Mi, 15. August 2018

krone.at-Test

08.11.2015 09:00

Tiefgründiges Rätsel-Game: "The Talos Principle"

Wer den Namen Croteam hört, denkt unweigerlich an ihn: "Serious Sam", den ballernden Haudrauf, der im gleichnamigen Shooter Horden heranstürmender Gegner mit Blei vollpumpt und nie um einen coolen Spruch verlegen ist. Doch das kroatische Entwicklerstudio kann auch anders. Das zeigt das philosophische Rätsel-Abenteuer "The Talos Principle", das gut ein Jahr nach seinem PC-Start nun auch auf der PS4 verfügbar ist. krone.at hat die Konsolenversion getestet.

Auch, wenn es vom gleichen Entwickler stammt: Mit "Serious Sam" hat "The Talos Principle" so gut wie gar nichts am Hut. Gut, beide Games werden aus der Ego-Perspektive gespielt, und in beiden Titeln zeigt sich eine gewisse Vorliebe der Entwickler für antike Architektur. Das war's dann aber auch schon. Während "Serious Sam" mit allerlei Schießprügeln gegen seine Gegner vorgeht, ist die mächtigste Waffe des Spielers in "The Talos Principle" sein Verstand.

Roboter stellt sich "göttlichen" Prüfungen
Aber der Reihe nach: In "The Talos Principle" irrt der Spieler in Gestalt eines fühlenden Roboters durch eine Welt ohne Menschen. Antike Ruinen und verlassene Stätten reihen sich an Kraftfelder, Selbstschussanlagen, patrouillierende Gegner und Computer-Terminals an alte Gemäuer. Begleitet wird man von der mysteriösen Stimme eines körperlosen Wesens namens Elohim, das religiöse Menschen wohl als die Stimme Gottes deuten würden. Auch, weil es bei Erfolgen mit spirituellen Floskeln wie "Wohl getan, mein Kind" um sich wirft und den Spieler immer wieder mit Prüfungen, also Rätseln, konfrontiert und Verhaltensregeln festlegt.

Wie so oft im Leben, ist freilich auch in "The Talos Principle" nicht alles so, wie es scheint. So viel sei verraten: Es geht um weit mehr als bloß das Absolvieren göttlicher Prüfungen. Das Game erzählt eine Geschichte über das Leben selbst und fordert den Spieler heraus, sich Gedanken darüber zu machen, wodurch sich ein Leben auszeichnet.

In der Spielwelt verteilte Hinweise und Computer-Terminals lüften nach und nach den Schleier, der über den wahren Hintergründen der "göttlichen" Prüfungen liegt und werfen tiefschürfende Fragen auf - wenn man sich darauf einlässt. Für Fans einfacher Kost ist "The Talos Principle" nichts, wer nach einer vielschichtigen Handlung und geistiger Herausforderung sucht, ist hier aber goldrichtig. Freilich: Sich die Handlung mit Fundstücken und Infofragmenten selbst zusammen zu zimmern, ist nicht jedermanns Sache und erfordert eine gewisse Neugier.

Fesselnde und teils sehr knackige Rätsel
Im Test schaffte es das Game, diese Neugier auch nach den ersten Spielstunden aufrecht zu erhalten. Kein Wunder, da die Rätsel im Game ziemlich cool gelöst wurden. Im Kern handelt es sich immer um mit Fallen, Gegnern, Schaltern und Werkzeugen gespickte Labyrinthe, an deren Ende ein Puzzlestein auf den Spieler wartet. Wie der Spieler an den Puzzlestein gelangt, bleibt ihm überlassen, meist gibt es jedoch einen ganz bestimmten Lösungsweg, der Erfolg verspricht, aber erst entdeckt werden muss. Sammelt der Spieler genug Puzzlesteine, kann er verschlossene Türen öffnen und tiefer in die Welt von "The Talos Principle" eintauchen, wo neue Erkenntnisse und natürlich neue Rätsel auf ihn warten und die philosophische Geschichte über Sein oder Nichtsein sich immer weiter verdichtet.

Der Schwierigkeitsgrad der Rätsel ist dabei - gerade im späteren Spielverlauf und im beigelegten Add-on "Road to Gehenna" - durchaus knackig. Spaziert man zu Beginn noch durch die Levels und macht sich mit den grundlegenden Spielmechaniken vertraut, steigt die Lernkurve später schnell an - und der Schwierigkeitsgrad mit ihr. Im späteren Spielverlauf gilt es, in den weit über hundert Levels verteilte Hightech-Ausrüstung und ein im Spielverlauf wachsendes Sammelsurium an Fähigkeiten - später kann man sogar einen Doppelgänger von sich erstellen - klug einzusetzen, um sich an Barrieren, Fallen, Lichtschranken, Selbstschussanlagen und Gegnern vorbei zum Puzzlestein am Ende des Levels durchzuarbeiten.

Hübsche Optik, gelungene Vertonung
Sehr gut hat uns im Test die Grafik von "The Talos Principle" gefallen. Die Ruinen, die der Spieler auf seiner Reise durchwandert, sind detailreich gestaltet und scharf texturiert. Die Lichtstimmung wurde ebenfalls gut getroffen, Vegetation sieht realistisch aus. Kein Wunder, schließlich haben die Designer mit der "Serious Sam"-Reihe bereits viel Erfahrung mit antiker Architektur und hübschen Außenlevels gesammelt. Kleines Manko: Auch, wenn sich die einzelnen Rätsel-Levels und Gebiete durchaus voneinander unterscheiden, hätten wir uns hie und da mehr Abwechslung gewünscht. Zudem wirkt die Spielwelt bisweilen recht statisch.

Das ist aber Kritik auf hohem Niveau, zumal "The Talos Principle" auch akustisch ein ziemlich überzeugendes Game geworden ist. Der Soundtrack fügt sich mit sanften, teilweise fast meditativen Klängen ausgezeichnet ins Rätsel-Gameplay und die idyllischen Landschaften ein, die der Spieler durchwandert. Und auch die Soundeffekte und Sprechrollen - allen voran die eindringliche Stimme Elohims - wurden gut getroffen beziehungsweise besetzt.

Fazit: Mit "The Talos Principle" hat Croteam nicht nur ein ungewöhnliches, sondern auch ein sehr gutes Rätsel-Game abgeliefert. Die Aufgaben selbst sind fordernd, ohne den Spieler vor unlösbare Probleme zu stellen. Das Setting und die Story sind besonders positiv hervorzuheben und regen zum Nachdenken an. Und auch Grafik und Sound spielen auf hohem Niveau, wenngleich sich manch ein Spieler etwas mehr Abwechslung wünschen könnte. Alles in allem gilt: Nicht nur Fans von Kost wie "Portal 2" kommen bei "The Talos Principle" auf ihre Kosten, sondern im Grunde jeder, der gern rätselt und keine Scheu vor etwas Philosophie hat.

Plattform: PC, PS4 (getestet)
Publisher: Devolver Digital / Bandai Namco
krone.at-Wertung: 9/10

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