Schutz vor Kälte

Wohnungssnot wird größer: Neue Angebote im Winter

Steiermark
05.11.2026 12:10

Das Kältetelefon klingelte letztes Jahr 800 Mal in Graz, die Notschlafstelle war überlastet. Vinzi und Caritas stellen für den Winter in der Steiermark zusätzliche Plätze für Wohnungslose bereit. Die Anfragen steigen. 

Die Temperaturen sinken. Da freut sich jeder auf eine warme Wohnung. Doch manche Menschen haben diesen Luxus nicht. „Die Wohnungsnot ist aktueller denn je“, sagt Nora Tödling-Musenbichler, Direktorin der Caritas Steiermark. Hohe Kosten für Lebensmittel, Wohnen und Energie verschärfen die Lage. Im vergangenen Jahr war die Notschlafstelle VinziTel in Graz zu 102 Prozent ausgelastet, alle steirischen Vinzi-Einrichtungen zusammen wiesen eine Auslastung von 96 Prozent aus. Das entspricht knapp 40.000 Nächtigungen.

Damit kein Mensch in der Steiermark in der kalten Jahreszeit eine Nacht auf der Straße verbringen muss, bieten Caritas und VinziWerke jetzt verstärkt Hilfe an: 25 weitere Plätze sind das in der Arche 38 und zehn zusätzliche Winternnotplätze im Haus FranzisCa, in allen Vinzi-Einrichtungen werden im Winter insgesamt 29 Notbetten zusätzlich bereitgestellt.

Steirische Notschlafplätze

  • Arche 38, für volljährige Männer, 8020 Graz: 
    31 reguläre Notschlafstellen, 4 für Mensch und Tier, 7 Plätze in der Notschlafstelle Plus, 25 zusätzliche im Winterbetrieb 2026/27
  • Notschlafstelle Leoben:
    12 Notschlafstellen
  • FranzisCa Notschlafstelle für Frauen, 8020 Graz:
    20 Plätze, flexibel auch mit begleitenden Kindern, und 10 neue Plätze im Winterbetrieb 2026/27 für Frauen (auch mit Kindern)
  • Die Vinzi-Einrichtungen bieten Platz im VinziTel (25 reguläre Betten), Haus Rosalie (15 reguläre Plätze), VinziNest (65), VinziSchutz (20), VinziDorf (32), VinziMünz (9) und anderen.

Sorgen über die Stadtgrenze hinaus
Wohnungslosigkeit kann laut VinziWerke-Geschäftsführerin Amrita Böcker jeden treffen, die Gründe sind vielschichtig. Der kommende Winter wird herausfordernd, man merke das an den hohen Auslastungszahlen und immer mehr Beratungen. Die Grazer Bürgermeisterin Elke Kahr betstätigt das. „Auch bei uns treffen immer mehr Anfragen zum Thema Wohnungslosigkeit ein“, sagt Kahr. Diese reichen über die Stadtgrenze hinaus – und kommen zum Teil sogar aus anderen Bundesländern. „Selbst in budgetär schwierigen Zeiten ist die Wohnungslosen-Absicherung eine der Kernaufgaben einer Kommune“, meint Kahr.

Caritas-Direktorin Nora Tödling-Musenbichler, Vinzi-Geschäftsführerin Amrita Böcker und die ...
Caritas-Direktorin Nora Tödling-Musenbichler, Vinzi-Geschäftsführerin Amrita Böcker und die Grazer Bürgermeisterin Elke Kahr.(Bild: Schaupp Verena)

Warnung vor „sozialer Kälte“
Caritas-Chefin Tödling-Musenbichler sieht aktuelle Entwicklungen kritisch und warnt: „Wenn über Einschränkungen bei der Sozialhilfe diskutiert wird, während Lebenshaltungskosten zunehmen, steigt die Gefahr, dass wir mehr Menschen auf der Straße sehen werden.“ Gleichzeitig lobt sie die Zivilcourage vieler Menschen, die „nicht einfach zusehen“, sondern „Hilfe rufen“.

 Caritas bittet um Hilfe

Die Caritas bittet um Geld- und Sachspenden wie etwa Isomatten, da über das Kältetelefon an wohnungslose Menschen Essen, Tee, Matten und warme Kleidung verteilt werden. Mehr Infos hier.

So hätte man in der vergangenen Saison über 800 Anrufe beim Kältetelefon erhalten. Dieses Angebot ist zwar auf Graz konzentriert – wer eine Person in Not sieht, kann anrufen, das Team fährt hin und klärt ab, ob Hilfe nötig ist –, allerdings würde man auch Anrufe aus anderen Regionen weiterleiten. „Wir sind vernetzt und schauen, dass überall in der Steiermark Menschen versorgt werden. Man kann auch immer die Rettung rufen. Nur bitte schauen Sie hin, nicht weg!“, appelliert Tödling-Musenbichler. Das Kältetelefon (0676/88015 8111) startet am 6. November wieder in den Betrieb.

VinziNest und VinziSchutz wurden heuer groß saniert.
VinziNest und VinziSchutz wurden heuer groß saniert.(Bild: Christian Jauschowetz)

Wohnprojekte und knappe Ressourcen
Um die Notschlafstellen zu entlasten, wurde außerdem ein neues Konzept ins Leben gerufen. Mit „Housing First“ werden Obdachlose unterstützt, in Graz, Bruck an der Mur und Kapfenberg schnell Wohnungen zu finden. „Das Prinzip wirkt nachhaltig“, meint Vinzi-Chefin Böcker. 23 Personen konnte 2025 damit geholfen werden. Außerdem freut sie sich, dass die größten Notschlaf-Einrichtungen (VinziNest und VinziSchutz) heuer saniert werden konnten. Das habe sich auf die finanziellen Ressourcen der VinziWerke ausgewirkt, aber: „Es ist wichtig, dass wir als ofmals letztes Sicherheitsnetz unsere Angebote aufrechthalten. Denn die Not wächst.“

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