Man stelle sich vor, Österreich befände sich im Krieg mit Terrororganisationen an seinen Grenzen, bedroht auch von einem Land mit einem Atomwaffenprogramm, das dazu dienen soll, unseren Staat auszulöschen. Hunderttausende junge und auch nicht mehr ganz so junge Männer und Frauen würden seit Jahren immer wieder in den Kampf eingezogen. Es gäbe Tausende Gefallene und Verwundete. Und vor Kriegsausbruch hätte ein Terrorangriff mit 1200 Toten und Hunderten Entführten das ganze Land traumatisiert.
Das ist die Situation in Israel. Einem Land so klein wie Niederösterreich, aber mit etwa ebenso vielen Einwohnern wie Österreich. Der Vergleich hinkt also nur bedingt.
Wäre es in Österreich unter diesen Bedingungen möglich, faire und freie Wahlen zu organisieren? Würden wir überhaupt Wahlen organisieren? Oder würden wir uns – wie Präsident Zelenskij in der Ukraine – darauf berufen, dass unter solchen Umständen keine Wahlen möglich seien? Jeder möge sich dazu selbst eine Meinung bilden.
In Israel war es nie eine Frage, ob die Parlamentswahlen stattfinden würden. Es war selbstverständlich, sie abzuhalten. Da Israelis (abgesehen von Diplomaten) nur wählen dürfen, wenn sie sich in Israel befinden, sind 70.000 Auslandsisraelis sogar extra eingeflogen, nur um ihre Stimmen abgeben zu können.
Politisch herrscht nach der Wahl ein Patt. Dennoch war es ein Sieg der Demokratie.
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