Schrille Frisur, rosaroter Minirock, bunte Stulpen und womöglich noch eine grellgelbe Rüschenbluse - so oder so ähnlich hat man Cyndi Lauper für gewöhnlich in Erinnerung. Doch während der letzten Jahre wurde es immer ruhiger um sie: Ihr letztes Album 2003 bestand ausschließlich aus Coverversionen und kam nur mäßig an. Die Weihnachts-CD davor war einmal Jingle-Bells zuviel. Aber das ist jetzt alles wieder Geschichte!
Schon das Albumcover von „The Body Acoustic“ verrät: Hier geht die Dame anders zu Werk! Gemütliche, akustische Versionen ihrer bekannten Hits mit viel Klangfülle und Musikalität geben den guten Ton an. Immerhin wird sie im Juni 53 - auch wenn sie für immer das Girl der Achtziger bleiben wird.
„Außerdem war mein Studioalbum noch nicht fertig…“
Wie kam sie darauf, eine derart charakterstarke Unplugged-Sache durchzuziehen? Cyndi: „Naja, bisher hatte ich noch nie die Chance dazu und jetzt bot sich die richtige Gelegenheit.“ Und fügt schelmisch hinzu: „Außerdem war mein Studioalbum noch nicht fertig…“ Kurzum: Sie traf ein paar alte Freunde, sie probierte dies, sie probierten das und irgendwie wurde es immer besser: „Für mich war von Anfang an klar, dass ich dieses Album nur mit Freunden und Leuten, die ich mag, machen werde.“
Von Sarah MacLachlan bis zu Japans Punk-Girls No. 1
Und die Liste ihrer Freunde ist lang: Allen voran Sarah MacLachlan, die bekannte Sängerin mit der samtigen Stimme, betörend wie ein Seidentuch im Wind. Sie begleitet Cyndi bei „Time After Time“ und „Waters Edge“. Neben der Gitarrenlegende Jeff Beck, der mit Cyndi die Singleauskopplung „Above the Clouds“ schrieb, den beiden Newcomern Adam Lazzara und Vivian Green und der japanischen Punk-Band „Puffy Ami Yumi“, die zur Ska-Version von „Girls just wanna have fun“ nach Herzenslust quäken durften, steuerte auch Frauenversteher Shaggy ein paar rhythmische Zeilen bei.
„Shaggy hat einen unwiderstehlichen Piraten-Blick…“
Gleich zu Beginn, nach dem grandiosen Opener „Money Changes Everything“, durfte der Womanizer mit dem markanten Organ (gemeint ist die Stimme, bitte!) bei „All through the Night“ anrücken. Und es klingt bombastisch! Denn Cyndi kam schon im Studio nicht umhin, den ganzen Song „live“ zu performen, also Seite an Seite mit ihm. „Er hat einen verdammt jazzigen Rhythmus drauf! Grundsätzlich war ich ja nicht daran interessiert, jemanden neben mir sprechen zu lassen, aber er war einfach aufregend“, erzählt Cyndi von Shaggys betörender Ausstrahlung.
Apropos Ausstrahlung, wie lernt man Shaggy eigentlich kennen? Cyndi: „Das war auf so einer Show, wo man mit Orchester singen darf. Da traf ich also Shaggy, mir gefiel sein letztes Album und wir wurden Freunde. Er hat einen großartigen Charme und einen Blick, wie ein Pirat. Und dem kann man nicht widerstehen!“
„Hey, ich mach ja keine Volksmusik!“
Zu den altbekannten Hits auf „The Body Acoustic“ zählen auch „True Colors“ und „She Bop“. Bei „Fearless“, das auf dem 97er Album „Sisters of Avalon“ erschien, hört man auch Cyndis Lieblingsinstrument ganz deutlich. Das Hackbrett (!) setzte sie bei jedem Song ein – in allen „Stellungen“ und mit abgedrehten Spieltechniken, bei denen ein Musikprofessor glatt aus den Latschen kippen würde!
„Ich bediene das Hackbrett eben nicht wie ein traditioneller Musiker. Hey, ich mach ja keine Volksmusik! Meistens zupfe ich die Saiten. Ab und an schlage ich auch drauf. Schließlich bin ich ja noch immer ein Rock’n’Roll-Player! Aber ich hab mein Hackbrett vor langer, langer Zeit gekauft, weil es in meinen Ohren wundervoll klang, so wie ICH es spielte“, erzählt Cyndi aufgeregt.
Leise, aber bei weitem noch nicht ruhig!
Rock’n’Roll-Player hin oder her: Die Platte ist im gesamten doch eher zurückgenommen und der eingefleischte Lauper-Fan bekommt hier leicht Panik und fragt lieber nach: Gibt’s die schrille Pop-Göre ab jetzt gar nicht mehr? Besser gesagt, geht sie’s im fortgeschrittenen Alter ruhiger an? Die Antwort kam postwendend, klar und deutlich aus dem Hörer: „Nein, nein, nein, nein, verdammt! (lacht) Ich wollte wirklich nur ein Album machen, das sich die Leute in aller Ruhe anhören können. Nicht alles auf diesem Album ist ruhig und leise, es fügt sich nur anders zusammen.“ Gut, dann sind wir ja beruhigt!
„Jedesmal wenn ich mich umdrehe, gibt's ein neues Best-Of!“
„The Body Acoustic“ ist Cyndi Laupers lang gehegter Wunsch und das merkt man. Denn die Platte ist schlicht und einfach perfekt. Ein „ordinäres“ Best-Of hätte sie ohnehin nicht gemacht: „Das gibt’s ja schon. Meine Plattenfirma bringt die von alleine raus und jedes Mal wenn ich mich umdrehe, gibt’s ein neues“, lautet Cyndis saloppe Antwort. Wer die quirlige Vollblutmusikerin schon näher kennt, der wird sie mit dieser CD von einer bisher unentdeckten Seite erfahren.
Und nur damit’s bei aller Unplugged- und Akustikatmosphäre keine Missverständnisse gibt: Das Album wird nie langweilig! All jenen, die sich bisher vor Cyndis Bubblegum-Pop-Seite und jeglichem 80iger-Kult fürchteten, bietet sich hier außerdem die geeignete Einstiegs-Droge. Manchmal wird der Wein mit dem Alter eben doch besser. Andererseits: Wer kann mit 53 von sich behaupten, überall noch als „Girlie“ bekannt zu sein…
Fazit: 10 von 10 Unplugged-Super-Girlies
Viel getalkt, viel gescherzt und viel erfahren: Das komplette Cyndi-Interview in ungekürzter Fassung gibt's in der Infobox rechts oben.
Falls dich jetzt die Neugier gepackt hat und du unser Urteil prüfen möchtest: In der Infobox findest du einen Link zu Hörproben von allen Songs des neuen Albums! (Dort angelangt zuerst auf „Tracks“ klicken und dann den Song auswählen!)
Christoph Andert
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