als Klügl kam: „Klügl geht - und irgendwann wird jemand den Mut finden, seine Ära ohne vorgeschriebenen Enthusiasmus und ohne Groll zu beurteilen“, meint der Kreative: „Dieses Urteil wird vielleicht nüchterner ausfallen, als manche der Kommentare in den letzten acht Jahren.“
Der Schriftsteller Walter Kohl, dessen Stücke zwar nicht in Linz, aber dafür in Deutschland fleißig gespielt werden, meint dennoch: „Es ist eine neue Ästhetik ins Land gekommen, die es davor so nicht zu sehen gab. Wir bekamen gediegene und sehr professionelle Arbeiten“, lobt er, schränkt aber dann ein: „Das ist mir als Theaterbesucher aber zu wenig. Theater soll mich nicht nur niveauvoll unterhalten, es soll mich auch Dinge neu sehen lassen, soll mich begeistern, staunen lassen, provozieren, ärgern. Das ist mir am Landestheater kaum passiert.“
Positives Resümmee
Überaus positiv fällt die Nachrede des Linzer Designers und Bühnenbildners („Hunt“) Stefan Brandtmayr aus: „Klügls großes Verdienst ist es, dass er den Spagat zwischen Massentauglichkeit und zeitgenössischen Theaterpositionen gut geschafft hat. Er hat das Profil des Hauses mit den Jahren geschärft.“
Der Deutsche Klügl hat bei seinem letzten Theaterstammtisch zugegeben, sich anfangs am österreichischen Humor verschätzt zu haben. Und was erwartet ihn in Hannover? Dort wird bereits geunkt, der Österreicher könnte womöglich zu viel Operette spielen. Der unermüdliche Michael Klügl zuversichtlich: „Jetzt fang´ ma wieder von vorne an!“
Foto: Chris Koller
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