Halb tot geprügelt

Rassistische Attacke schockiert Deutschland

Ausland
17.04.2006 17:28
Wegen seiner Hautfarbe wurde ein 37-jähriger Afrikaner mit deutscher Staatsbürgerschaft in Potsdam von zwei unbekannten Tätern angegriffen, verprügelt und dabei lebensgefährlich verletzt. Die Tat am frühen Sonntagmorgen hat laut Polizei definitiv einen fremdenfeindlichen Hintergrund. Der gebürtige Äthiopier liegt mit einem schweren Schädel-Hirn-Trauma in einer Klinik und schwebt in Lebensgefahr. Die ermittelnde Staatsanwaltschaft setzte 5.000 Euro Belohnung für Hinweise auf die Täter aus. Unter ihnen könnte auch eine Frau sein.

Potsdams Oberbürgermeister Jann Jakobs sprach von einer „neuen Qualität“ im Vorgehen der rechtsextremen Szene, die im höchsten Maße beunruhigend sei. „Wir müssen alles daran setzen, dass die Tat gesühnt wird“, sagte er. 

Der deutsche Innenminister Jörg Schönbohm verurteilte den Mordversuch scharf. „Wir dulden in diesem Lande nicht, dass Menschen wegen ihrer Hautfarbe, ihrer Religion oder politischen Haltung von Extremisten verfolgt, zusammengeschlagen oder gar ermordet werden.“

Opfer brach nach Party nocheinmal auf
Der überfallene Mann ist nach Angaben der Staatsanwaltschaft Ingenieur für Wasserbau, mit einer Potsdamerin verheiratet und hat zwei Kinder. Er ist in der Nacht zum Sonntag mit seiner Frau von einer Feier nach Hause gekommen und anschließend noch einmal zu einem Bekannten aufgebrochen.

Teile des Angriffs wurden per Handy mitgeschnitten
Kurz vor dem Angriff hat er seine Frau noch per Handy angerufen. Das Telefon blieb in Aufnahmebereitschaft und so wurde ein Teil des „Gesprächs“ mit den Angreifern aufgezeichnet. Sie beschimpften ihr Opfer als „dreckigen Nigger“. Einziger Zeuge ist bisher ein Taxifahrer, der dem Überfallenen zu Hilfe kam. Daraufhin ergriffen die Täter die Flucht. Auch die schnell herbeigerufene Polizei konnte sie nicht fassen.

Versuchter Mord
Seit Sonntag arbeite eine zwölfköpfige Sonderkommission an dem Fall, dem deutschlandweit hohe Bedeutung beigemessen wird. Die Staatsanwaltschaft ermittelt wegen versuchten Mordes aus niedrigen Beweggründen und schweren Raubes. Dem Opfer fehlen nach Angaben der Kriminalpolizei mindestens 200 Euro und ein Schlüsselbund. Der zuständige Staatsanwalt wertete die Attacke als „besonders krassen, extremen Einzelfall“.

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