Mi, 22. August 2018

Held oder Mörder?

27.01.2016 10:11

Niederländer nach Kampf gegen IS vor dem Richter

In den Niederlanden muss sich ein 47-jähriger Mann dafür verantworten, in Syrien gegen die Dschihadistenmiliz Islamischer Staat gekämpft und dabei getötet zu haben. Der frühere Elitesoldat Jitse A., der während eines Heimaturlaubs festgenommen worden war, musste am 15. Jänner erstmals vor einem Gericht in Rotterdam erscheinen. Der Vorwurf: Mord.

Die Justiz betonte, das niederländische Recht erlaube - außer in wenigen Ausnahmen wie etwa dem Fall der Selbstverteidigung - nicht die Anwendung von Gewalt. "Die Tötung eines IS-Kämpfers kann daher bedeuten, wegen Mordes verfolgt zu werden", erklärte der für den Fall zuständige Staatsanwalt. Rechtlich gesehen habe Jitse A. während seiner Zeit in Syrien gemordet. Der 47-jährige Ex-Elitesoldat wurde zwar vorläufig auf freien Fuß gesetzt, musste aber seinen Reisepass abgeben.

"Habe wahrscheinlich Dutzende Leben gerettet"
Berichten niederländischer Medien zufolge schloss sich der Mann Anfang 2015 den Kurdischen Volksverteidigungseinheiten (YPG) an. Diese Miliz spielt in Nordsyrien eine Schlüsselrolle im Kampf gegen die Dschihadisten, steht jedoch selbst wegen Vertreibungen in der Kritik. Jitse A. gab demnach an, seine militärischen Fähigkeiten benutzt zu haben, um den Kurden zu helfen. Durch das Töten eines IS-Kämpfers habe er "wahrscheinlich Dutzende Leben gerettet", sagte er in einem Interview.

Die Justiz betonte, es gebe einen erheblichen Unterschied zwischen dem Einsatz des niederländischen Militärs im Rahmen der internationalen Koalition gegen den IS und dem eigenmächtigen Einsatz als Kämpfer. Zum Verhängnis könnte Jitse A. werden, dass er angeblich auf Facebook berichtet hat, in Syrien Dschihadisten getötet zu haben.

Sturm der Entrüstung in den Niederlanden
In seiner Heimat sorgte die Verhaftung von Jitse A. am 13. Jänner für einen Sturm der Entrüstung. Viele sehen in dem 47-Jährigen eher einen Helden, der einen Orden verdiene, als einen Mörder. Auf Facebook formieren sich bereits Unterstützer und fordern "Justice for Jitse", denn Terror zu bekämpfen sei kein Verbrechen. A. habe im Kampf gegen den "Feind der Menschheit NUmmer eins" geholfen, gegen den wir im Krieg stünden, lautet ihr Tenor mit Bezug auf ein Zitat des niederländischen Premierministers Mark Rutte.

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