Di, 21. August 2018

Führungskrise bei VW

13.04.2015 09:31

Wer gewinnt den Machtkampf Piech vs. Porsche?

Bei Europas größtem Autobauer Volkswagen zeichnet sich ein erbitterter Machtkampf in der Führungsspitze ab. Aufsichtsratschef Ferdinand Piech rückte von Vorstandschef Martin Winterkorn ab, VW-Aufsichtsrat Wolfgang Porsche distanzierte sich daraufhin von seinem Cousin Piech. Branchenexperte Ferdinand Dudenhöffer glaubt, dass Piechs Trumpf stechen wird.

Damit droht nun auch noch ein Konflikt zwischen den Familien Porsche und Piech. Sie halten die Mehrheit an VW. Zuvor hatten der VW-Betriebsrat und das Land Niedersachsen Winterkorn den Rücken gestärkt. Der Ausgang der Führungskrise ist völlig offen. Piech hatte dem Nachrichtenmagazin "Spiegel" überraschend gesagt: "Ich bin auf Distanz zu Winterkorn." Dies kam einer Demontage seines langjährigen Wegbegleiters Winterkorns (67) gleich.

"Die Aussage von Herrn Dr. Piech stellt seine Privatmeinung dar, welche mit der Familie inhaltlich und sachlich nicht abgestimmt ist", ließ Wolfgang Porsche als Vertreter der Porsche-Familie am Sonntag in Stuttgart mitteilen. Er ist der Sprecher des Porsche-Familienstamms.

Dudenhöffer: "Piëch gewinnt diesen Machtkampf"
Der Branchenexperte Ferdinand Dudenhöffer sieht die Tage von Martin Winterkorn als VW-Vorstandschef gezählt. "Seit Samstag dürfte VW-Chef Winterkorn jedenfalls kaum noch Freunde im VW-Vorstand haben. (...) Die Luft um Winterkorn wird dünn", sagte Dudenhöffer der "Passauer Neuen Presse". "Herr Winterkorn konnte die VW-Probleme nicht lösen. Piëch traut Winterkorn nicht zu, den VW-Konzern in die Zukunft zu führen", sagte der Professor an der Universität Duisburg-Essen und Leiter von CAR-Center Automotive Research.

Dudenhöffer erwartet im Konzern einen erbitterten Machtkampf, nachdem nun auch die Porsche-Familie auf Distanz zu Piëch gegangen ist. "Piëch wird auch diesen Machtkampf gewinnen. Wer sich hinter Winterkorn stellt, wird am Ende verlieren. Die Porsche-Familie hat sich schon in der Vergangenheit nicht durchsetzen können", sagte Dudenhöffer. "VW-Pkw ist der schwächste im Verbund der Großen. Jetzt will Piëch offenbar handeln."

"Piech will ihn killen"
Bisher gab es aus dem VW-Aufsichtsrat keine öffentliche Unterstützung von Piechs Position. Piech hatte außerdem gesagt: "Ich strebe an, dass an die Spitze des Aufsichtsrats und des Vorstands die Richtigen kommen." Die Kandidaten dafür seien bereits im Unternehmen. Einzelheiten nannte Piech aber nicht. Seine Motive für die Äußerungen sind unklar.

Winterkorn ist seit 2007 VW-Vorstandsvorsitzender. Sein Vertrag läuft Ende nächsten Jahres aus. Konzerninsider hatten zuletzt übereinstimmend berichtet, dass Winterkorn Piech im Kontrollgremium ablösen dürfte. Nur der Zeitpunkt schien unklar. So ließ es auch Winterkorn zuletzt offen, ob für ihn eine Vertragsverlängerung infragekomme.

Winterkorn selbst denke nicht daran, "den Bettel hinzuwerfen und sich von Piech vom Hof jagen zu lassen", wie die "Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung" aus dem Unternehmen erfuhr. Die "Bild am Sonntag" zitierte einen "Vertrauten" Winterkorns mit den Worten: "Piech will ihn killen, aber Winterkorn kämpft."

Intakt ist nur die Fassade
Bei der Eröffnung der Hannover Messe am Sonntagabend ließ sich Winterkorn nichts anmerken. Lächelnd schritt er Seite an Seite mit Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil über den roten Teppich. Für Fotos stand er bereit, für Fragen nicht.

Weil hatte sich bereits am Freitag hinter Winterkorn gestellt, ebenso wie VW-Betriebsratschef Bernd Osterloh. Beide sitzen im VW-Aufsichtsrat. Weil sagte: "Ich halte eine öffentliche Diskussion über die Spitzen von VW für schädlich." Für eine Abberufung Winterkorns durch den Aufsichtsrat müsste sich dieser laut Aktiengesetz eine "grobe Pflichtverletzung" zuschulden kommen lassen oder "unfähig zur ordnungsmäßigen Geschäftsführung" sein. Das Mitbestimmungsgesetz regelt zudem, dass für sein Aus eine Zweidrittelmehrheit im Kontrollgremium nötig ist.

Die Aussagen Piechs kommen einem Erdbeben bei Volkswagen gleich. Piech hatte VW einst selbst geführt. Zu Winterkorn besaß er jahrzehntelang ein großes Vertrauensverhältnis. Ohne Piech, das ist bisher Konsens, fällt bei VW keine zentrale Entscheidung.

Streit über notwendige neue Strategie?
Als Hintergrund des Zerwürfnisses werden notwendig gewordene neue Strategien vermutet. Die Gewinnkraft der Kernmarke VW-Pkw hinkt der Konkurrenz hinterher, und in den USA verliert VW beständig Marktanteile, obwohl dort ein Autoboom ausgebrochen ist. Dennoch ist VW mit 600.000 Mitarbeitern und 200 Milliarden Euro Jahresumsatz nach Toyota nach wie vor der zweitgrößte Autokonzern der Welt. Seit vergangenem Sommer greift ein milliardenschwerer Sparplan. Im Juli gibt Winterkorn das Amt als VW-Markenchef, das er in Personalunion mit seinem Chefposten im Konzern führt, an den früheren BMW-Vorstand Herbert Diess ab.

Für Dudenhöffer sind die Probleme der Marke VW-Pkw "ganz offensichtlich". Während Toyota im vergangenen Jahr pro Fahrzeug 1.647 Euro Gewinn oder 8,6 Prozent Umsatzrendite erzielt habe, dümpele VW-Pkw bei 540 Euro oder 2,5 Prozent Umsatzrendite vor sich hin. Sehr dünn sei auch der VW-Pkw-Vergleich mit GM oder Ford. Beide US-Unternehmen arbeiteten in ihrem Kerngeschäft deutlich profitabler als VW.

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