H5N1-Panik

Massenhysterie nach Tod zweier Schülerinnen

Ausland
08.03.2006 15:50
Der Tod zweier Schülerinnen eines Gymnasiums und falsche Gerüchte über einen Zusammenhang mit der Vogelgrippe haben in Düsseldorf erhebliche Unruhen ausgelöst. Bei der Polizei gingen dutzende Anrufe ein, besorgte Eltern brachten ihre Kinder vorsorglich in Kliniken. Am Mittwoch fehlten nahezu alle der fast tausend Schüler des Gymnasiums. Die Behörden gaben unterdessen Entwarnung: Es gebe keine Anhaltspunkte für eine Epidemie und auch keine Ansteckungsgefahr.

Es gebe keinen Zusammenhang zwischen dem Tod der beiden Mädchen im Alter von 11 und 13 Jahren innerhalb von zwei Tagen. Die zeitliche Nähe sei ein tragischer Zufall. Beide Mädchen waren krank und starben eines natürlichen Todes. Die Todesursachen wurden mit Hinweis auf die ärztliche Schweigepflicht nicht genannt. Spekulationen über weitere Fälle oder eine hochansteckende Krankheit wie Hirnhautentzündung seien aber falsch. Dies hätten auch Umfragen der Behörden bei Krankenhäusern, Kindergärten und Schulen der Umgebung bestätigt.

"Es gibt keinen Grund zur Panik", sagte ein Sprecher der Stadtverwaltung. Dennoch hatten weitere Schulen im Düsseldorfer Norden den Eltern freigestellt, ihre Kinder zu Hause zu lassen.

Unterricht fiel aus – Prüfungen wurden verschoben
Die beiden Schülerinnen gingen in die 5. und 7. Klasse des katholischen Gymnasiums. "Eigentlich besteht gar kein Grund dafür, dass der Schulbetrieb heute ruht", sagte Schulleiter Hans Tenhaken der dpa. Die ganze Nacht habe er aufgeregte Eltern beruhigt. "Ich habe zwar Verständnis für deren Sorge, aber dies grenzt an Hysterie", sagte der 62-Jährige. Seiner Entwarnung hätten viele besorgte Eltern einfach keinen Glauben geschenkt.

Es bestehe keine Ansteckungsgefahr und es seien auch keine besonderen Maßnahmen zum Schutz der Gesundheit der Schüler erforderlich. Dennoch fiel der Unterricht am Mittwoch aus. Prüfungen wurden verschoben.

Schulen leer – Krankenhäuser voll
Die falschen Gerüchte hatten sich bereits am Vortag wie ein Lauffeuer verbreitet. Zwischen 50 und 60 Anrufe waren dann in der Nacht bei der Polizei eingegangen. "Die Eltern waren ernsthaft in Sorge", sagte ein Polizeisprecher. Die Beamten hätten viele längere Gespräche geführt, um sie zu beruhigen. Viele hätten ihre Kinder auch in einer nahen Klinik untersuchen lassen: "Das Krankenhaus war voll."

An diesem Donnerstag sollte an allen Schulen im Norden der Landeshauptstadt in vollem Umfang unterrichtet werden. Es gebe keinen medizinischen Grund, die Kinder nicht zur Schule zu schicken, sagte der Leiter des Gesundheitsamtes, Heiko Schneitler.

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