Sa, 18. August 2018

"Hast du mich lieb?"

16.01.2015 07:59

Papst Franziskus begeistert Philippiner mit Humor

Zum Auftakt seines Besuchs auf den Philippinen ist Papst Franziskus gleich auf Tuchfühlung gegangen. Auf dem Weg in den Präsidentenpalast kurbelte er Freitag früh als Erstes die Scheibe seines Wagens herunter, lehnte sich weit hinaus und winkte fröhlich. Die Straßen entlang der Strecke waren mit Menschenmassen gefüllt.

Bei einer Predigt mit Priestern, Bischöfen und Kirchenaktiven hatte er in der Kathedrale von Manila sofort die Lacher auf seiner Seite. Franziskus' erste Worte waren "Hast du mich lieb?", eine Wiederholung aus dem gerade vorgelesenen Evangelium nach Johannes. Einige in der Gemeinde antworteten aber deutlich "Ja", bevor der Papst fortfahren konnte. Er unterbrach seinen Text lachend und sagte: "Ja, vielen Dank - auch wenn ich eigentlich nur aus dem Evangelium zitiert hatte." Dann setzte er seine Predigt fort.

Begeisterung über Papstbesuch kennt kaum Grenzen
Die gut 80 Millionen Katholiken der Philippinen sind in der Mehrzahl tief religiös. Die Begeisterung über den Papstbesuch kannte kaum Grenzen. Manche Menschen warteten mehr als acht Stunden am Straßenrand, um die Wagenkolonne vorbeifahren zu sehen. Viele berichteten sofort von übernatürlichen Erlebnissen. "Mir wurde in dem Moment so leicht ums Herz", meinte etwa Emma Velasquez.

Franziskus redete zunächst den Politikern in dem von Korruption geplagten Land ins Gewissen. "Politiker müssen ein leuchtendes Beispiel für Ehrlichkeit, Rechtschaffenheit und Hingabe für das Gemeinwohl sein", sagte er. Dann prangerte er "eklatante und skandalöse soziale Ungerechtigkeit" an.

Ein Viertel der Einwohner lebt unter der Armutsgrenze
Der asiatische Inselstaat hat viele Milliardärsfamilien, aber ein Viertel der etwa 100 Millionen Einwohner lebt unter der Armutsgrenze, deutlich mehr als im weltweiten Durchschnitt. "Um die sozialen Strukturen zu verändern, die die Armut festschreiben, müssen Einstellungen verändert werden", sagte der Papst.

Aktivisten führen die Armut in dem Land unter anderem auf das explosive Bevölkerungswachstum zurück, das die Kirche mit ihrem Widerstand gegen künstliche Empfängnisverhütung mit zu verantworten habe.

Die Kirche hat auf den überwiegend katholischen Philippinen erheblichen Einfluss auf die Politik. Franziskus hielt aber die Familienwerte noch. Die Familie müsse geschützt werden, wie auch der Respekt für die Würde des ungeborenen Lebens.

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