Do, 21. März 2019
02.03.2015 12:45

Weiter Fragen offen

Nemzow-Mord: Zahlreiche Kameras ausgeschaltet?

Der Mord am russischen Oppositionellen Boris Nemzow wird immer mysteröser. Am Sonntag tauchte zwar ein erstes Video auf, das aus großer Entfernung die letzten Minuten Nemzows auf der Moskwa-Brücke zeigt. Doch dieses hilft den Ermittlern nicht weiter, da man darauf so gut wie nichts erkennt. Bessere Aufnahmen wiederum gebe es laut einem Medienbericht nicht, weil zahlreiche andere Überwachungskameras in der Nähe des Tatorts ausgeschaltet gewesen seien. Die Behörden dementierten diese Angaben zwar, trotzdem bleiben Fragen offen.

Wie die Zeitung "Kommersant" am Montag berichtete, waren zahlreiche Kameras, die in der Nähe des Tatorts hängen, zum Zeitpunkt des Mordes gerade wegen Reparaturarbeiten außer Betrieb. Derzeit finden unter anderem Renovierungsarbeiten an den großen Kremltürmen statt. Die Stadt Moskau wiederum wies den Bericht zurück und betonte, dass alle Geräte funktionierten. Die Aufnahmen von Freitagnacht würden demnach derzeit ausgewertet.

Kreml-Kritiker sieht Spur in Richtung Putin
Der Kreml-Kritiker und einstige Putin-Berater Andrej Illarionow erklärte am Montag gegenüber bild.de, dass es nur wenige Menschen gebe, welche die genaue Position aller Kameras auf der Großen Stein-Brücke und ihren Winkel kennen würden. Daher führt - gegeben den Fall, dass die Geräte tatsächlich abgeschaltet waren - seiner Ansicht nach die Spur auf jeden Fall in Richtung Kreml und damit zu Präsident Wladimir Putin.

Rätsel um Schneepflug in schneefreier Nacht
Bereits am Sonntag war in Oppositionskreisen diskutiert worden, wie es sein könne, das gerade zum Tatzeitpunkt ein Schneepflug über die Brücke fährt - und das in einer schneefreien Nacht. Auf dem bisher veröffentlichten Video ist tatsächlich ein Schneeräumfahrzeug zu sehen, das langsam am Tatort vorbeifährt.

Behörden setzten Sonderermittler ein
Die Ermittler gehen bei der Tat derzeit von einem nationalistischen Hintergrund aus. Die moskauer Behörden ernannten einen Experten für Verbrechen mit nationalistischem Hintergrund zum Sonderermittler. Mit dem Fall befasse sich demnach eine zwölfköpfige Sonderkommission unter der Leitung von General Igor Krasnow. Der Ermittlungsansatz: Der Mord ist womöglich von einem Nationalisten verübt worden, der aus Hass auf die prowestliche Opposition gehandelt haben könnten. Eine offizielle Bestätigung für diese Berichte gab es vorerst aber nicht.

Freundin Nemzows: Ich werde festgehalten
Indes wird die Lebensgefährtin Nemzows, die dabei war, als er am Freitagabend viermal in den Rücken geschossen wurde, nach eigenen Angaben gegen ihren Willen in Moskau festgehalten. "Die Ermittler befragen mich und keiner sagt mir, wann ich freigelassen werde und warum sie mich hier festhalten", sagte die Ukrainerin Ganna Durizka am Montag dem russischen Oppositionssender Doschd. "Ich habe das Recht, Russland zu verlassen, ich bin keine Verdächtige", sagte die 23-Jährige. Sie sei lediglich Zeugin des Mordes gewesen und habe der Polizei bereits alles gesagt, was sie wisse. Sie befinde sich zur Zeit in der Wohnung eines Freundes in Moskau, die sie nicht verlassen dürfe. Sie fühle sich schlecht und wolle nur noch nach Hause.

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