Wenn der Herbst die Teiche leert, beginnt im Waldviertel das uralte Ritual des Abfischens. Ein Ausflug in diesen mystischen Teil Niederösterreichs zeigt, wie schön gelebtes Naturerbe sein kann.
Zwischen Nebelschleiern, zappelnden Karpfen und klösterlicher Stille lebt eine Tradition, die Natur, Genuss und Heimatgefühl verbindet. Im Mittelpunkt steht heuer das Abfischen am Klosterteich von Stift Geras: Herbstnebel legt sich dann als ein silbriger Schleier über die Waldviertler Landschaft und das Wasser weicht langsam aus den Teichen – ein Schauspiel, das seit Jahrhunderten zum Leben dieser Region gehört. Es gluckert, spritzt und schimmert in den Netzen, wenn kräftige Hände die zappelnden Karpfen aus dem Schlamm heben.
Eine Wanderung mit „Krone“-Kräuterpfarrer Benedikt
Ein Hauch von Abenteuer liegt in der kühlen Luft, dazu der Duft von feuchter Erde und frischem Fisch. Im Waldviertel ist Abfischzeit - und rund um Stift Geras wird diese uralte Tradition am 7. November zum stimmungsvollen Erlebnis. Ab 10 Uhr gibt es Fisch vom Fischhälter zu kaufen, ab 10.30 Uhr beginnt das traditionelle Abfischen am Klosterteich.
Am Nachmittag lädt Kräuterpfarrer Benedikt zu einer Wanderung entlang der Himmelsteiche ein, bei der die Vielfalt der Pflanzenwelt entdeckt werden kann. Hier treffen Naturverbundenheit und klösterliche Ruhe aufeinander – und machen den Besuch zu mehr als einem kulinarischen Ausflug.
2000 Teiche prägen Landschaft und Menschen
Mehr als 2000 Teiche prägen die Landschaft des Waldviertels. Über Generationen hinweg wurden sie bewirtschaftet, viele davon einst von Klöstern angelegt. Die Teichwirtschaft ist nicht nur ein Stück lebendiges Kulturerbe, sondern auch ein wertvoller Teil der Kulturlandschaft.
In den naturnah bewirtschafteten Gewässern wachsen Karpfen mit natürlichem Teichfutter und Getreide heran. Im Herbst kommt schließlich der große Moment: Das Wasser wird abgelassen, Netze werden durch die Teiche gezogen, und die Ernte des Jahres zappelt silbrig in den Bottichen. Was im Volksmund so treffend „Der Teich kocht“ heißt, ist harte Arbeit und zugleich ein Fest für alle Sinne.
Mehr als eine kulinarische Spezialität
Gerade in Geras bekommt dieses Schauspiel eine besondere Atmosphäre. Zwischen alten Klostermauern, stillen Wasserflächen und den weiten Wäldern des nördlichen Waldviertels wird spürbar, wie eng Natur, Handwerk und regionale Esskultur miteinander verwoben sind.
Und wer nach dem Staunen über die Arbeit der Teichwirte Hunger bekommt, darf sich auf die kulinarischen Schätze des Waldviertler Karpfens freuen. Denn dieser Fisch ist weit mehr als eine regionale Spezialität: Er erzählt von Geduld, nachhaltiger Bewirtschaftung und einer Landschaft, die seit Jahrhunderten im Rhythmus ihrer Jahreszeiten lebt. So wird das Abfischen zum herbstlichen Erntedank – und zu einer Einladung, das Waldviertel dort zu erleben, wo seine Seele besonders still und schön ist: am Wasser.
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