Mindestens 17 Tote
IS enthauptet zahlreiche Menschen in Palmyra
Die sunnitische IS-Miliz hatte Palmyra am Mittwoch erobert. Zuvor tötete sie der Beobachtungsstelle zufolge bei ihrem Vorrücken insgesamt 49 Menschen in der Umgebung der historischen Stadt.
Bis zu 50.000 Menschen leben normalerweise in Palmyra - der Bürgerkrieg zwischen verschiedenen Aufständischen, Islamisten und den Truppen von Machthaber Bashar al-Assad aber hat zusätzlich Zehntausende Flüchtlinge in die Stadt gespült. Schon früher hatte die Terrormiliz nach Eroberungen Zivilisten getötet, weil diese angeblich mit dem Regime kooperiert hätten.
Humanitäre Lage schwierig
Die humanitäre Lage in Palmyra sei schwierig, sagte der Leiter der Menschenrechtler, Rami Abdel Rahman, der Deutschen Presse-Agentur. Das Regime habe mehrere Luftangriffe gegen IS-Stellungen geflogen. Aktivisten des Medienzentrums Palmyra berichteten, die Terrormiliz habe eine Ausgangssperre verhängt und durchkämme die Häuser auf der Suche nach Regierungsanhängern.
Laut den Menschenrechtsbeobachtern gibt es in Palmyra seit vier Tagen keinen Strom und auch weder Wasser noch medizinische Versorgung. Unklar ist, wie viele Menschen sich noch in Palmyra aufhalten. Den Aktivisten zufolge sind noch mehrere Zehntausend Menschen in der Stadt. Die Angaben der Aktivisten zur Lage in der Stadt lassen sich nicht unabhängig überprüfen.
Antiken Ruinen droht Zerstörung
Die am südwestlichen Stadtrand von Palmyra gelegenen Ruinen werden von der UNESCO 2013 als bedrohte Weltkulturstätte eingestuft. Nach Angaben der syrischen Antikenbehörde wurden vor der Einnahme von Palmyra durch die IS-Kämpfer Hunderte Statuen fortgeschafft. Eine Zerstörung der archäologischen Stätten wäre nach Einschätzung von UNESCO-Chefin Irina Bokowa ein "enormer Verlust für die Menschheit".
Im Nordirak hatten IS-Anhänger im Frühjahr bereits einmalige Kulturstätten zerstört, darunter die Ruinen der Jahrtausende alten Stadt Nimrud und die Grabungsstätte Ninive. Die altorientalischen Überreste stellen nach der radikalen Islam-Interpretation der Dschihadisten Kultstätten "Ungläubiger" dar. Nach dieser Lesart sind auch Bilder und figürliche Darstellungen von Menschen verboten.
Bokowa forderte erneut ein Ende der Auseinandersetzungen und rief den Sicherheitsrat der Vereinten Nationen auf, sich des Themas Palmyra anzunehmen. "Wir brauchen die totale Mobilisierung der internationalen Gemeinschaft", forderte sie. Aktivisten aus der Stadt erklärten, bisher habe es keine Zerstörungen gegeben.
"Internationale Forschungsstätte erster Klasse"
Fachleute erwarten dennoch Schlimmes. Palmyra sei ein "Gesamtkunstwerk, in dem sich Orient und Okzident begegnen", und eine internationale "Forschungsstätte erster Klasse", sagte der Heidelberger Archäologieprofessor Peter A. Miglus. Sein Kollege Stefan R. Hauser von der Universität Konstanz befürchtet, dass IS-Anhänger die zahlreichen Gräber in Palmyra plündern und die Büsten verkaufen. Der Fall der Stadt an den IS sei nicht nur für die Bevölkerung "eine Katastrophe, sondern auch für alle, für die Kultur eine Bedeutung hat".
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