Fr, 20. Juli 2018

Taylor-Prozess

03.04.2006 19:26

Ex-Diktator Taylor plädiert auf "nicht schuldig"

Der liberianische Ex-Präsident Charles Taylor hat sich vor dem Kriegsverbrecher-Tribunal in Sierra Leone für unschuldig erklärt. Taylor war am Montag zum ersten Mal vor dem Sondergericht in Freetown erschienen, wo ihm die 21-seitige Anklageschrift verlesen wurde. Die Anklage wirft dem 58-Jährigen Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit in elf Fällen vor, unter anderem Mord, Vergewaltigung und Verstümmelung. Taylor zog zunächst die Zuständigkeit des Gerichts in Zweifel. "Ich habe die Taten gegen die Schwesterrepublik Sierra Leone definitiv nicht begangen", sagte er anschließend.

Nach der knapp einstündigen Anhörung wurde Taylor in seine Zelle zurückgebracht. Das Gerichtsgebäude war von UN-Soldaten bewacht worden. Das eigentliche Gerichtsverfahren, das sich mit Taylors Rolle im Bürgerkrieg von Sierra Leone, nicht aber im Bürgerkrieg von Liberia befasst, soll aus Sicherheitsgründen später in den Niederlanden stattfinden.

Handel mit Blutdiamenten
Taylor wird wegen seiner Unterstützung der Rebellenbewegung RUF in Sierra Leone angeklagt, die dafür bekannt war, ihren Opfern Arme und Beine abzuschlagen. Er soll sich massiv am illegalen Handel mit so genannten Blutdiamanten bereichert haben.

Sondergericht vermutlich in Den Haag
Das Sondergericht für Sierra Leone, das von den Vereinten Nationen unterstützt ist, wird voraussichtlich in den Räumen des Internationalen Strafgerichtshofs in Den Haag tagen. Der Sprecher von Kofi Annan sagte, man warte in dieser Sache noch auf eine Antwort des Strafgerichtshofs sowie der niederländischen Behörden.

Opfer wollen beim Prozess dabei sein
Nicht alle Kriegsopfer in Sierra Leone sind damit zufrieden, dass Taylor im Ausland der Prozess gemacht werden soll. "Es wäre besser, wenn er hier verurteilt würde", sagt der 38 Jahre alte Sakr Tarallie, dem das rechte Bein fehlt. "Es ist das Recht aller Bürger von Sierra Leone, beim Prozess dabei zu sein."

Flucht war zwecklos…
Taylor war 2003 von der westafrikanischen Staatengemeinschaft EOCWAS ins Exil nach Nigeria gedrängt worden, um den 14 Jahre dauernden Bürgerkrieg in seiner Heimat zu beenden. Nigeria stellte ihm und seinem etwa 70-köpfigen Anhang eine Villa im Küstenort Calabar zur Verfügung. Der nigerianische Präsident Olusegun Obsanajo wollte ihn trotz der Anklage des Sondergerichts erst der Justiz übergeben, als in Liberia eine neue Regierung im Amt war. Kurz vor seiner Auslieferung gelang Taylor für wenige Tage die Flucht.

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