"Heroes 7" entführt den Spieler in eine äußerst komplexe Fantasy-Welt, in der sechs verschiedene Fraktionen um die Vorherrschaft buhlen. Da gibt es die religiösen Priester und Templer der Zuflucht, die mächtigen Zauberer der Akademie, düstere Totenbeschwörer der Nekropolis, grünhäutige Orks (Bastion) sowie Wald- und Dunkelelfen.
Jede dieser Fraktionen hat ihre eigene Geschichte und Kampagne, zusätzlich hat jede Fraktion ihre eigenen Einheiten, Helden, Stärken und Schwächen. Templer beispielsweise sind durch hohe Moral in der Schlacht besonders effektiv, Nekromanten holen die Kadaver besiegter Gegner auf ihre Seite und Waldelfen werden von Fabelwesen der Wälder unterstützt.
Die unterschiedlichen Fraktionen haben einen großen Vorteil: Jede der sechs Kampagnen von "Heroes 7" spielt sich anders, die Balance zwischen den Völkern stimmt aber. Und weil sie alle in eine große Rahmenhandlung rund um ein nach dem Tod seiner Kaiserin vom Bürgerkrieg zerrissenes Reich eingebettet sind, stehen sie vor einem gemeinsamen Hintergrund.
Einsteiger könnten Probleme bekommen
Für Abwechslung auf den Abenteuerkarten von "Heroes 7" ist also gesorgt - in der Praxis könnte das weitläufige Fantasy-Universum, das Ubisoft den Spielern auftischt, gerade "Might & Magic"-Einsteiger aber ein bisserl erschlagen.
Da ist es doppelt schade, dass man auf ein Tutorial verzichtet und es im laufenden Spiel nicht immer schafft, weniger "Might & Magic"-affine Spieler in die Welt einzuführen. Für sie ist "Heroes 7" ein Sprung ins kalte Wasser. Immerhin: Vier Schwierigkeitsgrade verhindern für Einsteiger allzu frustrierende Momente.
Komplex ist "Heroes 7" nicht nur wegen der vielen unterschiedlichen Fraktionen und Einheitentypen, sondern auch wegen der vielen Dinge, die es im Spiel zu tun gibt. Mit ihren Helden und Soldaten erkunden die Spieler aus der isometrischen Perspektive weitläufige und hübsch gemachte Karten voller Gegner, versteckter Items und Nebenmissionen, während sie die Hauptkampagne vorantreiben.
Es gibt reichlich zu tun
Dabei gilt es, Helden hoch zu leveln, Fähigkeiten zu erproben, Rohstoffe zu sammeln, Soldaten anzuheuern, Städte einzunehmen und auszubauen. Und natürlich muss man in unzähligen spannenden rundenbasierten Kämpfen bestehen, die richtige Fähigkeit - und derer gibt es viele Dutzend - zur richtigen Zeit nutzen.
Erfreulich: Obwohl von einer spannenden Handlung getrieben, bleibt dem Spieler genug Zeit, um sich auch mit auf den Karten verteilten Nebenmissionen und Geheimnissen zu befassen. Immer wieder stolpert man über nützliche Dinge, welche die eigene Fraktion stärken, wenn man sie ihren Bewachern entreißt.
Im Kern ein Klassiker
In den Kämpfen gibt es wenig Neues, im Kern laufen sie wie von älteren Serienablegern gewohnt ab: Die Kontrahenten versuchen auf in viele Einzelfelder unterteilten Arenen Spielzug um Spielzug, die Gegner zu dezimieren und die Stärken der eigenen Einheiten sinnvoll auszuspielen.
Zumindest, wenn man die Kämpfe nicht automatisch austragen lässt - eine Option, die Zeit spart, aber gerade bei anspruchsvolleren Kämpfen selten so erfolgreich ist, wie wenn der Spieler selbst die Befehle gibt.
Hübsche Welten - hie und da zu hübsch
Die Welten, die der Spieler bereist, werden zwar von oben betrachtet, strotzen aber vor Details. Bunte Landstriche, die von Bächen und Straßen durchzogen und von Gegnern, Dörfern und allen möglichen anderen Dingen bevölkert werden, zwischendrin magische Artefakte, die in der Schlacht den entscheidenden Unterschied ausmachen können - die Spielwelt von "Might & Magic: Heroes 7" ist alles andere als fad.
Dass die Entwickler dabei bisweilen ein wenig über das Ziel hinausgeschossen sind und manche Dinge - etwa Ressourcen - ob der vielen Details erst auf den zweiten Blick auffallen, nervt zwar hie und da ein wenig, grundsätzlich halten wir die Spielwelt aber für recht gelungen.
Handgemalte Kunst, abwechslungsarme Schlachtfelder
Zumal nicht nur die Abenteuerkarten an sich, sondern auch andere Elemente richtig hübsch geworden sind. Das fängt bei den handgemalten Stadtbildschirmen an und gilt ebenso für die - zugegebenermaßen teilweise nicht sehr einfallsreichen - Charaktere und sogar die Ladebildschirme.
Ein Kritikpunkt: Während Übersichtskarten und Menüs sehr hübsch gelöst wurden, mangelte es uns im Test auf den einzelnen Schlachtfeldern hie und da an Abwechslung. Allzu oft kämpfen die Fantasy-Helden von "Might & Magic: Heroes 7" auf rechteckigem offenem Feld ohne dynamische Elemente. Es gibt zwar Lichtblicke - etwa Belagerungen. Trotzdem hat man in Konkurrenten wie "Blackguards" schon abwechslungsreicheres Gameplay gesehen.
Guter Soundtrack, unterhaltsamer Mehrspieler, Bugs
Dafür erfreut "Heroes 7" mit anderen Dingen. Der Soundtrack zum Beispiel ist sehr gelungen, untermalt die Schlachten des Spiels pathetisch und auch die Dialoge sind gut eingesprochen. Ein wenig mehr Abwechslung bei den Soundeffekten hätte aber nicht geschadet. Nichts zu bemängeln gibt es an der Steuerung: Sie erfolgt präzise mit der Maus.
Noch ein Wort zum Mehrspielermodus: "Heroes 7" ermöglicht Spielern, online, im lokalen Netzwerk, oder am gleichen PC gegeneinander anzutreten. Dabei können bis zu acht Recken teilnehmen - wenn sie sich Aufbau und Management sparen wollen, auch gleich im Duell-Modus.
Negativ: Im Test erlebten wir gelegentliche Bugs, hie und da - auch bei Mehrspieler-Partien - stürzte das Game ab. Ubisoft hat zwar bereits einen Patch veröffentlicht, die Probleme bestanden aber weiter. Es bleibt zu hoffen, dass der Publisher hier noch nachbessert. Auch der Zwang zum Ubisoft-Onlinedienst Uplay fällt negativ auf.
Fazit: "Might & Magic: Heroes 7" ist eine umfangreiche und komplexe Fantasy-Spielwiese, mit der Serienveteranen ihre Freude haben werden. Etwas mehr Abwechslung bei den Schlachtfeldern und etwas mehr Übersicht hätten zwar nicht geschadet und ein Tutorial wäre eine gute Idee gewesen, im Kern unterhält "Heroes 7" mit seinen durchaus spannenden Aufgaben aber ziemlich gut - und auch recht lang. Die gelegentlichen Stabilitätsprobleme sollte Ubisoft aber noch in den Griff bekommen.
Plattform: PC
Publisher: Ubisoft
krone.at-Wertung: 7/10
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