31.03.2015 11:53 |

PS4-Kracher im Test

"Bloodborne": Schnetzel-RPG für Frustresistente

Mit "Bloodborne" hat das für seine "Souls"-Games bekannte japanische Entwicklerstudio FromSoftware den ersten großen PS4-exklusiven Rollenspielkracher auf die aktuelle Sony-Konsole gebracht. Das Action-Rollenspiel lockt mit einer düsteren Spielwelt, in der eine mysteriöse Seuche wütet, und richtet sich mit seinem anspruchsvollen Gameplay nicht gerade an Einsteiger. Wie sich "Bloodborne" in der Praxis anfühlt, hat krone.at getestet.

Wer die Welt von "Bloodborne" durchwandern will, braucht vor allem zwei Dinge: Neugier und eine gehörige Portion Frustresistenz. Im PS4-exklusiven neuen Game der Macher von "Demon Souls" und "Dark Souls" lauert nämlich hinter jeder Ecke der Bildschirmtod. Und wo andere Genrevertreter den Spieler mit einer cineastisch inszenierten Handlung und zahlreichen Charakteren durch die Erzählung führen, geizt "Bloodborne" mit Dialogen und Story-Häppchen.

Aber der Reihe nach: In "Bloodborne" befindet sich der Spieler in der Stadt Yharnam, die von einer mysteriösen Seuche heimgesucht wird, die Menschen in den Wahnsinn treibt und sie in Bestien verwandelt. Als Jäger soll er die Bestien vernichten, die Yharnam bedrohen, und das Geheimnis hinter der Krankheit ergründen. Viel mehr verrät "Bloodborne" anfangs nicht – auch nicht, dass nicht nur Bestien, sondern auch bewaffnete Mobs dem Spieler nach dem Leben trachten.

Story muss detektivisch erarbeitet werden
Die Informationspolitik von "Bloodborne" ist unkonventionell. Das Spiel stößt den Spieler nicht nur zu Spielbeginn ins kalte Wasser, sondern gibt auch im späteren Verlauf der Handlung nur wenige Details von sich aus preis. Stattdessen muss der Spieler sich seinen eigenen Reim auf die Geschehnisse in Yharnam machen – indem er seine Umgebung untersucht, in der Stadt verteilte Hinweise liest und das Puzzle so nach und nach zusammenbaut.

Das ist nicht unbedingt bequem, aber der Atmosphäre zuträglich.So muss der Spieler Yharnam detektivisch erforschen und langsam selbst hinter die Zusammenhänge in der Spielwelt kommen. Das Forschen ist dabei als angenehme Abwechslung zur zweiten spielerischen Säule von "Bloodborne" zu verstehen: dem Kämpfen.

Hinter jeder Ecke lauert der Tod
Die Spielwelt ist gespickt mit Feinden, es lauert buchstäblich hinter jeder Ecke der Tod – entweder in Form von Bestien, die einem Lovecraft-Roman entsprungen sein könnten, oder in Form marodierender Mobs. So oder so: Die Begegnungen enden selbst bei vermeintlich schwachen Gegnern allzu schnell mit dem Tod und einem Neubeginn am letzten Checkpoint. Fies: Was der Spieler beim Tod mit sich führte, muss er sich von der Bestie, die ihn auf dem Gewissen hat, zurückholen.

Der Grund für die häufigen Tode: Einerseits teilen selbst vermeintlich schwache Gegner ordentlich aus, andererseits steckt der Spieler nur wenige Schläge ein, bevor er das Zeitliche segnet. Umso wichtiger ist es, das Kampfsystem von "Bloodborne" zu verinnerlichen und das richtige Manöver zum richtigen Zeitpunkt zu starten. Blocks gibt es nicht, stattdessen setzt das Game im Kampf auf eine Kombination aus Nahkampf, Ausweichmanövern und gelegentlichem Bleispritzeneinsatz.

Dynamische Kämpfe mit Multi-Mode-Waffen
Dass sich die Kämpfe dynamisch spielen, verdankt das Game vor allem seinen ausgefallenen Waffen, die während des Kampfes zwischen zwei Betriebsmodi hin- und herwechseln. Ein Teleskopstiel macht's möglich: Aus schnellen Nahkampfwaffen wie der Axt oder dem Sägeschwert wird auf Knopfdruck eine Zweihandwaffe mit großer Reichweite und langsamerem Angriffstempo. In der Nebenhand ist zusätzlich Platz für eine Kanone, mit der gegnerische Aktionen unterbrochen werden, um einen verheerenden Gegenangriff landen zu können.

Ein weiterer zentraler Bestandteil des Kampfsystems: Nimmt der Spieler Schaden, kann er seinen Gesundheitsbalken durch schnelle Gegenangriffe wieder auffüllen. Die Folge: "Bloodborne" belohnt eine forsche Kampfweise, bei der man auch mal schwer angeschlagen auf den Gegner losgeht, um die soeben verlorene Gesundheit wiederherzustellen. Wer im Blutrausch vergisst, auszuweichen, liegt freilich trotzdem schnell am Boden und fängt beim letzten Checkpoint neu an. Insgesamt gilt: "Bloodborne" spielt sich rasanter als die letzten Werke von FromSoftware, ist dabei aber keineswegs zugänglicher.

Frust- und Ladebildschirm-Resistenz nötig
Das komplexe und reflexabhängige Kampfsystem fordert vom Spieler Frustresistenz: Gerade bei anspruchsvolleren Bosskämpfen mit mehreren Phasen segnet man mitunter erst Dutzende Male das Zeitliche, bevor sich endlich der ersehnte Triumph einstellt. Dann fühlt er sich dafür umso besser an. Schade: Die Ladezeiten in "Bloodborne" können durchaus eine halbe Minute und mehr betragen, was angesichts der Häufigkeit der virtuellen Bildschirmtode nerven kann.

Ladebildschirme treten auch bei Reisen ins Kommandozentrum des Spielers, den "Traum des Jägers", auf. Dort findet der Spieler nicht nur Händler, sondern auch Schnellreisemöglichkeiten in verschiedene Gebiete und Ritualplätze, an denen er sinnvoll zufallsgenerierte Dungeons erstellen lassen kann, die nach Ablauf der Einzelspielerhandlung weitere Herausforderungen bereithalten.

Im Kern ist "Bloodborne" ein Rollenspiel
Neben Kampf und Story bietet "Bloodborne" auch solide Rollenspielmechaniken. Zu Spielbeginn darf der Protagonist nach den eigenen Vorstellungen erstellt werden, vordefinierte Charaktergeschichten entscheiden, mit welchen Statuswerten man ins Spiel startet.

Im Spielverlauf wird der Spieler durch das Sammeln sogenannter Blutechos stärker und darf seine Attribute und Fertigkeiten verbessern – bitter nötig, um den Monströsitäten Yharnams etwas entgegensetzen zu können. Die Palette der Fähigkeiten geht in Ordnung, wer gerne mit Angriffszaubern um sich wirft, wird aber enttäuscht sein: In "Bloodborne" steht der Nahkampf im Vordergrund. Im Spielverlauf sammelt der Spieler zudem Einsicht, die neue Händler und Multiplayer-Features freischaltet.

Multiplayer-Features wurden gut integriert
Apropos Multiplayermodus: Den hat FromSoftware gut in das Game integriert, den Spielern stehen mehrere Möglichkeiten offen, um sich mit anderen Spielern zu beschäftigen. Da wäre zum einen der Koop-Modus, bei dem man per Item um Hilfe ruft und einen anderen Spieler in seine Welt einlädt, um einen Gegner töten zu können. Fies: Wer Verstärkung ruft, öffnet seine Spielwelt auch für Online-Spieler, die nicht helfen, sondern den Hilferufenden töten wollen.

Und selbst wenn keine anderen Jäger mitspielen, findet der Spieler im Online-Modus Notizen anderer Spieler in der Welt von "Bloodborne", die ihn vor dem nächsten Gegner warnen oder auf ein Geheimnis aufmerksam machen. Das kennt man bereits aus der "Dark Souls"-Reihe, es macht sich aber auch in "Bloodborne" gut und kann virtuelle Leben retten.

Grafik: Stilecht und düster
Die Grafik von "Bloodborne" fügt sich ausgezeichnet ins düstere Gesamtpaket ein. Die Stadt Yharnam wurde von FromSoftware ausgesprochen detailreich gestaltet, mit scharfen Texturen und zerstörbaren Objekten gespickt. Die Lichteffekte – etwa bei Fackeln in dunklen Räumen – können sich ebenfalls sehen lassen. Das Game läuft dabei so gut wie immer flüssig, nur hie und da kommt es kurz zu Einbrüchen bei der Bildwiederholrate.

Die Animationen und vor allem Modelle der Gegner sind eine Klasse für sich: Vieles von dem, was die Entwickler in "Bloodborne" auf den Spieler loslassen, ist wirklich abscheulich – und übt gerade deswegen eine gewisse Faszination aus, egal ob es sich nun um eine entstellte menschenähnliche Gestalt oder ein haariges Riesenbiest handelt.

Keine echte Kritik, schließlich gehört sich das in einem düsteren Game wie "Bloodborne" so: Die Spielwelt kommt fast nur in dunklen Farben wie Schwarz, Grau und Braun daher. Daran ändern auch die unterschiedlichen Schauplätze – etwa Friedhof, Uni oder dunkle Wälder – wenig.

Stimmiger Sound, gelegentlicher Kamera-Ärger
Am Soundtrack von "Bloodborne" gibt's nichts auszusetzen. Meist hält er sich dezent im Hintergrund und macht Platz für die sehr guten Soundeffekte, mit denen Yharnam aufwartet. Entferntes Brüllen von Bestien und andere düstere Umgebungsgeräusche tragen neben der Tödlichkeit der Gegner und den Waffen-Sounds aber subtil.

Ebenfalls gut gelungen: die Sprachausgabe. Wenn mal gesprochen wird – Dialoge sind angesichts dessen, dass Yharnam fast nur von Feinden bevölkert wird, eher selten – machen die Sprecher ihren Job professionell.

Die Steuerung von "Bloodborne" ist schnell verinnerlicht und präzise, ein Spielverderber bleibt aber in Form der Kameraführung an Bord. Weil die Kamera relativ nahe am Spieler positioniert ist, ist es gerade in Kämpfen mit mehreren Kontrahenten bisweilen schwer, die Übersicht zu behalten, was in einem nichts verzeihenden Game wie "Bloodborne" schnell zum Tod führt.

Fazit: Toller Horrortrip für Frustresistente
"Bloodborne" ist ein unkonventionelles, aber bildhübsches Horror-Rollenspiel geworden, das dem Spieler – erzählerisch ebenso wie spielerisch – rein gar nichts schenkt. Jede Info, jeder kleine Sieg muss mühsam mit zahlreichen Bildschirmtoden erkauft werden. Das kann frustrieren und brachte uns beim Testen oft zur Weißglut, es sorgt aber auch für umso triumphalere Momente, wenn ein besonders hartnäckiger Gegner endlich besiegt ist.

Wer sich an diesem Spielprinzip erfreuen kann, macht mit dem handwerklich sehr guten "Bloodborne" und seiner düsteren Welt rein gar nichts falsch. Wer den Controller nach mehrmaligem Scheitern an ein und demselben Gegner üblicherweise frustriert in die Ecke wirft, sollte hingegen einen Bogen um das neue FromSoftware-Game machen.

Plattform: PS4
Publisher: Sony
krone.at-Wertung: 9/10

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