Der schweizerische Video-Creator und Angler „Seya“ sorgt mit spektakulären Unterwasseraufnahmen aus dem Bodensee für Aufsehen: In dem vor wenigen Tagen auf seinem YouTube-Kanal „hookedbyseya“ veröffentlichten Beitrag sind ungewöhnlich große Ansammlungen von riesigen Welsen zu sehen. Der Grund für dieses Verhalten stellt Fischer und Forscher gleichermaßen vor ein Rätsel.
Unter der Oberfläche des Bodensees spielt sich offenbar ein ungewöhnliches Naturschauspiel ab, das dem menschlichen Auge lange verborgen geblieben ist. Bis jetzt. Denn der eidgenössische Video-Creator „Seya“, der auf seinen Social-Media-Kanälen regelmäßig Einblicke in die spannende und geheime Welt der Fische gibt, hielt das Phänomen nun auf Kamera fest.
Seit Jahren beobachtet der YouTuber Ansammlungen von Welsen in Tiefen zwischen zwei und 25 Metern. „In dieser extremen Anzahl wie dieses Jahr habe ich das aber noch nie beobachtet“, zeigt er sich in seinem YouTube-Beitrag erstaunt.
Der größte Räuber im Bodensee
Der Europäische Wels (Silurus glanis) gilt als die größte Süßwasserraubfischart Europas. Adulte Artgenossen können mehrere Meter lang werden, bis zu 200 Kilogramm auf die Waage bringen und ein stolzes Alter von bis zu 100 Jahren erreichen – auch aus dem Bodensee werden immer wieder Rekordexemplare gezogen. Mit ihren langen Barteln, ihrem ausgeprägten Geruchssinn und dem empfindlichen Seitenlinienorgan orten die Räuber ihre Beute auch bei schlechter Sicht.
Besonders erstaunlich ist für den passionierten Angler „Seya“ jedoch nicht die beeindruckende Größe der Tiere, sondern ihr Verhalten. Denn während einzelne Welse oder kleinere Gruppen keine Seltenheit sind, konnte der Schweizer in jüngster Zeit mehrfach beobachten, wie sich regelrechte Schwärme der Tiere an wenigen, genau definierten Stellen im Bodensee zusammenfinden: „Es wirkt beinahe so, als würde sich ein Großteil der Welse aus einem weiteren Gebiet an einem einzigen Ort versammeln.“
Verhalten nicht eindeutig geklärt
Eine eindeutige Erklärung, warum sich die Welse so „zusammenkuscheln“, bietet die Wissenschaft bislang nicht. Studien zeigen allerdings, dass Welse vor allem bei sinkenden Temperaturen dazu neigen, sich in größeren Gruppen zusammenzufinden. Internationale Forscherteams beobachteten bereits ein ähnliches Verhalten in französischen und tschechischen Gewässern. Dort spielten vor allem die Wassertemperatur und der Sauerstoffgehalt eine wichtige Rolle.
Und auch im Bodensee könnten diese Faktoren das Verhalten der Tiere beeinflussen. Denn durch den Klimawandel steigen auch hier die Wassertemperaturen, zudem ist in tieferen Wasserschichten weniger Sauerstoff vorhanden. Die großen Räuber sind allerdings Meister der Anpassung: Welse kommen mit solchen Bedingungen deutlich besser zurecht als viele andere Fischarten, entsprechend haben die Bestände in den vergangenen Jahren stark zugenommen.
Grenzüberschreitendes Monitoringprojekt
Um mehr über das Verhalten der urzeitlichen Tiere zu lernen, hat die Fischereiforschungsstelle Baden-Württemberg in Langenargen gemeinsam mit der TU München, den eidgenössischen Berufsfischern und dem Vorarlberger Fischereiverein Rheindelta im Jahr 2020 ein grenzüberschreitendes Monitoringprojekt ins Leben gerufen. Noch bis kommenden Dezember sollen dem deutschen „Fisch des Jahres 2026“ so weitere Geheimnisse entlockt werden.
Ob Temperatur, Sauerstoffgehalt oder andere, bislang unbekannte Faktoren hinter dem seltsamen Verhalten der Bodenseewelse stecken, bleibt also zunächst noch offen. Fest steht allerdings: Die beeindruckenden Unterwasseraufnahmen, die „Seya“ mit der Öffentlichkeit geteilt hat, liefern seltene Einblicke in das Leben einer Fischart, über die selbst Experten noch längst nicht alles wissen.
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