Geht das zu weit?

Blutiges Sadomaso-Theaterstück schockt Berlin

Ausland
29.05.2015 06:09
Die Volksbühne Berlin hatte gewarnt: "Die Vorstellung ist für Zuschauer unter 18 Jahren nicht geeignet", ließ das Theater vor der Uraufführung von Johann Kresniks Tanztheaterstück "Die 120 Tage von Sodom" verbreiten. Am Mittwochabend war Premiere der Sex- und Blutorgie frei nach den Fantasien des Sadomaso-Erfinders Marquis de Sade und Pier Paolo Pasolinis Film "Die 120 Tage von Sodom".

Er gilt als Provokateur und Regie-Berserker. Jetzt hat der 75-jährige Kärntner Regisseur Johann Kresnik wieder ein skandalträchtiges Werk auf die Bühne gebracht: "Die 120 Tage von Sodom", eine Geschichte um Sex, Gewalt und Terrorherrschaft: Ein Politiker, ein Militär, ein Bischof, ein Richter und ein Banker halten sich zur Befriedigung ihrer abartigen Gelüste eine große Anzahl Sklaven. Kresnik kennt bei der Inszenierung seines neuen Tanztheaterstücks kein Tabu: Nackte Leiber und Kunstblut in rauen Mengen, Plastikpenisse in Aktion und brutale Folterszenen.

Zahlreiche schaurige Szenen
Besonders schaurig: Ein Ballett von bandagierten, blutigen Mädchen. Geschundene Männer- und Frauenleiber winden sich in einem Menschenknäuel in einem gläsernen Kasten. Meist wird mehr gefoltert und deklamiert als getanzt. Die selbst ernannten Herrscher schrecken vor nichts zurück: So wird etwa eine blonde Frau unter ihrer schwarzen Burka hervorgezerrt und geschändet. Einer Schwangeren wiederum wird bei lebendigem Leib ihr (Puppen)Kind aus dem Leib geschnitten, das anschließend zerstückelt, gegrillt und gegessen wird.

Helnwein entwarf Bühnenbild
Mit 30 Tänzern und Schauspielern hat Kresnik sein Stück in Szene gesetzt. Das Bühnenbild steuerte der Künstler Gottfried Helnwein bei, der mit seinen Bildern von misshandelten Kindern provozierte und auch schon Schock-Rocker Marilyn Manson porträtierte. Das Publikum in der Berliner Volksbühne harrte trotz teils schwer zu ertragender Szenen zum großen Teil bis zum Ende aus - und applaudierte dem Regisseur und seinem Ensemble.

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