Der vor allem für seine unkonventionellen, einfallsreichen und ehrlichen Kinder- und Jugendbücher bekannte Schriftsteller und Illustrator Janosch ist tot.
Mit seinen liebevoll illustrierten Büchern wie „Oh wie schön ist Panama“ machte sich der Autor weltweit einen Namen. Am Dienstag schied er im Alter von 95 Jahren auf Teneriffa aus dem Leben, wie sein Tübinger Verleger Bernhard Feil mitteilt.
Geboren wurde Janosch am 11. März 1931 im oberschlesischen Bergarbeiterort Zabrze, heute in Polen. Bis er seinen Künstlernamen annahm, hieß er Horst Eckert. Seine Kindheit war wohl eine Hölle: Er litt unter den Alkoholexzessen seines Vaters. Auch seine Mutter trank und beide schlugen ihn, wenn er nicht so war, wie sie sich das erhofften. Die katholische Kirche tat ein Übriges und befeuerte die Angst des Kindes, wegen Sünden im Fegefeuer zu schmoren.
Es muss ein Kuschelbär dabei sein und der Bär muss eine Reise machen und er muss einen Freund haben. Und schon fangen die Weiber an, zu heulen.

Janosch
Bild: AFP/ANGELIKA WARMUTH
Tiger und Bär als Trotzreaktion
Tiger, Bär und Tigerente waren eine Art Trotzreaktion. Denn Janosch war wütend. Die Kunstakademie in München hatte ihn abgelehnt. Und auch erste Bücher wie „Die Geschichte vom Pferd Valek“ hatten keinen rechten Erfolg. So sann er auf Protest. „Ich wollte ein Kitschbuch machen“, sagte er einst in einer Dokumentation: „Es muss ein Kuschelbär dabei sein und der Bär muss eine Reise machen und er muss einen Freund haben. Und schon fangen die Weiber an, zu heulen.“
Dieses „Kitschbuch“ hatte eine ungeahnte Wirkung. „Oh, wie schön ist Panama“ bescherte dem Künstler den lang ersehnten Durchbruch. Seit dem ersten Erscheinen 1978 verkaufte sich das Werk nach Angaben des Beltz-Verlages weltweit mehr als zwei Millionen Mal und es wurde in unzählige Sprachen übersetzt. Andere Werke wie „Kasper Mütze“ oder „Lari Fari Mogelzahn“ festigten Janoschs Ruf als einfühlsamer und fantasievoller Autor und Illustrator für Kinder. Lesenswert sind auch seine Romane für Erwachsene.
Bis heute bezaubern seine Kinderbücher, so auch Erwachsene. Tiger und Bär feiern die kleinen Freuden des Lebens. Voller Liebe, Rücksicht und Respekt sorgen sie sich umeinander. Sie schwelgen in Kompott aus selbst gesammelten Waldbeeren oder genießen „fabelhafte Bouillon“ mit Kartoffeln. Und wenn der Tiger krank ist, pflegt ihn der Bär mit Hingabe gesund.
Idylle als Seelenpflaster
Für Janosch war diese Idylle eine Art Seelenpflaster und der totale Kontrast zu seiner eigenen Kindheit. Doch die schlimmen Erfahrungen als Kind blieben nicht ohne Folgen. Düstere Gedanken quälten ihn und er wollte diese mit viel Alkohol betäuben. Er habe mit dem Verstand aus seinem Kopf aussteigen müssen, sagte er seiner Biografin Angela Bajorek, die 2016 über ihn geschrieben hatte. Der Titel des Buches ist ein Stück Lebensweisheit, wie sie typisch für den Künstler ist, der Bescheidenheit liebt: „Wer fast nichts braucht, hat alles“.
Die düstere Seite kam in seinen Romanen zum Tragen, die sich eher an Erwachsene richten. In „Cholonek oder der liebe Gott aus Lehm“ etwa erzählt er schonungslos, aber auch wehmütig von der grauen Arbeitersiedlung, in der er seine Kindheit verbrachte. Nach dem Zweiten Weltkrieg verließ die Familie fluchtartig ihr Zuhause, um schließlich in der Nähe von Oldenburg zu landen. Für Janosch blieb Zabrze trotz allem eine Art Sehnsuchtsort. So notiert er später im Roman „Polski Blues“: „Polen ist ein Heimwehland.“
Doch sein Markenzeichen blieben Tiger, Bär und Tigerente. „Millionenfach zieren sie Brotboxen, Becher, Strümpfe oder baumeln als Anhänger an Rucksäcken“, sagt Raabe. Diese niedlichen Figuren hätten von Anfang an das Potenzial gehabt, Maskottchen zu werden und seien so auch geschickt vermarktet worden. Janosch selbst distanziert sich von dem lukrativen Lizenzgeschäft der Janosch Film & Medien AG. „Ich habe nichts damit zu tun, ich sehe das auch nicht, ist zu weit weg. Das ist eine andere Baustelle“, sagte er der dpa vor zehn Jahren.
Zuletzt gab Janosch keine Interviews mehr, auch weil seine Gesundheit bereits nicht mehr so stabil war. Bis vor einigen Jahren hatte er noch eine Kolumne im Wochenmagazin „Zeit“. Als „Herr Wondrak“ sinnierte er darin über das Leben und das Weltgeschehen, so etwa 2015, als er die Mediensucht zum Thema machte. „Herr Janosch, was wäre eigentlich gewesen, hätten Tiger und Bär Smartphones gehabt?“, fragte er. Die ernüchternde Antwort: „Sie hätten Panama einfach gegoogelt und wären im Übrigen am Tisch sitzen geblieben.“
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