Tödlicher Infarkt

Paketauto mit totem Fahrer rast in Trauerzug

Ausland
10.03.2006 16:46
Es wird lange dauern, bis das beschauliche Jettingen-Scheppach im bayerischen Landkreis Günzburg nach der Tragödie zur Normalität zurückkehren kann. Es war eine große Trauergemeinde, die Abschied von einem lieben Menschen nehmen wollte. Zwei Frauen starben, als ein Pakettransporter nach dem tödlichen Infarkt des 60-jährigen Fahrers in den Zug der 150 Trauergäste raste, die am Vormittag nach dem Requiem in der schmucken Kirche auf dem Weg zum Friedhof waren.

Mehr als 30 überwiegend ältere Menschen sind schwer und schwerst verletzt worden. Sie wurden meist in nahe liegende Krankenhäuser gebracht. Die Transportfähigen unter den Opfern wurden auch in weiter entfernte Kliniken gefahren. Ob alle überleben würden, war am Unglückstag ungewiss. "Schlimm ist, dass wir wahrscheinlich noch mit weiteren Toten rechnen müssen", sagt Walter Böhm, Leitender Polizeidirektor aus Krumbach. Er ist sichtlich mitgenommen von dem schweren Unglück.

"Ich bin zutiefst betroffen", sagt Bürgermeister Hans Reichhart leise. Die Opfer kommen alle aus dem Dorf. "Hier kennt noch jeder jeden, daher war die Anteilnahme bei der Beerdigung doch auch so groß", fügt er hinzu und kämpft mit den Tränen.

Der Schock sitzt tief
Von dem Unfall zeugten am Donnerstagabend immer noch ein rot-weißes Absperrband, die vielen Polizei- und Feuerwehrbeamten und ein demoliertes Auto, das am Straßenrand stand. Außer Journalisten waren jedoch kaum Neugierige unterwegs. Zu groß war der Schock darüber, was mit Nachbarn, Verwandten und Bekannten geschehen ist. "Schrecklich", ist das einzige, was eine ältere Dame sagen konnte. "Gesehen haben wir nichts", sagen zwei junge Männer, die sich an das Absperrband gewagt haben.

"So etwas habe ich noch nicht erlebt", sagte Pastoralreferent Joachim Böhm. Allein 40 Mitarbeiter des Kriseninterventionsdienstes und der Notfallseelsorge haben sich nach seiner Schätzung um die Angehörigen und Opfer gekümmert. "Den meisten hat es gut getan, eine Gesprächsmöglichkeit gehabt zu haben", meinte er. Stunden lang wurden die Menschen betreut. Verarbeitet haben sie den Schock aber sicherlich noch nicht. Noch sei vielen nicht klar, was passiert ist, sagt Böhm. "Das dauert ein paar Tage."

Foto: Symbolbild

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