29.03.2006 19:53 |

Land verlassen

Rahman auf dem Weg nach Italien

Der zum Christentum übergetretene Abdul Rahman hat Afghanistan nach Angaben der italienischen Botschaft in Kabul verlassen und ist nach Italien geflogen. Das berichteten der US- Sender CNN und italienischen Medien übereinstimmend am Mittwochabend. Die italienische Regierung will ihm Asyl gewähren. Auch das Saarland hatte dem Afghanen, der lange Jahre in Deutschland gelebt hatte, Asyl angeboten. In Afghanistan sind inzwischen Rufe nach der Hinrichtung Rahmans lautgeworden.

Kurz vor Rahmans Abflug war es in Kabul noch zu Spannungen gekommen. Parlamentssprecher Junus Kanuni sagte am Mittwoch in der afghanischen Hauptstadt, die Freilassung Rahmans aus der Haft habe gegen geltende Gesetze verstoßen. Abgeordnete forderten, der Konvertit dürfe sein Heimatland nicht verlassen. Die Parlamentarierin Safia Seddiqi: "Die meisten Abgeordneten bestehen auf einer Hinrichtung (Rahmans), weil er nach unserer Religion nicht am Leben sein sollte."

Um Asyl außerhalb Afghanistans gebeten
Nach massivem Druck aus dem Westen war der wegen Abfalls vom islamischen Glauben mit der Todesstrafe bedrohte Rahman am Montagabend aus einem Kabuler Hochsicherheitsgefängnis entlassen worden. Er hatte unmittelbar nach seiner Entlassung aus der Untersuchungshaft über die Vereinten Nationen um Asyl in einem Land außerhalb Afghanistans gebeten.

Italien stimmte dem Antrag zu
Das italienische Kabinett stimmte am Mittwoch dem Vorschlag zu, Rahman Asyl zu gewähren. Dies berichteten italienische Medien. Außenminister Gianfranco Fini hatte bereits am Dienstag erklärt, sein Land wolle Rahman aufnehmen.

Wegen Unzurechnungsfähigkeit dem Tod entkommen!
Der afghanische Vize-Generalstaatsanwalt Mohammed Eschak Aloko hatte am Dienstag gesagt, Rahman gelte zunächst als unzurechnungsfähig. Sollten weitere Untersuchungen ergeben, dass Rahman doch zurechnungsfähig ist, könnten die afghanischen Behörden ihn nach einer Ausreise in ein anderes Land "durch Interpol wieder nach Afghanistan bringen" lassen und erneut vor Gericht stellen. Beobachter halten das allerdings für ausgeschlossen.

Afghanistan von Westen unter Druck gesetzt
Unter anderem Deutschland, Italien, die EU und die USA hatten die afghanische Regierung gedrängt, für eine Rettung des 40-Jährigen zu sorgen. Auch Papst Benedikt XVI. hatte um Gnade für den Konvertiten gebeten. Rahman weigert sich, wie von der Staatsanwaltschaft ursprünglich gefordert zum Islam zurückzukehren. Er lebte vor seiner Rückkehr nach Afghanistan in Deutschland und in Belgien. Für den Fall einer Hinrichtung Rahmans hatten deutsche Politiker die Hilfe der Bundesrepublik für Afghanistan in Frage gestellt.

Nach der Scharia, der islamischen Rechtsordnung, auf der das afghanische Rechtssystem basiert, steht auf den Abfall vom islamischen Glauben die Todesstrafe. Das gilt aber nur, wenn der Konvertit im Vollbesitz seiner geistigen Kräfte ist.