Di, 21. Mai 2019
19.01.2016 21:09

Überfall aus Geldnot

Missglückter Coup führt zu abgetauchter RAF-Bande

Nach Jahrzehnten im Untergrund haben drei gesuchte Terroristen der Roten Armee Fraktion (RAF) frische Spuren hinterlassen: Sie überfielen im vergangenen Juni schwer bewaffnet einen Geldtransporter bei Bremen. Nach dem missglückten, wohl aus Geldnot begangenen Coup wurden die genetischen Fingerabdrücke von Daniela Klette, Ernst-Volker Staub und Burkhard Garweg gefunden, wie am Dienstag aus Sicherheitskreisen in Berlin verlautete.

Die drei sollen einem NDR-Bericht zufolge unter anderem 1993 an dem spektakulären Sprengstoffanschlag auf die Justizvollzugsanstalt im hessischen Weiterstadt beteiligt gewesen sein. Auch damals seien ihre DNA-Spuren gefunden worden.

Bewaffneter Überfall scheitert: Trio flüchtet ohne Beute
Bei dem Überfall auf den Geldtransporter auf einem Supermarktparkplatz im niedersächsischen Groß Mackenstedt bei Bremen hatten drei Maskierte den gepanzerten Wagen am helllichten Tag mit einem VW-Bus blockiert und mit einem Schnellfeuergewehr auf den Transporter geschossen. Fahrer und Beifahrer blieben unverletzt, die Täter, die es nicht schafften, ins Auto zu gelangen, flüchteten ohne Beute. Nach dem Überfall wurden die DNA-Spuren entdeckt, die nun den drei Untergetauchten zugeordnet wurden.

Laut Staatsanwaltschaft sollen die drei im Dezember in Wolfsburg einen weiteren Geldtransporter überfallen haben. Gegen das Trio wurden Haftbefehle wegen des Verdachts des versuchten Mordes und des versuchten schweren Raubes erlassen.

Kein Terror, sondern "Finanzierung des Lebens im Untergrund"
Bereits seit Anfang der 90er-Jahre ermittelt die deutsche Bundesanwaltschaft gegen Staub, Garweg und Klette wegen Mitgliedschaft in der RAF. Hinweise auf einen terroristischen Hintergrund bei dem Überfall im Juni des Vorjahres gebe es aber nicht, so die Staatsanwaltschaft. Es sei davon auszugehen, dass die Tat "allein der Finanzierung des Lebens im Untergrund dienen sollte".

Mehr als zwei Jahrzehnte lang war die RAF der Inbegriff von Terror und Mord in Deutschland. 1998 erklärte sie sich für aufgelöst. Ihrem "bewaffneten Kampf" gegen das "imperialistische System" fielen Dutzende Menschen zum Opfer, darunter hohe Repräsentanten aus Wirtschaft und Politik. Einige Mitglieder sind bis heute untergetaucht und stehen auf der Fahndungsliste des Bundeskriminalamts. Der heute 61-jährige Staub, der 47-jährige Garweg und die 57-jährige Klette sollen der dritten RAF-Generation angehören.

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