Auf der Bühne, dazu passend, ein gefährlich eskalierender Liebeskummer zwischen den Sprösslingen verfeindeter schottischer Adelsgeschlechter: Lucia und Edgardo dürfen sich nicht kriegen, Lucia wird zwangsverheiratet, ersticht ihren aufgezwungenen Gatten und verfällt dem Wahnsinn. Die Regie (Olivier Tambosi) versteht es, die tragische Fabel mit herrlichen und unmissverständlichen Kunstgriffen unterhaltsam zu erzählen. Bengt Gomérs Bühne und Inge Mederts in hintergründiger Brautschleier-Gestaltung gipfelnde Kostümkunst optimieren den visuellen Bühneneindruck.
Bei den Vokalisten möchte man nach der „Wahnsinns-Arie“ der Lucia, dargeboten von Christiane Boesiger, hemmungslos ins Schwärmen geraten: die schlanke Anmut dieses Soprans, die junge Beweglichkeit dieser Koloraturgurgel, der resonanzreiche satte Klang in extremen Höhenlagen, dazu die quasi esoterische Komödiantik auf ihrer Sing-Wanderung durch den Zuschauerraum und im Duo mit der Glasharmonika-Spielerin (Christa Schönfeldinger) - alles ein seltener Glücksfall für die Fans gehobener Belcantokunst.
Große und ausladende Stimmen auch bei Andrew Golder (Enrico), Pedro Vel zquez Diaz (Edgardo) und Stefan Kocán (Raimondo). Stimmmächtig und fast immer präzise Chor und Extrachor des Landestheaters (Einstudierung: Georg Leopold). Großer Premierenbeifall!
Nächste Vorstellungen: 4., 7., 10., 14. Juni
Foto: Landestheater
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